Herr Härle, am 1. November hat Ihre dritte Amtsperiode als Salemer Gemeindeoberhaupt begonnen. Wenn Sie auf die lange Zeit Ihrer zurückliegenden 16 Amtsjahre zurückblicken, was fällt Ihnen da spontan so aus der Erinnerung an realisierten Vorhaben und Projekten ein, die Sie realisieren konnten?

Das größte und bedeutendste Vorhaben war und ist zweifelsohne die Realisierung und Umsetzung der neuen Gemeindemitte sowie die Aufwertung der Freibad- und Erholungsanlage am Schlosssee zu einer der schönsten Freizeitanlagen in der Region. In guter Erinnerung habe ich zudem die feierliche Einweihung der Bahnunterführung Neufrach, die maßgeblich zur positiven Weiterentwicklung unseres Gewerbestandortes beigetragen hat. Mit gutem und sichtbarem Erfolg konnten wir zudem den Hochwasserschutz für den Ortsteil Weildorf und die Ortskernsanierung Beuren anpacken und in die Tat umsetzen. Auch die Sanierung und Modernisierung des Alten- und Pflegeheims Wespach habe ich noch in guter Erinnerung. Mit einem finanziellen Kraftakt haben wir das Gesamtensemble im laufenden Betrieb zu einer der modernsten Einrichtungen im Bodenseekreis aus- und umgebaut.

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Wie hoch waren die Investitionen, die die Gemeinde in Ihrer bislang 16-jährigen Amtszeit getätigt hat?

Unter Berücksichtigung aller Ausgaben für Projekte und Vorhaben, die das Vermögen der Gemeinde erhöhen, konnten rund 150 Millionen Euro in den zurückliegenden 16 Jahren investiert werden. Nicht berücksichtigt sind dabei die Investitionen in die Wasserversorgung, die separat in einem kommunalen Eigenbetrieb erfasst und geführt werden.

Das ist eine stattliche Summe. Trotzdem ist die Gemeinde seit 2011 schuldenfrei. Wie haben Sie das geschafft? Allein die öffentlichen Einrichtungen in der neuen Gemeindemitte (Rathaus, Tiefgarage, Bürgerpark) haben schon 24,1 Millionen Euro verschlungen.

Maßgebend ist nach wie vor die strategische Vorgehensweise und Eintaktung der Vorhaben und Projekte. Mit gut durchdachten Finanzierungs- und Zuschusskonzepten ist uns dies in den zurückliegenden Jahren nahezu perfekt gelungen. Die Einhaltung von Zeit- und Kostenplänen ist dabei ein wesentlicher Faktor. Und der Gemeinderat muss natürlich auch mitziehen, sonst geht gar nichts.

Mitte September wurde die Skate- und Dirtbikeanlage hinter der Tennishalle eingeweiht. Sie wird von den Jugendlichen sehr gut angenommen.
Mitte September wurde die Skate- und Dirtbikeanlage hinter der Tennishalle eingeweiht. Sie wird von den Jugendlichen sehr gut angenommen. | Bild: Peter Schober

Wie in allen Kommunen wird die Corona-Pandemie auch in Salem in finanzieller Hinsicht negative Spuren hinterlassen. Das heißt, die Einnahmen werden geringer ausfallen. Wo genau wird sich das bemerkbar machen?

Das abgelaufene Jahr 2020 und das neue Jahr 2021 werden wir noch ohne größere Einschnitte und Blessuren aufgrund der guten Rücklage auffangen und überbrücken können. Spätestens ab dem Jahr 2022 schlagen die rückläufigen Steuereinnahmen in voller Breitseite auf den kommunalen Haushalt durch.

Geringere Einnahmen: Heißt das, an irgendeiner Stelle müssen Abstriche gemacht werden?

Darauf müssen wir uns einstellen. Die Übernahme von weiteren Aufgaben und Anträge auf Personalaufstockung durch den Gemeinderat sind zum jetzigen Zeitpunkt verfehlt und realitätsfremd. Tatsächlich müssen wir die eine oder andere Freiwilligkeitsleistung auf den Prüfstand stellen und bei den laufenden Pflege- und Unterhaltungsmaßnahmen deutliche Abstriche vornehmen.

Sie streben nach Möglichkeit auch weiterhin eine Nullverschuldung an. Sehen Sie da eine realistische Chance dafür? Eine Stellschraube könnte die Erhöhung der gemeindeeigenen Steuern und Abgaben sein. Ist in dieser Richtung etwas geplant?

Die Corona-Pandemie und der damit einhergehende Rückgang an Finanzzuweisungen und Steuerkraft ist nicht nur eine vorübergehende Erscheinung. Um nicht in einen folgenschweren Abwärtsstrudel zu geraten, ist es unerlässlich, unsere kommunalen Einnahmequellen konsequent zu durchforsten und auszuschöpfen. Neben den kommunalen Gebührenhaushalten werden wir auch die Hebesätze der Realsteuern auf den Prüfstand stellen müssen.

