Auf dem Karlsruher Schloss darf die badische Fahne jetzt nicht mehr wehen. Doch Schloss Salem, seit 100 Jahren Stammsitz des Hauses Baden, wo Max Markgraf von Baden am 3. Juli 1933 zur Welt kam, ist selbstverständlich Gelb-Rot-Gelb beflaggt, als die Historische Bürgerwehr Villingen am Freitagabend zu Ehren seines 85. Geburtstags einen Großen Zapfenstreich abhält.

Das musikalische Zeremoniell beim Großen Zapfenstreich zu Ehren von Max Markgraf von Baden führt die Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen unter der Leitung von Markus Färber aus. Bild: Sylvia Floetemeyer
Das musikalische Zeremoniell beim Großen Zapfenstreich zu Ehren von Max Markgraf von Baden führt die Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen unter der Leitung von Markus Färber aus. Bild: Sylvia Floetemeyer

Beim Großen Zapfenstreich handelt es sich um das höchste militärische Zeremoniell in Deutschland, das außer der Bundeswehr auch Bürgerwehren ausführen dürfen, wie der Villinger Kommandant Hans-Joachim Böhm dem SÜDKURIER erklärt.

Mit Fackeln Spalier gestanden

Die Historische Bürgerwehr und Trachtengruppe Villingen ist mit rund 200 Aktiven aus allen Abteilungen angereist: Miliz, Infanterie, Kavallerie (aber ohne Pferde), Trachtengruppe sowie der Stadt- und Bürgerwehrmusik unter der Leitung von Stadtmusikdirektor Markus Färber. Verstärkt werden sie vom Villinger Grenadierkorps sowie sieben Kameraden der Bürgermiliz Sipplingen. Auch 19 Villinger Feuerwehrleute sind dabei und stehen mit Fackeln schon feierlich Spalier, als die Zuschauer herbeiströmen.

Gelb-Rot-Gelb ist Schloss Salem beim Großen Zapfenstreich zu Ehren von Max Markgraf von Baden geschmückt. Rund 200 Salemer verfolgen das Ereignis. Bild: Sylvia Floetemeyer
Gelb-Rot-Gelb ist Schloss Salem beim Großen Zapfenstreich zu Ehren von Max Markgraf von Baden geschmückt. Rund 200 Salemer verfolgen das Ereignis. Bild: Sylvia Floetemeyer

Knapp 200 Salemerinnen und Salemer lassen sich das Ereignis nicht entgehen, zu dem das Haus Baden die Einheimischen eingeladen hat. Die Tribüne füllt sich kurz vor Beginn. Mittelpunkt ist natürlich der Jubilar, begleitet von seiner Frau Valerie und weiteren Familienangehörigen. Zu den Ehrengästen zählen auch befreundete Adlige wie Karl Friedrich Prinz von Hohenzollern und Gattin Katharina oder Wilderich Graf von und zu Bodman sowie Bürgermeister, Landtagsabgeordnete und andere regionale Amts- und Würdenträger.

Warum die Villinger Bürgerwehr?

Dem Jubilar hat das Zeremoniell sichtlich Freude gemacht, wie er im Anschluss dem Kommandanten auch mit einem persönlichen Dank versichert. Er habe bereits vielen Zapfenstreichen beigewohnt, sagt Max von Baden. Doch es war das erste Mal, dass die Historische Bürgerwehr Villingen das Zeremoniell für ihn ausführte. Wie es dazu kam? Böhm, der auch Landeskommandant der Bürgerwehren und Milizen Baden-Südhessen ist, erzählt, er habe Max von Baden vor zwei Jahren beim 80. Geburtstag von Carl Herzog von Württemberg in Schloss Altshausen getroffen, für den die dortige Bürgergarde den Großen Zapfenstreich abhielt. Max von Baden sei davon so angetan gewesen, dass die Idee entstand, diese Ehrung auch dem Markgrafen zukommen zu lassen.

Max Markgraf von Baden (links) mit dem Kommandanten der Historischen Bürgerwehr Villingen, Hans-Joachim Böm.
Max Markgraf von Baden (links) mit dem Kommandanten der Historischen Bürgerwehr Villingen, Hans-Joachim Böhm.

Die Historische Bürgerwehr Villingen tritt oft im In- und Ausland auf. So beteiligte sie sich 2013 in Leipzig an der 200-Jahr-Feier der Völkerschlacht und trat 2017 im Schloss Malmaison bei Paris auf, wo einst Napoleon gelebt hatte, der bei Leipzig besiegt wurde. Doch Deutsche und Franzosen haben ihre alte Feindschaft längst überwunden und feiern inzwischen gemeinsam.

Auf der Ehrentribüne verfolgen Max Markgraf von Baden (2. von links) und seine Frau Valerie (links) den Großen Zapfenstreich anlässlich seines 85. Geburtstags. Rechts: Katharina und Karl-Friedrich von Hohenzollern. Bild: Sylvia Floetemeyer
Auf der Ehrentribüne verfolgen Max Markgraf von Baden (2. von links) und seine Frau Valerie (links) den Großen Zapfenstreich anlässlich seines 85. Geburtstags. Rechts: Katharina und Karl-Friedrich von Hohenzollern. Bild: Sylvia Floetemeyer

Ein Edelmann für alle Fälle – ein Porträt über Max von Baden

Max Markgraf von Baden, der am 3. Juli 85 Jahre alt wurde, stammt aus "einem der ältesten Fürstenhäuser Deutschlands", wie oft zu lesen ist. Tatsächlich lässt sich sein Stammbaum, der im Geschlecht der Zähringer wurzelt, lückenlos bis ins elfte Jahrhundert zurückverfolgen.

