Irgendwo und irgendwann hatte Jörg Lorschiedter etwas vom „RAD-Lager“ gehört, das es während des „Dritten Reiches“ in Grasbeuren gegeben habe. Von 1934 bis 1945 waren in diesem „Reichsarbeitsdienstlager“ in dem kleinen Dorf permanent über 100 junge Leute untergebracht, die ihren in der Regel sechsmonatigen Pflichtarbeitsdienst bei der Straßen-, Landschafts- oder Feldarbeit in der ganzen Region ableisteten. So war das Interesse des Meersburgers Ingenieurs geweckt, der früher bei Dornier in Friedrichshafen in der Raumfahrt arbeitete und sich als „Unruheständler“, wie er selbst sagt, seit vielen Jahren um die Regionalgeschichte kümmert. Er recherchiert Themen, hält Vorträge oder veranstaltet sie und lange engagierte sich der Meersburger auch politisch bei den Freien Wählern.

Wo Lorschiedter auch nachfragte, über das RAD-Lager konnte ihm niemand Näheres erzählen und auch in den Archiven in Salem, Überlingen und Friedrichshafen fand er nichts über die Einrichtung, in der fast ebensoviele Menschen lebten wie im damals eigenständigen Grasbeuren selbst, das seit 1973 zu Salem gehört. Also begab sich Lorschiedter selbst auf zeitgeschichtliche Spurensuche. Immer mehr Material trug er über die R.A.D. Abteilung 1/267 Konsul Wassmuss“ zusammen. „Ich habe sogar Zeitzeugen gefunden“, beschreibt er, „einer 90, einer 99“. Zahlreiche Unterlagen und vor allem Bilder entdeckte er beim Meersburger CDU-Altstadtrat Peter Hanss, dessen Vater Emil Hanß Lagerführer war. Sei größter Coup indes ist ein Luftbild des Lagers von 1943, an das er über verschlungene Wege kam. Davon will er aber erst in seinem Vortrag am kommenden Freitag berichten. Darin geht Lorschiedter auf den Reichsarbeitsdienst grundsätzlich ein und fragt, weshalb es in Grasbeuren ein solches Lager gab. Dann will er das Leben drinnen und draußen ebenso beschreiben wie die Arbeiten, welche die jungen reichsarbeitspflichtigen Männer und – ab 1940 – Frauen in der Region leisteten: Sie waren bei der Aachsanierung in Mühlhofen eingesetzt, legten den Felbenweiher bei Ittendorf trocken und die „Arbeitsmaiden“ waren in der Landwirtschaft tätig oder unterhielten im Lager einen Kindergarten für die Bauersfamilien der Gegend.

Das Reichtsarbeitsdienstlager (RAD-Lager) in Grasbeuren. Referent Jörg Lorschiedter präsentiert am kommenden Freitag, 15. November, 19.30 Uhr, in Steidles Pilzhof in Grasbeuren Bilder, Dokumente, Pläne, Berichte und Zeitzeugen. Veranstalter ist der Verein BürgerInnen aktiv in Baitenhausen-Schiggendorf, unterstützt vom Museums- und Geschichtsverein Meersburg.