„Einen alten Baum verpflanzt man nicht.“ Im übertragenen Sinn heißt das, dass Menschen im Alter nicht aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden sollen. Der 85-jährige Bruno Wittmann und sein 82-jähriger Bruder Rudolf hingegen haben ihre Zelte in ihrem bisherigen Lebensumfeld nach Jahrzehnten aus eigenem Antrieb abgebrochen und sind in ihre angestammte Heimat, nach Mimmenhausen, zurückgekehrt. Sie stammen aus der ehemaligen Küferei Wittmann in der Bodenseestraße.

Hans unterstützt seine Brüder bei der Rückkehr in die Heimat

Im neuen Haus Generation+ in der Schlossseeallee haben sie ein Domizil gefunden, das auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Ihr jüngster Bruder Hans Wittmann, der seit jeher in Mimmenhausen lebt, hat sie bei ihrer Rückkehr in die Heimat unterstützt. Er freut sich, dass sich sein Familienkreis jetzt fast wieder geschlossen hat. Fehlt nur noch der zweitälteste der vier Brüder, Karl Wittmann. Dieser lebt bei Rosenheim und möchte auch dort bleiben.

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Bruno lebt jetzt direkt neben seinem ehemaligen Kameraden Gero Stickel

„Ich wollte zurück zu meinen Wurzeln, dorthin, wo noch viele meiner ehemaligen Kameraden leben, wollte mit ihnen wieder Kontakt bekommen“, sagt Bruno Wittmann. Einer dieser ehemaligen Kameraden ist Gero Stickel. Er wohnt jetzt direkt neben Bruno Wittmann, denn er hat vor vier Jahren seinen Altersruhesitz im ersten Haus Generation+ aufgeschlagen. Die beiden Männer haben früher miteinander Handball gespielt, auf dem Großfeld noch im Freien. „Der Bruno war ein Stürmer, den so leicht keiner gestoppt hat“, erinnert sich Gero Stickel. Bruno Wittmann war, wie er erzählt, ein Sportler durch und durch: Handball, Tennis, Windsurfing, Radfahren. Auch mit seinen 85 Jahren setzt er sich noch aufs E-Bike.

Nach der Küferlehre zum Getränkehersteller

Bruno Wittmann hatte es in die Schweiz verschlagen. Daran hatte auch sein Vater einen Anteil. Nachdem Bruno Wittmann eine Küferlehre absolviert hatte, schickte ihn sein Vater zum größten Getränkehersteller in die Schweiz. Dort sollte er noch etwas über die Getränkeherstellung lernen und diese Kenntnisse dann in der Mosterei einbringen, die der elterlichen Küferei angeschlossen war.

Die Wittmann-Brüder Mitte der 1960er Jahre mit ihren Eltern: (von links) Karl, Rudolf, die Eltern Paul und Albertine Wittmann sowie Bruno und Hans.
Die Wittmann-Brüder Mitte der 1960er Jahre mit ihren Eltern: (von links) Karl, Rudolf, die Eltern Paul und Albertine Wittmann sowie Bruno und Hans. | Bild: privat

Weitere Ausbildung, Studium und dann zum Pharmaziehersteller in die Schweiz

An diesem Punkt nahm Bruno Wittmanns vorgezeichneter Lebensweg eine Wendung. Er fand Interesse an der Getränkeherstellung, machte daher in Isny eine Ausbildung als Chemielaborant und studierte später an der Fachhochschule Chemie. 1965 nahm er im schweizerischen Chur eine Arbeit auf, weil man in der Schweiz mehr verdiente. Zwei Jahre später wechselte er zu einem Pharmaziehersteller in St. Gallen und blieb dort hängen. Das Haus, das er sich dort gebaut hat, wird nun verkauft.

Rudolf ging als Bankkaufmann nach Stuttgart

Probleme, in ihrer neuen Umgebung Wurzeln zu schlagen, haben die Wittmann-Brüder nicht. „Wir sind beide kontaktfreudige Menschen und sprechen die Leute an“, sagt Rudolf Wittmann lächelnd. Das muss wohl auch damit zu tun haben, dass beide ihre Nase in die Welt gestreckt haben. Rudolf Wittmann ging nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann in jungen Jahren zur Dresdner Bank nach Stuttgart. Danach war er etliche Jahre als Verbandsprüfer beim süddeutschen Genossenschaftsverband tätig.

Als Prokurist im Dienst der Liebenzeller Mission in die halbe Welt

Anschließend stellte er sich in den Dienst der Liebenzeller Mission, einer der größten evangelischen Missionsgesellschaften in Deutschland mit über 230 Missionaren in aller Welt. Dort war er zunächst als Geschäftsführer und nach einer Umstrukturierung als alleinvertretungsberechtigter Prokurist tätig. Daneben organisierte er etwa 30 Studienreisen und Familienfreizeiten für die Missionsgesellschaft und lernte so die halbe Welt kennen.

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Als Mittsiebziger Hausvater in einem Jungeninternat in Sambia

Nachdem er 2002 in den Ruhestand gegangen war, aktivierte ihn die Missionsgesellschaft noch einmal. Rudolf Wittmann übernahm 2011 mit 73 Jahren knapp zwei Jahre die Finanzen der Mission und ihrer 20 Missionare in Sambia. Später waren er und seine Frau Christa nochmals in Sambia als Interims-Hauseltern in einem Jungeninternat einer christlichen Schule tätig. Die vergangenen 14 Jahre lebte Rudolf Wittmann mit seiner Frau in Freudenberg im Siegerland. Dort engagierte er sich für mehrere Jahre in der Flüchtlingsarbeit und in einer Tafel.

Der jüngere Bruder machte auf das Haus Generation+ aufmerksam

Nachdem sein ältester Bruder Bruno die Absicht geäußert hatte, nach Mimmenhausen in seine alte Heimat zurückzukehren, fand auch Rudolf Wittmann an der Idee gefallen. Hans Wittmann, der jüngste Bruder, zog dabei die Fäden. Er machte die beiden Brüder auf das Haus Generation+ aufmerksam.

Das sei hier wie geschaffen für sie, sind sich die beiden Brüder einig. „Wir haben die Sozialstation im Haus, im Nachbarhaus eine Arztpraxis und eine Apotheke und bekommen jetzt noch in nächster Nähe einen Einkaufsmarkt und eine Drogerie.“ Bruno Wittmann, der alleinstehend ist, schätzt es außerdem, dass in der seniorenbetreuten Wohnanlage auch Mittagessen angeboten wird.

Hans Wittmann übernahm den elterlichen Küferei-Betrieb und die Mosterei

Hans Wittmann, mit seinen 80 Jahren quasi das „Nesthäkchen“ der Familie, freut sich, dass zwei seiner Brüder jetzt wieder in der alten Heimat sind. „Wir haben jetzt mehr persönlichen Kontakt, während wir vorher immer nur miteinander telefonieren konnten“, sagt er und klopft seinem ältesten Bruder auf die Schultern. Der Hansi war der einzige der vier Brüder, der in seiner Heimat geblieben ist. Er lernte zunächst den Beruf des Maurers. Nachdem aber feststand, dass sein ältester Bruder Bruno nicht mehr nach Mimmenhausen zurückkehren wird, musste er auf Geheiß seines Vaters Küfer lernen. So stieg er zunächst in den elterlichen Küferei-Betrieb ein. Die elterliche Mosterei, die Mitte der 1950er Jahre in der Straße Zur Öle gebaut worden war, betrieb er bis 1991.