Erstmals wurden am Donnerstagabend im Rahmen einer Gemeinderatssitzung die Bebauungsentwürfe für die einzelnen Quartiere in der an der Schlossseeallee entstehenden Neuen Mitte öffentlich vorgestellt und diskutiert. Im Vorfeld waren von einer Jury von den 16 im Zuge eines Investorenwettbewerbs eingegangenen Bewerbungen vier Bebauungskonzepte für die einzelnen Lose ausgewählt worden. Sie wurden den Gemeinderäten in einer nichtöffentlichen Sitzung bereits vor zwei Monaten erläutert. In einer der nächsten Sitzungen wird der Gemeinderat nun entscheiden müssen, ob die jeweiligen Grundstücke an die interessierten Investoren auf der Basis ihrer vorgelegten Entwürfe verkauft werden.

Ziel des Investorenwettbewerbs war, eine möglichst hohe Qualität bei der Bebauung der Neuen Mitte zu erreichen. "Ich habe nur Qualität gesehen", wertete der Stuttgarter Jörg Aldinger, der vor zwei Jahren den Vorsitz des Preisgerichts für den städtebaulichen Ideenwettbewerb hatte, die vier ausgewählten Investorenkonzepte. Sie unterteilen sich in den Bau des Lebensmittelmarktes, des Hotels und die Wohnbebauung. Um zwischen den einzelnen Bereichen eine einheitliche Linie zu finden, tauschten sich die vier Investoren und ihre Architekten in vier Workshops aus. "Dies war eine sehr fruchtbare Zwischenstation", meinte der Nürtinger Architekt Afshin Arabzadeh, der als unabhängiger Fachberater zu den Workshops hinzugezogen worden war und in dieser Funktion auch bei der Neubebauung des Bodanwerft-Areals in Kressbronn tätig war. "In den Workshops ist eine durchgängige gestalterische Linie gefunden worden", erklärte Arabzadeh.

Was damit gemeint ist, wurde deutlich, als die Architekten der vier Investoren ihre Fassadengestaltungen erläuterten. Hier wird zum großen Teil auf Klinker in unterschiedlichen Farbtönen zurückgegriffen. Doch gerade das stieß in der Ratsrunde nicht auf ungeteilte Gegenliebe. Während Gemeinderat Arnim Eglauer (SPD) es beeindruckend fand, "wie harmonisch sich alle Bausteine zu einem Ganzen fügen", hätte sich Petra Herter (CDU) eine stärkere Durchmischung der Fassadenmaterialien gewünscht. Eine optische Durchmischung sah Jörg Aldinger allerdings durch die unterschiedlichen Klinkerfarben gegeben. "Im öffentlichen Bereich herrschen die helleren Töne vor, im Übergang zur Landschaft eher die erdigeren Farbnuancen", sagte er. Und Klinker sei nun einmal ein Material, das auch nach Jahrzehnten einem Gebäude das Aussehen gebe, als sei es erst zwei Jahre alt. Ein weiterer großer Diskussionspunkt war das geplante Hotel. Hier ist der Investor, die Activ-Immobilien GmbH aus Schemmerhofen bei Ulm, auf die Verwaltung mit dem Wunsch zugekommen, einen Teil des Hotelkomplexes durch ein Staffelgeschoss zu ergänzen. Statt 70 hieße das 80 Zimmer. Nur so lasse sich ein Hotel wirtschaftlich betreiben. Aus seiner neutralen Position pflichtete Architekt Afshin Arabzadeh diesem Argument bei. In der saisonbetonten Hotellerie, meinte er, müsse man für die Sommermonate Puffer haben, um die umsatzschwachen Jahreszeiten kompensieren zu können. Arabzadeh bezeichnete es ohnedies als "Luxus, einen Hotelinvestor gefunden zu haben".

Und Gemeinderat Ulrich König war sich sicher: "Salem hat das Potenzial, zumal in dieser Lage, für ein Hotel dieser Größenordnung." Trotzdem mochte sich Klaus Bäuerle (GOL) "überhaupt nicht mit einem dritten Hotelgeschoss anfreunden". Sein Fraktionskollege Ralf Gagliardi, der als Nachrücker erst seit der Sommerpause Mitglied des Gemeinderats ist, ging noch weiter. "Ich habe Sorge", sagte er, "dass hier teilweise etwas entsteht, was nicht zu Salem passt."

Das planen die Investoren

  • Brutschin Wohnbau GmbH aus Waiblingen: Stadthäuser im Zentrum der Neuen Mitte. In den Erdgeschossen der vier Gebäude sind Gewerbeflächen, eventuell auch die Unterbringung eines Jugendtreffs und des Polizeipostens vorgesehen. In den Obergeschossen sind Wohnungen geplant.
  • Rhomberg Bau GmbH aus Bregenz: Drei Stadtvillen am nördlichen Rand der Neuen Mitte mit Blick auf den Schlosssee.
  • BPD Immobilienentwicklung GmbH, zählt zu den größten Immobilienentwicklern Europas: Sechs Doppelhaushälften und ein dreistöckiges Gebäude mit Penthousegeschoss entlang des Bürgerparks.
  • Activ-Immobilien GmbH aus Schemmerhofen: Hotel sowie Lebensmittel- und Drogeriemarkt. Für die Reihenhausgrundstücke entlang des Stefansfelder Kanals wurde kein Investor ausgewählt. Diese Grundstücke sollen noch einmal auf dem Markt angeboten werden.