Max von Baden, seit 1966 mit Valerie aus dem Hause Habsburg-Lothringen verheiratet, mit der er drei Söhne und eine Tochter hat, ist mit Adelsdynastien in ganz Europa verwandt. Prinz Philip ist sein Onkel, die Queen somit seine Tante und Prinz Charles sein Cousin. Und auch wenn die Adelstitel zum Zeitpunkt seiner Geburt seit über einem Jahrzehnt abgeschafft waren, so hört Max von Baden es bis heute durchaus gerne, wenn man ihn mit "Königliche Hoheit" anspricht. Daraus auf Standesdünkel zu schließen, wäre aber falsch. So bejaht Max von Baden Fragen, ob er mit diesem oder jenem Fürstengeschlecht verwandt sei, durchaus mal mit dem Hinweis: allein schon von Adam und Eva her. Sprich: Alle Familien, die bis heute überlebt haben, sind alt, wie es sein Sohn Bernhard ausdrückt.

Max von Badens Leutseligkeit und trockener Humor gehören zu seinen Markenzeichen. Diese "Britshness" kommt nicht von ungefähr: Er besuchte nach der Schule Schloss Salem, die sein Großvater 1920 mit Kurt Hahn gegründet hatte, das schottische Internat Gordonstoun. Diese Einrichtung, in der auch Prinz Philip und später dessen Söhne lernten, hatte Hahn nach seiner Emigration 1934 ins Leben gerufen. Beide Elite-Lehranstalten haben sich einer Erziehung zur "öffentlichen Verantwortung" verschrieben.

Max von Baden nahm das ernst, engagierte sich zeitweise in rund 60 Vereinen und Verbänden. So war er, um nur einiges zu nennen, etwa lange Vorsitzender des DRK-Kreisverbandes Überlingen, in der Landessynode Karlsruhe oder in Organisationen zur Förderung der Wissenschaften. In den 1980er Jahren gründete Max von Baden die Hilfsorganisation "Germanaid-Baden e.V.", die Flüchtlinge in aller Welt durch Hilfslieferungen unterstützt.

Große Vielfalt zeichnet auch die gesellschaftlichen Verpflichtungen des Markgrafen aus. Ob königliche Hochzeit in London, "Große Woche" der Galopprennbahn von Iffezheim oder Festzelt in Kreenheinstetten: Max von Baden versteht es, überall angemessen aufzutreten. So beschreibt Arnold Stadler in seinem Roman "Ich war einmal", wie der Markgraf beim traditionellen Hammellauf in Kreenheinstetten am Zelteingang lange vergeblich wartete, dass man ihn abhole: "Schließlich stellte er sich an der Festkasse mit Baden. Ich bin der Schirmherr vor. Man entgegnete ihm da: Dees kaa jeder sagge, fünf Margk, no bischd dinne. Er zahlte anstandslos (mit Anstand)", so Stadler.

Diese unprätentiöse Art, standes- und traditionsbewusst ohne hochmütig zu sein, zeichnete schon seinen Vater Berthold von Baden aus. Als er 1963 starb, übernahm Max, der zuvor Land- und Forstwirtschaft studiert und seinen Wehrdienst absolviert hatte, die Führung des Hauses Baden. Zu den Liegenschaften, die nur teilweise wirtschaftlich waren, gehörten die Schule Schloss Salem, mit der sich Max von Baden in den 1980er Jahren heftig stritt, weil ihm deren Ausrichtung nicht mehr gefiel, sowie ein Weingut, das heute zu den größten privaten Deutschlands zählt und immer noch dem Haus Baden gehört. Doch die zunehmende Verschuldung des Besitzes, die sich 1993 auf 264 Millionen Mark belief, zwang die Familie zu drastischen Einschnitten. Schlagzeilen machte 1995 die "größte Auktion des Jahrhunderts", bei der Sotheby's für das Haus Baden rund 25.000 Objekte versteigerte und 54 Millionen Mark Reinerlös erzielte.

Aber der finanzielle Druck, den etwa die Instandhaltung des weitläufigen Salemer Stammsitzes erzeugte, blieb. Nach zähen Verhandlungen verkaufte das Haus Baden schließlich 2009 den größten Teil des Schlosses an das Land Baden-Württemberg. Gleichzeitig gingen Kulturgüter, deren Eigentumsrechte lange umstritten waren, in den Besitz des Landes über. Bereits 1998 hatte Max von Baden die Unternehmensführung an seinen ältesten Sohn Bernhard abgegeben. Doch auch im Ruhestand rastet Max von Baden nicht. Zu seinen größten Vergnügungen der letzten Jahre zählen Fahrten in einer historischen Postkutsche, die er mit seiner Frau Valerie und anderen unternahm. Fast wie anno dazumal, allerdings mit komfortablerer Federung, fuhren sie bereits nach Wien, Paris und Rom – und gerne immer wieder durchs badische Ländle.