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Welche größeren Investitionen stehen im kommenden Jahr an?

Für das Jahr 2021 haben wir nochmals ein sehr beachtliches Investitionspaket mit knapp 12 Millionen Euro geschnürt. Eine Kreditaufnahme ist aufgrund der aktuellen Rücklage nicht erforderlich. Wie geplant bleiben wir auch im Jahr 2021 schuldenfrei. Ein Schwerpunkt unserer Investitionen liegt im Neubau eines sechsgruppigen Kindergartens im Ortsteil Stefansfeld. Parallel dazu haben wir die längst überfällige Sanierung der Glasfassade am Bildungszentrum erneut in den Haushalt eingestellt. Neben dem Bau eines neuen Radweges von Ahausen nach Buggensegel werden wir auch die Sanierung des Radweges entlang des Schwarzen Grabens und von Schloss Salem nach Rickenbach einplanen und umsetzen. Zusätzlich steht die Sanierung und der Ausbau der Straße Am Lichtenberg in Neufrach sowie der beitragspflichtige Allemannen- und Salmannsweiler Weg in Stefansfeld zur Umsetzung an. Sehr gerne möchte ich zudem mit einer Fischaufstiegshilfe einen ökologischen Beitrag zur Verbesserung der Durchlässigkeit der Salemer Aach anstoßen und auf den Weg bringen. Eingeplant haben wir noch die Anschaffung einer neuen Drehleiter und die Abwicklung der restlichen Landschaftsbauarbeiten für die neue Gemeindemitte. Wie geplant, soll diese im Frühjahr 2021 abgeschlossen sein.

Was war 2020 in der Gemeinde Salem los?

Zurück zur Corona-Pandemie. Inwiefern hat sich diese auch auf das Gemeindeleben ausgewirkt?

Der Austausch und die Begegnungen innerhalb der Gemeinde finden nicht mehr statt. Der Kontakt untereinander ist dadurch verloren gegangen. Das ist richtig bitter. Jeder merkt und spürt, dass die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie auf Dauer nicht auszuhalten sind. Umgekehrt wird uns in der jetzigen Situation sehr deutlich vor Augen geführt, wie wichtig und elementar das kulturelle Leben in unseren Vereinen, beim Sport, den Seniorennachmittagen und die Angebote der Kirchengemeinden sind. Und was ist ein Sommer ohne unser geliebtes Schlossseefest? Erst durch die aktuellen Einschränkungen wird einem vor Augen geführt, wie unbeschwert und frei das Leben ohne Corona-Pandemie war.

Im September wurden die Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen an der Hermann-Auer-Grundschule abgeschlossen. Einhergehend damit wurde dort ein neuer zweigruppiger Kindergarten eröffnet.
Im September wurden die Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen an der Hermann-Auer-Grundschule abgeschlossen. Einhergehend damit wurde dort ein neuer zweigruppiger Kindergarten eröffnet. | Bild: Peter Schober

Im vergangenen Jahr haben Sie sich auf den Umzug ins neue Rathaus gefreut. Hat sich Ihre Vorfreude erfüllt?

Alles ist perfekt gelaufen. Der Umzug hat tadellos geklappt. Wir haben ein supermodernes Rathaus mit idealen Rahmenbedingungen und top Arbeitsplätzen. Besser geht nicht. Dafür möchte ich mich bei allen Entscheidungsträgern und allen Bürgerinnen und Bürgern recht herzlich bedanken. Mit dem Rathausneubau sind wir jetzt durch und für die Zukunft bestens aufgestellt und gerüstet. Da können wir jetzt einen Haken dran machen. Und das ist gut so.

Worauf freuen Sie sich im kommenden Jahr?

Im Fokus bei mir steht natürlich die Inbetriebnahme der neuen Gemeindemitte. Darauf habe ich zielorientiert und mit sehr viel persönlichem Einsatz hingearbeitet. Die Fertigstellung der Außenanlagen und die Eröffnung der Einzelhandelsgeschäfte ist für Frühjahr 2021 geplant. Mit einem Tag der offenen Tür möchte ich sehr gerne alle Bürgerinnen und Bürger in die neue Gemeindemitte einladen und darüber informieren, welche zusätzlichen und neuen Angebote über Einkaufen, Wohnen und Arbeiten in der Schlossseeallee geschaffen worden sind.

Mitte August fiel der Startschuss für den Rufbus als weitere Ergänzung des innerörtlichen Personennahverkehrs.
Mitte August fiel der Startschuss für den Rufbus als weitere Ergänzung des innerörtlichen Personennahverkehrs. | Bild: Peter Schober