In der Region bekannt wurde Landwirt Martin Wielatt aus Salem-Beuren durch seinen Antrag auf einen Sonderlandeplatz für Ultra-Leichtflugzeuge. Nachdem dieser ihm verwehrt wurde, möchte er nun einen seiner Äcker für einen 5G-Mast zur Verfügung stellen. Noch bevor der Gemeinde ein entsprechender Bauantrag für das Aufstellen eines solchen Mobilfunkmasten vorliegt, formiert sich jedoch bereits Widerstand am Ort.

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Nadja Lammers wohnt seit vergangenem Jahr am Beurener Ortsrand und zeigt sich bei einem Gesprächstermin entsetzt über das Vorhaben. „Ich bin wirklich schockiert, dass 15 Meter entfernt vor unserer Haustür ein Funkmast stehen soll“, sagt sie bei einem Gespräch vor Ort. Gemeinsam mit anderen Anwohnern möchte sie gegen das Aufstellen vorgehen. Vor allem gesundheitliche Aspekte, aber auch Klima-und Naturschutz treiben die zweifache Mutter und ihre Mitstreiter Lucas Bergmann, Michael Presser und Iris Brunner an.

Die Gegner des Mobilfunkmasts befürchten unter anderem gesundheitliche Schäden. Daher wünschen sie sich Aufklärung „noch bevor der Antrag auf dem Ratstisch landet“. Im Dorf und darüber hinaus werde die 5G-Thematik bereits diskutiert. Von daher sei jetzt ein guter Zeitpunkt, die Einwohner über die Technik ins Bild zu setzen.

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Michael Presser möchte dafür „Klarheit von Betreiberseite, um anschließend eine gute Ebene für einen sachlichen Dialog zu haben.“ Die Gemeinde sieht Presser ebenfalls in der Pflicht. Wenn sie an solchen Genehmigungsverfahren beteiligt sei, müsse sie auch über die Technik informieren. Iris Brunner sieht das genauso. Ihr liegt vor allem „die Gesundheit der Bürger und insbesondere der Kinder am Herzen“.

Anwohnerin Lammers: 5G wird forciert, ohne ausreichend erforscht zu sein

Nadja Lammers äußert Bedenken wegen der „hochfrequenten Mikrowellenstrahlung, die vor allem Kindern schaden kann“. Das Ganze werde forciert, ohne, dass es ausreichend erforscht sei. Die junge Frau spricht auch den Wertverlust von Grundstücken in unmittelbarer Nähe des potentiellen Masten an.

Verteufeln will die Gruppe das Digitale jedoch nicht. Ihm sei bewusst, dass es in der Bevölkerung auf dem Land eine Anspruchshaltung gibt, digital nicht abgehängt zu werden, sagt Presser. “Dem Thema sollten wir uns stellen und nicht im geheimen Kämmerlein entscheiden“, befindet er. Daher plädiert die Initiative für Transparenz und dafür, strahlungsärmere Alternativen zu suchen.

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Zufällig hatte Lammers beim Spielen mit ihren Kindern im Garten den Obstbauer Martin Wielatt beim Einschlagen von Pflöcken beobachtet und ihn direkt angesprochen. Wielatt habe ihr gegenüber offen darüber geredet, dass er die Ackerfläche hinter dem Haus Leustetterstraße 1 der Telekom für einen 30 Meter hohen 5G-Funkmast verpachten wolle. Das Gelände sei schon vermessen worden und der Stromlieferer bereits vor Ort gewesen. Das notwendige Baugesuch werde die Telekom stellen.

Im Rathaus ist von einem Baugesuch noch nichts bekannt

Beim Salemer Bauamt ist ein solches Gesuch bislang noch nicht angekommen. Gehört hat Bauamtsleiter Torsten Schillinger zwar davon, nähere Auskünfte kann er momentan aber nicht geben. Ohne Bauantrag kenne er die Sachlage nicht und müsste spekulieren, sagt er in einem Telefongespräch. Und spekulieren wolle er keinesfalls.

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Was der Bauamtsleiter sicher weiß, ist, dass die Gemeinde seitens Telekom schon vor längerer Zeit angefragt worden sei wegen Flächen für den neuen Mobilfunkstandard. Dabei sei es sowohl um den Salemer Ortsteil Beuren als auch um eine Freifläche entlang der Bahnlinie gegangen. “Die Gemeinde stellt keine gemeindeeigenen Grundstücke für 5G zur Verfügung“, unterstreicht Schillinger am Telefon die klare Ansage der Verwaltung.

Die Mobilfunkanlage auf der ZG Raiffeisen in Salem-Neufrach gehört zu den 16 Mobilfunkstandorten im Bodenseekreis, die 2020 auf 5G umgestellt wurden. Diese Anlage ist die bislang einzige mit dem neuen Mobilfunkstandard auf der Gebiet der Gemeinde.
Die Mobilfunkanlage auf der ZG Raiffeisen in Salem-Neufrach gehört zu den 16 Mobilfunkstandorten im Bodenseekreis, die 2020 auf 5G umgestellt wurden. Diese Anlage ist die bislang einzige mit dem neuen Mobilfunkstandard auf der Gebiet der Gemeinde. | Bild: Martina Wolters

Die Mobilfunkantenne auf dem Gebäude der Zentralgenossenschaft (ZG) im Riedweg in Neufrach habe die Telekom bereits auf 5G umgestellt, weiß Bauamtsleiter Schillinger. Ansonsten gebe es derzeit keinen Mast der neuen Generation auf Salems Gemarkung. Dass das auch so bleibe, dafür wollen sich Lammers, Bergmann, Presser und Brunner einsetzen. Als nächstes planen sie eine Unterschriftenaktion. E-Mail-Kontakt: salemfunk@web.de