Der Salemer Landwirt Martin Wielatt hatte vor zwei Jahren für sein Grundstück zwischen Beuren und Weildorf einen Sonderlandeplatz für Ultraleichtflugzeuge beantragt. Vom Regierungspräsidium Stuttgart wurde der Antrag abgelehnt. Noch sei die Entscheidung nicht bestandskräftig, hieß es im August vonseiten der Behörde. Daher habe der Antragsteller noch die Möglichkeit, beim Verwaltungsgericht Klage zu erheben, erklärte eine Pressesprecherin.

Martin Wielatt hatte bei einem Termin mit einer SÜDKURIER-Mitarbeitern das Grundstück gezeigt, auf dem er den Sonderlandeplatz realisieren möchte.
Martin Wielatt hatte bei einem Termin mit einer SÜDKURIER-Mitarbeitern das Grundstück gezeigt, auf dem er den Sonderlandeplatz realisieren möchte. | Bild: Martina Wolters

Diese Möglichkeit hat Martin Wielatt bereits ergriffen. Auf SÜDKURIER-Nachfrage teilt er mit, dass er an den Petitionsausschuss geschrieben und eine Klage am Verwaltungsgericht Sigmaringen laufen habe, in der er sich gegen die Ablehnung seines Antrags auf einen Start- und Landeplatz für Ultraleichtflugzeuge ausspreche. Wielatt will mit einem zweisitzigen Ultraleichtflugzeug vom Typ C-42 unter anderem Hagelnetze und Obstplantagen kontrollieren. Er und sein Sohn haben beide die Fluglizenz. Dies hatte er in einem früheren Gespräch angegeben.

Das Regierungspräsidium sieht das vorgeschlagene Gelände jedoch als ungeeignet an. Gegenüber dieser Zeitung erläuterte die Pressesprecherin: „Entscheidend für die Ablehnung war, dass das Gelände aus luftfahrttechnischer Sicht ungeeignet ist und ein vorhandenes Hindernis aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht beseitigt werden kann. Der Flugplatz würde zudem zu einer Gefährdung des Straßenverkehrs führen.“

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Die vollständige Begründung gab die Behörde nicht heraus, nach eigenen Angaben aufgrund personenbezogener Daten. Dennoch lieferte sie jetzt eine Konkretisierung nach: „Nach Beurteilung der vorliegenden Gutachten erachtet die Genehmigungsbehörde das Gelände aufgrund der Bahnlänge und der vorhandenen Hindernissituation (ein unter Naturschutz stehender Baum, eine Buschreihe (Grünzug) sowie eine in ausreichender Höhe zu überfliegende Kreisstraße) als ungeeignet.“

Externer Gutachter: „geübter und versierter Pilot“ nötig

Ein vom Regierungspräsidium beauftragter externer Gutachter ziehe aus den Berechnungen sein Fazit, dass ein Ultraleichtflugzeug vom Typ C-42B auf dem beantragten Gelände einen „geübten und versierten Piloten“ benötige, wobei An- und Abflüge „wie auf einem Flugzeugträger sitzen“ müssten.

Die Pressesprecherin berichtet weiter: „Die knappen Maße beider Betriebsrichtungen (An-/Abflugrichtungen) bieten keinen Puffer hinsichtlich der Flugsicherheit, seien es Pilotenfehler, meteorologische Einflüsse wie eine Windböe oder technisches Versagen. Insgesamt betrachtet rechtfertigen dabei insbesondere die mannigfaltigen Ausnahmeregelungen (Absenkung der Flughöhe beim Überflug der Straße, Schaffung und Erhaltung vollständiger Hindernisfreiheit, versetzte Schwellen), die notwendig wären, um das Gelände vorderhand überhaupt potenziell tauglich erscheinen zu lassen, nicht die aus einem Flugbetrieb resultierenden Gefahren.“

„Die knappen Maße beider Betriebsrichtungen (An-/Abflugrichtungen) bieten keinen Puffer hinsichtlich der Flugsicherheit.“
Pressesprecherin, Regierungspräsidium Stuttgart

Der Salemer Gemeinderat und die Bürger hatten sich mehrheitlich gegen das Vorhaben ausgesprochen. Eine Informationsveranstaltung der Ortsverbände von Grünen und SPD im Herbst 2018 hatten 110 Bürger besucht, mehr als 400 Unterschriften waren gegen den Antrag gesammelt und eine Vielzahl von Einwendungen formuliert worden.

