Fast wäre das Jubiläum unbemerkt an ihnen vorübergezogen. „Wir waren uns unsicher, wann die Gründung war“, erzählt Stephan Ziegler vom gleichnamigen Bauunternehmen aus Weildorf, „doch die Handwerkskammer hat sich bei uns gemeldet.“ Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Daniel hat der 42-Jährige zum 1. Juni den Familienbetrieb von Vater Franz übernommen, doch praktisch leiten die Brüder die Firma seit etwa zehn Jahren. Dabei haben die beiden Maurermeister eine Arbeitsteilung entwickelt, die ihren Neigungen entspricht: Während Stephan als Polier eine Baukolonne anführt, kümmert sich Daniel um die Büroarbeit. „Das hat er immer gern gehabt“, wirft Mutter Lucia ein.

Alle drei Kinder arbeiten im Betrieb mit

Seit 1976, als ihr Mann Franz den Betrieb von seinem Vater Anton übernommen hatte, ist Lucia Ziegler ebenfalls im Büro des Unternehmens tätig. „Ich habe kaufmännische Angestellte gelernt, aber im Lebensmittelladen“, berichtet die 69-Jährige. Mit Tochter Maria ist seit 2015 auch das dritte Kind in den Familienbetrieb eingebunden: „Das hat sich so ergeben“, meint die 39-Jährige. In der Elternzeit habe sie damit zur Überbrückung begonnen und neben ihrem Hauptberuf als Technische Zeichnerin unterstütze sie nun in Teilzeit bei der Büroarbeit.

Drei Generationen auf einem Foto: Lucia und Franz Ziegler (Mitte) und (von rechts) ihre Kinder Maria Meyer, Daniel Ziegler und Stephan ...
Drei Generationen auf einem Foto: Lucia und Franz Ziegler (Mitte) und (von rechts) ihre Kinder Maria Meyer, Daniel Ziegler und Stephan Ziegler mit Sohn Anton auf dem Arm. | Bild: Miriam Altmann

Freie Entscheidung zur Firmenübernahme

Dass die Söhne die Firma weiterführen, sei ihnen schon immer klar gewesen: „Du wirst so ein bisschen reingeboren“, offenbart Stephan Ziegler. Andere Berufswünsche, zum Beispiel im künstlerischen Bereich, hätten sie jedoch nie gehabt: „Wir können uns ja jeden Tag künstlerisch austoben“, scherzt Daniel Ziegler. Sie hätten sich frei entscheiden können und diese Entscheidung nie in Zweifel gezogen, betonen die Brüder. Auch ihr Vater Franz hatte keinen Druck verspürt: Als er auf der Handelsschule war, hatten ihn seine Eltern gefragt, ob er den Betrieb übernehmen wolle. „Ich habe es mir überlegt und dann zugesagt“, blickt der 78-Jährige zurück.

Die vierte Generation zeigt schon Interesse

Ob der dreijährige Anton später mal dieselbe Laufbahn einschlägt, lässt sich nur mutmaßen. „Das muss er nicht, da sind wir völlig offen, aber das Interesse ist da“, sagt sein Vater Stephan. Besonders haben es dem Kleinen der Radlader und der Lastwagen angetan, wie er noch etwas schüchtern verrät. „Im Kindergarten haben wir einen kleinen Betonmischer“, kommt Anton ins Plaudern. Und mit Stolz erzählt er dann, dass Opa Franz ihn schon im Radlader mitgenommen hat: „Ich bin gefahren, auf dem Schoß.“

Verbindungen zwischen den Generationen

Anton ist nicht nur der Name des Dreijährigen, sondern auch seines Urgroßvaters, der den Betrieb 1947 gründete. Der Name habe ihnen gefallen und der Bezug zum Urgroßvater habe dann den Ausschlag gegeben, dass er die beiden anderen Favoriten auf der Auswahlliste überholt habe, erzählt Stephans Zieglers Frau Caroline. Dass der Nachname so gut zum Betrieb passe, sei aber ein Zufall, meint die Familie. Auch wenn sie sowohl Ziegel als auch Beton verbauen, bevorzugen sie den Ziegelstein: „Das ist ein natürlicher Baustoff und das Raumklima wird damit besser“, begründet Daniel Ziegler.

Anton Ziegler gründete den Betrieb 1947 und übergab ihn 1976 an seinen Sohn Franz. Das Porträt des Firmengründers, der 1983 verstarb, ...
Anton Ziegler gründete den Betrieb 1947 und übergab ihn 1976 an seinen Sohn Franz. Das Porträt des Firmengründers, der 1983 verstarb, wird im Büro in Ehren gehalten. | Bild: Miriam Altmann

Neben Ein- und Mehrfamilienhäusern errichte die Firma auch Industriebauten, zählt der 44-Jährige auf. Sein Bruder nennt als bekannte Beispiele das Schlossseezentrum und die Sparkassenhauptstelle in Mimmenhausen. Am eigenen Haus in Weildorf hatte Großvater Anton einen Anbau für fünf Mitarbeiter errichtet, die als Gastarbeiter in den 1960er Jahren aus Süditalien kamen. Heute wohnt Stephan Ziegler mit seiner Frau und den zwei Kindern darin, nachdem er den Hausbereich von Grund auf renoviert hat. Als stellvertretender Vorsitzender des Musikvereins ist er im Ort verwurzelt und für alle Familienmitglieder ist es eine Selbstverständlichkeit, als Betrieb die Salemer Vereine finanziell zu unterstützen.

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Lehrlingsmangel trifft auch die Firma Ziegler

Im Laufe der Jahre lief es für die Firma mal besser, mal schlechter: „1984 gab es ganz wenig Arbeit“, erinnert sich Franz Ziegler an eine Zeit, die bestimmt fünf, sechs Jahre angehalten habe. Heute hat der Betrieb zwölf Mitarbeiter, doch die Anwerbung neuer Kräfte sei sehr schwierig. „Wir haben keine Lehrlinge mehr“, bedauert der 78-Jährige. Während er den Grund in der Abhängigkeit von der Witterung sieht, hält seine Frau den allgemeinen Trend zu höheren Bildungsabschlüssen für die Ursache: „Im Moment haben viele Branchen Schwierigkeiten, Leute zu finden“, argumentiert Lucia Ziegler. Das beobachtet auch ihr Sohn Stephan, der Mitglied des Gesellenprüfungsausschusses der Handwerkskammer Ulm ist.

Gute Auftragslage, unklare Perspektive

Wer aber den Weg in das Familienunternehmen gefunden habe, bleibe auch gern dort: „Drei Mitarbeiter haben bei uns gelernt und sind seit knapp 40 Jahren bei uns“, betont der 42-Jährige. Aktuell bereite ihnen jedoch die Preisentwicklung etwas Sorgen, denn profitieren würden sie davon nicht. „Wenn die Materialpreise steigen, ist es für uns alle schlecht“, stellt Daniel heraus. „Momentan haben wir viele Aufträge, aber man weiß nicht, wie es weitergeht.“ Wenn es momentan nach dem kleinen Anton geht, ist das Fortbestehen des Bauunternehmens langfristig gesichert. Bis diese Entscheidung möglicherweise spruchreif wird, wird der kleine Betonmischer im Weildorfer Kindergarten bestimmt noch oft zum Einsatz kommen.