„Heute beginnt unsere Detoxphase“, sagt Bernhard Prinz von Baden und lacht. Doch mit der Entgiftung und Umstellung seines gesamten landwirtschaftlichen Betriebs auf ökologische Landwirtschaft ist es ihm bitterernst. „Wir müssen unsere Landwirtschaft für die nachfolgenden Generationen ‚enkeltauglich‘ machen“, greift er eine Formulierung von Martin Bär, seines Fachberaters vom Partnerverband Naturland, auf.

725 Hektar Ackerland und 60 Hektar Grünland und Gewässer

Und bei einem Betrieb dieser Größe sei das ein Zeichen für die ganze Region: Immerhin 725 Hektar Ackerland bewirtschaftet das kleine Team um den neuen Betriebsleiter Roman Strasser – und jeweils 60 Hektar Grünland und Gewässer kommen noch dazu. „Wenn man das betrachtet, ist das ein riesiger Raum vom Bodensee bis ins Salemer Tal“, erklärt Bernhard Prinz von Baden: „Darauf freue ich mich. Auch zu beobachten, wie hier wieder mehr Leben reinkommt.“

Umstellung keine politische Aktion

Am Donnerstag setzten er und Hans Bartelme, Vizepräsident von Naturland, ihre Unterschrift unter den Kooperationsvertrag. Wirtschaftlich sei das Vorhaben vor allem in der drei Jahre dauernden Umstellungsphase eine enorme Herausforderung, zeigten sich beide überzeugt. Denn erst dann können die Ernten mit einem Biosiegel verkauft werden. Doch das stehe gar nicht so im Vordergrund. „Ich sehe das auch nicht als politische Aktion“, betont Bernhard Prinz von Baden. „Für mich ist das vor allem ein wichtiger Baustein, wenn wir unseren Lebensraum, unsere Natur und unsere Heimat ernst nehmen.“

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Für den Partner Naturland sei es auch von Interesse, hier ein Aushängeschild zu haben, sagt Berater Martin Bär. „Das Haus Baden ist von der Größe und Bedeutung her ein sehr exponierter Betrieb.“ Deshalb sei er auch für Naturland ein wichtiger Partner.

Reisen nach Österreich, Polen und England bringen Entscheidung

Bernhard Prinz von Baden erklärt, er habe sich schon seit vielen Jahren mit dem Thema beschäftigt: „Ich bin viel herumgereist und habe mir Betriebe angeschaut, auch in Österreich, Polen und in England bei Prinz Charles.“ Die Erkenntnisse hätten ihn darin bestärkt, die Umstellung auf ökologischen Landbau zu wagen.

Team komplett neu aufgestellt

Wobei die Entscheidung auch weitreichende personelle Folgen hatte. Sein altes Team für die Landwirtschaft hatte sich im Laufe des vergangenen Jahres verabschiedet. „Die wollten das nicht mitmachen“, erzählt der Prinz. Auszubildender Jakob Schempp aus Großstadelhofen sei derzeit der längst gediente Mitarbeiter.

Im Februar ist Landwirtschaftsmeister Marius Martin eingestiegen. Als Betriebsleiter verantwortlich ist jetzt der 32-jährige Roman Strasser. Der gebürtige Aulendorfer hat in Hohenheim einen Bachelor in Agrarwissenschaft und einen Master Agrarökonomie gemacht. Beides kann er in Salem bestens gebrauchen. Zuletzt war Strasser zwar bei einem konventionellen Betrieb in Sachsen tätig. „Doch ohne die Umstellung auf Ökolandbau in Salem wäre ich nicht hierhergekommen“, sagt er.

Umstellung als drei Jahre andauernder Prozess

Insbesondere die Umstellung der großen Ackerflächen wird den Landwirten einiges abverlangen, wie Roman Strasser ankündigt. Drei Jahre dauere dieser Prozess und die Wiederherstellung der natürlichen Bodenfruchtbarkeit. „Wir beginnen mit einer fünfgliedrigen Bewirtschaftung.“ Dabei werde jeweils ein Teil der Fläche mit Triticale (einer Kreuzung von Weizen und Roggen), mit Weizen, mit Gerste, mit Ackerbohnen und mit Klee zur Stickstoffanreicherung bewirtschaftet. Später werde man weiter in eine achtgliedrige Bewirtschaftung diversifizieren. Am Anfang lasse sich ein Teil auch nur als Futtergetreide vermarkten.

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„Man braucht kein Glyphosat zur Unkrautbekämpfung“

Berater Martin Bär unterstreicht: „Nein, man braucht kein Glyphosat zur Unkrautbekämpfung.“ Inzwischen gebe es hoch spezialisierte Maschinen, die dasselbe leisten könnten. Mit der Etablierung von chemischen Mitteln zur Unkrautvernichtung sei die Weiterentwicklung dieser Techniken in der Vergangenheit vernachlässigt worden. Das habe man nun nachgeholt und es gebe dafür zahlreiche Spezialgeräte. Allerdings bedürfe es hier einiger Investitionen, betont Bernhard Prinz von Baden. Sein Gutsverwalter Strasser fügt an: „Das liegt im sechsstelligen Bereich.“ Die Aussaat von verschiedenen Feldfrüchten erfolge mit hoch entwickelten Maschinen, die verschiedene Saaten gleichzeitig ausbringen können.

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Hans Bartelme betont: Auch wenn die Nachfrage nach biologischen Lebensmitteln das Angebot übersteige, gehe es nicht nur um die Produkte und dieses „plakative Siegel“. „Es geht um die Erhaltung der Natur, die Steigerung der Biodiversität und um Klimaschutz.“

Keine komplette Umstellung beim Weinbau

Beim Weinbau sei die Umstellung auf biologische Bewirtschaftung am Bodensee deutlich schwieriger, sagt Bernhard Prinz von Baden. „Da sind wir noch nicht ganz so weit.“ Eine kleinere Fläche bei der Birnau werde aber schon seit Jahren nach Ökorichtlinien kultiviert.

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