In einer neuen, wohl wöchentlichen Publikation für Salem, die vergangene Woche gerade zum zweiten Mal erschienen ist, sorgt eine ganzseitige Anzeige für Gesprächsstoff in der Gemeinde. Abgedruckt ist eine Empfehlung zur Bürgermeisterwahl. Beim flüchtigen Hinsehen erweckt sie den Anschein, als stamme sie vom „Aktionsbündnis Grünzug Salem„ – wohlbekannt in der Gemeinde als politischer Zusammenschluss unter anderem der Gemeinderatsliste der GoL, des bündnisgrünen Ortsverbandes, von BUND und den Bauern im BLHV. Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, dass der Urheber der Anzeige ein „Aktionsbündnis Salem 2028“ ist. Bis 2028 läuft die nächste Amtsperiode des Bürgermeisters.

„Aktionsbündnis Grünzug Salem„ distanziert sich von „Aktionsbündnis Salem 2028“

Noch am Abend des vergangenen Freitags, 18. September, distanzierte sich das „Aktionsbündnis Grünzug Salem„ von der Anzeige, die ein ähnliches Hellgrün verwendet wie es sich im Logo des „Aktionsbündnis Salem 2028“ findet. „Das Aktionsbündnis Grünzug Salem ist nicht identisch mit diesem neuen Bündnis und distanziert sich von dieser Anzeige„, schreibt Suzan Hahnemann und stellt klar, dass das „Aktionsbündnis Grünzug Salem„ auch keine Wahlempfehlung abgegeben habe.

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Wahlempfehlung für Jörg Allgaier und Denis Lehmann

Als erklärtes Ziel propagiert das bislang unbekannte „Aktionsbündnis 2028“ einen zweiten Wahlgang. Denn im zweiten Wahlgang würden die Karten neu gemischt. Die Salemer Bürger werden aufgerufen, bei der Bürgermeisterwahl am kommenden Sonntag keine leeren Wahlzettel abzugeben. Weiter wird darauf hingewiesen, dass jede Person gewählt werden darf, auch wenn sie nicht auf dem Wahlzettel stehe. Dann folgen zwei namentliche Wahlempfehlungen: Der 46-jährige Jörg Allgaier aus Mimmenhausen, der bei der BW-Bank in Ravensburg Leiter privates Vermögensmanagement ist, und der 31-jährige Denis Lehmann aus Grasbeuren, der in der Gemeindeverwaltung Hagnau das Bau-, Planungs- und Ordnungsamt leitet. Jörg Allgaier, so heißt es in der Anzeige, sei bürgernah, stehe für konservative und nachhaltige Werte, für regionales Wirtschaftswachstum und Digitalisierung. Denis Lehmann stehe für offene Kommunikation und einen moderaten Umgangston.

Die beiden genannten distanzieren sich ebenfalls

Beide, Jörg Allgaier und Denis Lehmann, distanzieren sich. Jörg Allgaier erklärte dem SÜDKURIER gegenüber, dass er nichts von der Anzeige wusste. „Ich weiß auch nicht, wer dahinter steckt“, sagt er. Er sei zwar aus der Bürgerschaft darauf angesprochen worden, zu kandieren. „Aber ich will“, so betont Jörg Allgaier entschieden, „nicht Bürgermeister werden.“

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Lehmann war wie Allgaier im Vorfeld angesprochen worden

Auch Denis Lehmann ist eigenem Bekunden nach aus allen Wolken gefallen, als er die Anzeige entdeckte. „Ich habe da mit Verwunderung meinen Namen gelesen“, äußerte er dem SÜDKURIER gegenüber. Die Erstellung sowie der Inhalt dieser Anzeige seien ohne jegliche Absprache mit ihm erfolgt. Zwar ist auch Denis Lehmann angesprochen worden, ob er sich in Salem nicht als Bürgermeister zur Wahl stellen wolle. Aber er habe andere berufliche Pläne. Aber Bürgermeister in Salem wolle er nicht werden, sagt er klipp und klar.

„Es gibt innerhalb der Bevölkerung eine Opposition“

Der Mann hinter dem neuen Salemer Blatt ist der Redakteur Stefan Steinhauer, der sich über die Identität des Aktionsbündnis 2028 ausschweigt. Die Anzeige sei von einem Kunden voll bezahlt und das erklärte Ziel sei ja offensichtlich. „Die wollen einen zweiten Wahlgang, die haben Angst davor, dass der Amtsinhaber gleich im ersten Wahlgang 50 plus eine Stimmen kriegt.“ Und dieses Aktionsbündnis wolle eben zeigen, dass zusätzliche Stimmen abrufbar seien – und denen gefalle weder A noch B noch C, verweist Steinhauer auf den Amtsinhaber und seine beiden Mitbewerber. „Es gibt eben innerhalb der Bevölkerung eine Opposition,“ sagt Steinhauer, man kann nicht alles glatt rasieren – wir schlucken nicht alles, was uns vorgesetzt wird“.

Aktionsbündnis 2028 ließ sich die Anzeige 2600 Euro kosten

Mit dem Aktionsbündnis 2028 hätten er und sein Blatt nichts zu tun, tritt er entsprechenden Gerüchten entgegen. Auf die SÜDKURIER-Frage, ob es Verbindungen gebe zwischen den Personen, die sich Aktionsbündnis 2028 nennen, und Personen, die auf irgendeine Weise seine „Salemer Nachrichten“ finanziell oder auf andere Art unterstützten, antwortet Steinhauer mit „Nein!“. Es gebe niemanden, der politisch hinter seinem Blatt stehe. Und die ganzseitige Anzeige sei von besagtem Aktionsbündnis 2028 korrekt und voll bezahlt nach dem Tarif, der in derselben Ausgabe genannt war, in der die Anzeige erschien: Für die komplette Werbung für einen zweiten Wahlgang und die Empfehlung, Allgaier oder Lehmann zu wählen, bezahlte das Aktionsbündnis 2028 demnach 2600 Euro.

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Dessen ungeachtet habe er seine eigenen klaren politischen Ansichten, sagt der gelernte Redakteur Stefan Steinhauer, der derzeit einen Imbissstand in Salem betreibt und einige Zeit, bis 2014, auch Vorsitzender von Rot-Weiß-Salem war und in dieser Funktion auch Vorgänger von Jörg Allgaier.

Steinhauer: Eine der beiden Personen hat Bewerbungsunterlagen abgeholt

Ob er und der dahinter stehende Verlag, „Satz und Druck DCS“ in Überlingen die Anzeige denn nicht inhaltlich geprüft habe – denn Verlage müssten ja auch dafür gerade stehen, dass Anzeigen beispielsweise keine strafrechtlichen Inhalte hätten. „Doch, natürlich haben wir die Anzeige geprüft“, sagt Steinhauer. Die beiden genannten Personen hätten auch nichts gewusst, ist er überzeugt. Dann aber: Aber es sei ja bekannt, dass es zwei Kandidaten gegeben habe, die sich bis zuletzt überlegt hätten, ihre Bewerbung in den Ring zu werfen. „Und eine der beiden Personen, die da jetzt in der Anzeige steht, hat sich auch Bewerbungsunterlagen im Rathaus abgeholt.“ Das sei „bis ins Rathaus hinein“ bekannt.

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