Licht aus, Heizung runterdrehen, Tür zu – so könnte man sich den Winteralltag einer Schlossverwalterin in Zeiten von Corona vorstellen. Birgit Rückert lacht herzlich angesichts dieser Vorstellung. „Wir sind gerade schon ein wenig im Dornröschenschlaf“, gibt sie zu, erklärt aber, dass sie sich keineswegs entspannt zurücklehnen kann.

Wartungsarbeiten und Vorbereitungen für die neue Saison

Neben den ganz normalen Wartungsarbeiten, die jeden Winter anstehen, nutzen die Angestellten die ruhigen Monate für die Vorbereitung der neuen Saison. So werden nicht nur wie sonst Reinigungsarbeiten und Reparaturen ausgeführt, sondern auch Teile der Ausstellung aktualisiert und neue Themenführungen geplant. Zudem werden nun auch größere Projekte wie die Inventarisierung der Bibliothek und die Digitalisierung vorangetrieben. „Gut, dass wir mal Luft dafür haben“, sagt die promovierte Archäologin.

Der Schreibtisch von Birgit Rückert ist voll: Auch im Winter gibt es viel zu tun für die Schlossverwalterin und ihre Mitarbeiter, Videokonferenzen sind ebenfalls an der Tagesordnung.
Der Schreibtisch von Birgit Rückert ist voll: Auch im Winter gibt es viel zu tun für die Schlossverwalterin und ihre Mitarbeiter, Videokonferenzen sind ebenfalls an der Tagesordnung. | Bild: Miriam Altmann

Hoffnung auf einen Saisonstart am 27. März

Die Saison würde regulär am Wochenende vor Ostern starten, doch ob dies möglich sein wird, bleibt abzuwarten. „Wir stehen in den Startlöchern, aber wir planen von Woche zu Woche.“ Birgit Rückert blickt optimistisch auf den 27. März als Öffnungstermin, da das Schlossgelände die besten Voraussetzungen für einen sicheren Betrieb unter Pandemiebedingungen hat: viel Freiluft, große Räume und ein erprobtes Hygienekonzept aus dem vergangenen Sommer. Dies hat sich sogar angesichts der überdurchschnittlichen Gästezahl bewährt. Zwar blieben im vergangenen Jahr die Schulklassen und Busgruppen aus, dafür kamen umso mehr Menschen aus der Region und sehr viele Familien mit Kindern. „Ich hoffe, dass es denen im Gedächtnis bleibt, wie schön es hier ist“, wünscht sich die Schlossverwalterin.

Die Außenanlagen sind für alle Besucher geöffnet, Abstand zu wahren ist kein Problem.
Die Außenanlagen sind für alle Besucher geöffnet, Abstand zu wahren ist kein Problem. | Bild: Miriam Altmann

Doch nicht nur Schönheit war gefragt, auch der Wissensdurst der Besucher schien im Sommer enorm: Als noch keine Führungen, sondern nur freie Rundgänge möglich waren, wurden die Aufsichtspersonen mit Fragen geradezu gelöchert. Zwar gibt es Infomaterial und Online-Angebote wie Filme und virtuelle Rundgänge, doch dies scheint für viele Besucher nur ein magerer Ersatz zu sein. „Das Bedürfnis der Menschen, die Orte selbst zu erkunden, ist sehr groß“, stellt Birgit Rückert fest.

So ist die Situation in den anderen Schlössern

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Kloster und Schloss werden herausgeputzt

Damit dies ohne Baustellen möglich ist und sich Kloster und Schloss von ihrer besten Seite zeigen können, wird an allen Ecken und Enden gearbeitet: Die Böden werden gereinigt, die Treppen gewachst, die Fenster geputzt – und den alten Klostervorständen auf den Wandgemälden entgeht dabei nichts: „Unsere Äbte schauen das alles in stoischer Ruhe an. Die haben schon ganz andere Katastrophen erlebt“, scherzt Birgit Rückert. Auch die Spritzen im Feuerwehrmuseum werden dieses Jahr besonders sorgfältig, aber dennoch behutsam gereinigt. „Die dürfen nicht glänzen, aber sie sollen strahlen“, bringt es die Expertin auf den Punkt.

Die Mimmenhausener Spritze ist eines der Lieblingsexponate von Birgit Rückert. Sie wurde 1846 von Carl Blersch aus Überlingen gebaut, war aber nur ein Nachbau einer 100 Jahre älteren Klosterspritze der Salemer Mönche. Ohne Schlauch war sie somit schon bei der Auslieferung altmodisch und unpraktisch. „Damit ärgere ich immer die Mimmenhausener“, sagt Rückert schmunzelnd.
Die Mimmenhausener Spritze ist eines der Lieblingsexponate von Birgit Rückert. Sie wurde 1846 von Carl Blersch aus Überlingen gebaut, war aber nur ein Nachbau einer 100 Jahre älteren Klosterspritze der Salemer Mönche. Ohne Schlauch war sie somit schon bei der Auslieferung altmodisch und unpraktisch. „Damit ärgere ich immer die Mimmenhausener“, sagt Rückert schmunzelnd. | Bild: Miriam Altmann

Die alten Gemäuer sind krisenresistent

Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Wohnbereich von Abt Anselm: Nachdem dieser Trakt 2020 restauriert wurde, soll er nach dem letzten Feinschliff wieder für Besucher zugänglich gemacht werden. „Wir hoffen, dass wir bald wieder Gäste empfangen dürfen“, merkt Rückert an, „nicht nur für die Gäste, sondern auch für uns.“

Und was ist nun mit Licht aus, Heizung runter und Tür zu? Brauchen die alten Gemäuer in der Winterruhe eine besondere Pflege? Die Schlossverwalterin kann beruhigen: „Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden zwar ständig gemessen, es müssen aber keine besonderen Maßnahmen getroffen werden.“ Was sich seit Jahrhunderten bewährt hat, kann auch weiter so fortbestehen – und so manche Krise überdauern.