Die Kritik der Bürger hatte sich unter anderem gegen die Anzahl von 300 beantragten Flügen und das Vorhaben der Schädlingsbekämpfung gerichtet. Ferner hatten die Kritiker einen teilweisen Eingriff in ihre Privatsphäre durch tief fliegende Fluggeräte und mittelfristig eine Zunahme des Flugverkehrs befürchtet.

Gegner befürworten Entscheidung der Behörde

Stellvertretend für die Gegner äußert sich Gerhard Wachter, ehemals Freie-Wähler-Gemeinderat und Teilnehmer der Informationsveranstaltung 2018. Die Ablehnung durch das Regierungspräsidium in Stuttgart hält Gerhard Wachter für „eine sehr gute Entscheidung“. Die Behörde habe die Absage gut begründet. Wachter schließt sich dieser an: Die Bahn sei zu kurz und zu nah an der Straße.

Hedi Christian (Grüne) und Egenolf Löhr (SPD) hatten den Einwohnern bei ihrer Informationsveranstaltung dazu geraten, Einwände gegen den beantragten Flugplatz per Brief schriftlich und unterzeichnet an die Gemeinde oder das Regierungspräsidium Stuttgart zu schicken.
Hedi Christian (Grüne) und Egenolf Löhr (SPD) hatten den Einwohnern bei ihrer Informationsveranstaltung dazu geraten, Einwände gegen den beantragten Flugplatz per Brief schriftlich und unterzeichnet an die Gemeinde oder das Regierungspräsidium Stuttgart zu schicken.

Insgesamt hält er den Plan des Landwirts für „zu konstruiert“. Gestört hätten sich die Gegner zum Beispiel an der Aussage Wielatts, dass es sich um ein privilegiertes Vorhaben im landwirtschaftlichen Bereich handelt. Diese hatte der Landwirt auch im Gespräch mit dem SÜDKURIER getroffen. Zudem hatten die Bürger den Sonderlandeplatz von Anfang an als potenziell gefährlich für den Straßenverkehr eingestuft und Probleme in verschiedenen Bereichen gesehen, etwa ökologische Herausforderungen.

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Mehrmals hatte dabei Aussage gegen Aussage gestanden und war die Stimmung im Ort hochgekocht. Dass Martin Wielatt seinen Antrag zurückgezogen und mit modifiziertem Naturschutzgutachten wieder eingereicht hatte, hatte ebenfalls für Konflikte gesorgt. Wegen des neuen Verfahrens waren nämlich alle eingereichten Einwendungen ungültig gewesen und hatten erneut gestellt werden müssen.

Dazu, dass der Landwirt jetzt Klage beim Verwaltungsgericht Sigmaringen eingereicht hat, sagt Gerhard Wachter: „Das ist sein Recht. Das soll er haben. Es wäre unfair, ihm das abzusprechen.“ Der ehemalige Gemeinderat glaubt allerdings nicht, dass das Gericht anders entscheiden könnte als das Regierungspräsidium.

„Das ist sein Recht. Das soll er haben. Es wäre unfair, ihm das abzusprechen.“
Gerhard Wachter, ehemaliger Freier-Wähler-Gemeinderat, zur Klage des Landwirts

Über ein mögliches Schlupfloch spricht er noch: Die Behörde hat ihm zufolge erklärt, dass es sich bei dem Sonderlandeplatz eher um eine Infrastruktureinrichtung für Freizeit und Sport handele. Für eine solche Infrastruktureinrichtung müsste ein Flächennutzungsplan über das Gelände gelegt werden. Einer Änderung des Flächennutzungsplans müssten aber die Kommunen im Gemeindeverwaltungsverband zustimmen. Da sieht Wachter keine Erfolgsaussichten.

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