Emsig machen sich die sechs Kinder an die Arbeit. Bis zu ihrer Demonstration am Freitag haben sie noch einiges zu tun. Die Idee für die Aktion entstand vor einem Monat. Im Pferdestall regten sie sich gemeinsam darüber auf, dass die Klima-Schülerdemos immer nur in den Städten stattfinden. "Wir wollten zeigen, dass das Klima uns Kinder auf dem Dorf auch interessiert", sagt Vanessa. Die Zwölfjährige beschloss gemeinsam mit ihren Freunden, die Schülerbewegung "Fridays for Future" in ihr 235-Einwohner-Dorf Rickenbach zu bringen.

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Freunde aus verschiedenen Schulen schließen sich zusammen

Schnell war die Organisationsgruppe gebildet. Alle Mitglieder sind zwischen zehn und zwölf Jahre alt, alle sind aus dem Dorf. Sie besuchen unterschiedliche Schulen in der Umgebung: Vanessa, Maya und Josua die Gemeinschaftsschule Salem, Judith die Überlinger Waldorfschule, Ellen die Grundschule in Frickingen und Lara die Grundschule in Mimmenhausen.

Josua: "Wir wollten die größtmögliche Aufmerksamkeit"

Unterstützung für ihr Anliegen erhalten sie von ihren Eltern. Margit Mattes besorgte die Genehmigung für ihre politische Demonstration. Allerdings dürfen die Kinder nicht auf der Dorfstraße demonstrieren und den Verkehr behindern. "Wir wollten die größtmögliche Aufmerksamkeit", stellt Josua klar. Aber mitten auf der Durchfahrtsstraße zu demonstrieren geht nun leider nicht. Ellen zeigt sich optimistisch. "Es ist nicht die letzte Demonstration", sagt sie und wird von Judith unterstützt: "Es ist ein Prozess, der nicht auf einmal gehen wird."

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Vorbild Greta Thunberg

Obwohl sie nicht nur positive Reaktionen erfahren, geben sich die Kinder kämpferisch. Es geht um ihre Zukunft, sagen sie. In Greta Thunberg, der jugendlichen Klimaaktivistin aus Schweden, sehen sie ein Vorbild. Sie hatte den Freitag als Klima-Aktionstag für sich entdeckt und schwänzte für ihre persönliche Demonstration regelmäßig die Schule. Es dauerte nicht lange, bis sich weitere Schüler ihrem Vorbild anschlossen. Daraus entwickelte sich die weltweite Bewegung "Fridays For Future".

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Demonstration startet am Nachmittag

Das Schulschwänzen verärgerte viele Erwachsene. "Aber diese Kritik läuft hier fehl", sagt Margit Mattes, die die Kinder bei der Aktion tatkräftig unterstützt. Denn die Teilnehmer werden zwar am Freitag demonstrieren, aber nicht während ihrer Schulzeit. "In Rickenbach geht die Demo am Dorfgemeinschaftshaus erst um 16 Uhr los", erzählt sie. Denn erst am Nachmittag seien alle Kinder wieder im Dorf. Und durch den zu dieser Uhrzeit einsetzenden Berufsverkehr erhoffen sie sich maximale Aufmerksamkeit.

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Schüler nehmen Aktion sehr ernst

Die Kinder haben sich für die Organisation der Reden in Zweiergruppen aufgeteilt. Ellen und Lara fangen an, Vanessa und Josua halten die Schlussrede. Dazwischen soll Maya sprechen. Außerdem werden Flyer mit "Tipps für Kids" vorbereitet, die bei der Abschlusskundgebung verteilt werden. Die Kinder können darin erfahren, was sie selbst für den Klimaschutz tun können. Man merkt ihnen an: Sie meinen es ernst mit ihrem Anliegen. Konzentriert haben sie alle Punkte abgearbeitet, die sie sich für ihre Demonstration vorgenommen haben. Über eine WhatsApp-Gruppe wird das Organisationsteam koordiniert. Für Anfragen haben sie eine E-Mail-Adresse eingerichtet. "Bis jetzt haben sich 30 weitere Kinder angemeldet", sagt Ellen.

Kinder verteilen Flyer bei Schulkameraden

Sie und ihre Freunde haben lange gewartet, bis sie die Aktion bei ihren Schulkameraden beworben haben. In den vergangenen Tagen wurden Flyer verteilt. An den Schulen und Bushaltestellen kleben ihre Demonstrationsaufrufe.

Internationale Unterstützung

Ihr Engagement hat auch international, in Brasilien und der Schweiz, Aufmerksamkeit erregt. Künstlerfreunde von Margit Mattes haben ihre Unterstützung zugesagt und wollen ihren Beitrag leisten. "Wir sind zwar der kleinste Teilort in Salem, aber wir sind der lauteste", sagt Mattes und lacht. Mitbringen sollen die Demonstranten "alles, was Krach macht". Und wenn es regnet? Auch dafür haben die Kinder ein probates Mittel: "Dann ziehen wir uns Regenmäntel an", sagt Ellen.

Die Klima-Kinderdemo in Salem-Rickenbach fängt am Freitag, 15. März, am Dorfgemeinschaftshaus an. Anfragen und Anmeldungen zur Aktion sind per E-Mail möglich: RickenbacherKinderDemo@web.de