Der Motor des Hebewagens fährt an – im Korb steht Franz-Josef Zündel und steuert sich langsam, aber sicher zum Dachfirst. Verdutzt und etwas reserviert wird er von den Storcheneltern, die in den Horsten stehen, begutachtet. Je näher er kommt, umso nervöser werden sie. Schließlich entscheiden sie sich, den Nachwuchs zu verlassen. Nur wenige Sekunden später dockt der Affenberg-Mitarbeiter, der vom Boden aus von der Storchenbeauftragten Sylvia Altheimer unterstützt wird, am Horst an.

An die 200 junge Störche werden in diesem Jahr wieder in der Storchen-Aufzuchtstation am Affenberg beringt, der seit 1978 Aufzuchtstation ist. Das ist wichtig, damit die Zugwege der Vögel mit den ausladenden Schwingen verfolgt werden können. Im Herbst machen sich viele von ihnen wieder auf die Reise nach Süden. Eines der bisherigen Ergebnisse des Forschungsprojekts: Flogen die Störche einst noch bis Afrika, so fliegen viele inzwischen nur noch bis Spanien oder Portugal, wo sie überwintern.

Störche stellen sich beim Beringen oft tot

Franz-Josef Zündel kennt das Verhalten der Störche gut. Der Storchen-Nachwuchs stellt sich in dieser Lage hoch oben am First gerne tot. Zündel freilich lässt sich nicht täuschen. Er zieht ein Jungtier heran und markiert es mit einem großen Kunststoff-Ring am Bein. Damit können die Tiere eindeutig zugeordnet werden, wenn sie irgendwann einmal zurückkommen. Zündel schaut noch kurz in den Horst nebenan und sagt: „Da müssen wir noch ein bisschen warten. Die Tiere sind noch zu jung zum Beringen.“ Erst, wenn sie fünf Monate alt sind, werden sie markiert. Ansonsten könnte der Ring schlichtweg abfallen. Die Beringungsaktion am Affenberg wird noch zwei bis drei Wochen dauern. 
 

Video: Jäckle

„Hier am Affenberg haben wir Jung-störche, die erst vor eineinhalb Wochen geschlüpft sind“, berichtet Affenberg-Direktor Roland Hilgartner. „Dieses Jahr ist bislang ein sehr gutes für den Nachwuchs.“ Allerdings täuschten die guten Zahlen, denn wenn man den Bruterfolg über mehrere Jahre betrachte, stelle man fest, dass er immer noch zu niedrig sei, betont Roland Hilgartner. „Von den vielen Jungstörchen, die wir beringen, kommt nur ein kleiner Teil zurück“, erklärt der Parkdirektor. „Die Ausfallquote pro Jahr beträgt bis zu 90 Prozent. Es ist also ein wahrlich fragiles System.“