Die Podiumsdiskussion auf Schloss Salem hatte gerade erst begonnen. Der Moderator führte Kurzinterviews mit Amtsinhaber Manfred Härle und dessen Herausforderin Birgit Baur. Es ging darum, die Personen etwas näher vorzustellen, damit die Wählerinnen und Wähler bei der Bürgermeisterwahl am kommenden Sonntag mit gutem Gefühl ihr Kreuzchen an der einen oder anderen Stelle machen können.

Martin gibt eine Erklärung ab und geht

Dann wäre der dritte Bewerber im Bunde an der Reihe gewesen, Dr. Roland Martin. Der Kandidat aus Südbayern, der vor einem halben Jahr erfolglos in Uhldingen-Mühlhofen kandidierte, wirkte schon vor Beginn der Veranstaltung etwas nervös, entgegen seiner sonst so souverän wirkenden Auftritte und seiner im persönlichen Gespräch gewinnenden Art. Auf die erste Frage des Moderators nach seinen Ambitionen gab Roland Martin eine kurze Erklärung ab, stand auf, und verließ den Saal. Zu sehen ist sein Abgang von der Bühne im Video ab der 17. Minute:

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In seiner Erklärung wies Martin darauf hin, dass es sein Ziel sei, „die Gemeinde Salem zusammenzuführen“. Nun lese er in der Zeitung Berichte, die „eingefärbt“ seien oder „nicht ganz den Tatsachen“ entsprächen. Worauf er sich bezieht, ließ Martin offen. Den SÜDKURIER erwähnt er namentlich nicht. Fehler können passieren, sie werden in einer Zeitung dann korrigiert. Doch hat sich Martin zu keinen etwaigen inhaltlichen Unstimmigkeiten gegenüber der Redaktion geäußert.

Birgit Baur und Manfred Härle diskutierten in den nächsten Fünfviertelstunden über die Themen Wirtschaftsförderung, Neue Mitte, Wohnungsbau, aber auch über ihr Selbstverständnis von Amtsführung.

Im Vorfeld Protest gegen die Örtlichkeit

Von Kandidat Martin ging bereits im Vorfeld der Veranstaltung eine Offerte gegen die geplanten Räumlichkeiten aus. Weil coronabedingt ohnehin nur eine kleinere Zahl an Zuschauern im Saal möglich war, hatte sich der SÜDKURIER darum bemüht, möglichst viele Salemerinnen und Salemer online zu erreichen. Dafür war ein guter Internetanschluss für den Upload des Livestreams nötig, wofür sich wiederum der Ratssaal angeboten hätte. Darin meinte Martin jedoch, einen ungerechten Vorteil für Manfred Härle zu erkennen. Der SÜDKURIER reagierte und fand in der Schule Schloss Salem in der neuen Aula ein gute Alternative. Insofern kann die Räumlichkeit kein Grund dafür gewesen sein, dass Martin sich letztlich der Diskussionsrunde verweigerte.

60 Personen, jeweils als Paar, durften laut Corona-Sitzplan und nach einem Auslosungsverfahren die Veranstaltung vor Ort besuchen, knapp 500 waren live im Internet zugeschaltet, möglicherweise auch mehr, wenn ein Bildschirm von mehreren Leuten gleichzeitig benutzt wurde. In den nächsten Tagen werden noch etliche dazu kommen, denn das Video wird dauerhaft auf der Internetplattform des SÜDKURIER verfügbar sein.

Der Wahlkampf in Salem ist mit dem Auf-, beziehungsweise Abtritt Roland Martins um eine bizarre Nuance reicher. Für Diskussionen und Rätselraten im Ort sorgt derzeit auch eine von Anonym aufgegebene Anzeige in einer Salemer Publikation, in der dazu aufgerufen wird, zwei Personen zu wählen, die von sich sagen, gar nicht Bürgermeister werden zu wollen.

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