Impulse zu diesem Fragekatalog setzten der Heidelberger Trend- und Zukunftsforscher Hannes Fernow, der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hochrhein-Bodensee, Professor Claudius Marx, und von kirchlicher Seite Prälatin Dagmar Zobel. Ausgangspunkt war die Studie Values and Visions 2030, die von der Gesellschaft für innovative Marktforschung unter Federführung von Hannes Fernow erstellt wurde. Deren Ergebnis ist, basierend auf umfangreichen Befragungen, eine auf das Jahr 2030 projizierte Wertelandkarte.

Werte der Menschen haben Einfluss auf die Zukunft

„Die Gefühle und Werte der Menschen werden Einfluss darauf haben, wie sie sich einerseits künftig in Unternehmen einbringen werden und andererseits auch, wie sie sich als Konsumenten verhalten werden“, sagte der Moderator des Dialogforums Andreas Bordne, Wirtschafts- und Sozialpfarrer in der Evangelischen Landeskirche in Baden. Die Studie der Gesellschaft für innovative Marktforschung spiegelt dies wider. Die Zukunftsvisionen hätten eine sehr starke technische Prägung, so Hannes Fernow.

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Aber die Menschen gerieten den Umfragen zufolge häufig in Konflikt zwischen dem, was Technik könne, und den Auswirkungen, von denen sie persönlich betroffen seien. „Wir befinden uns in einem Sehnsuchtsraum zwischen Heute und Morgen“, interpretierte Fernow die Umfragen.

Innere Konflikte auch beim Thema Klimaschutz

Einerseits würden die Menschen die durch die Technik möglichen Erleichterungen schätzen, andererseits beschleiche sie Befürchtungen, dass sie dadurch auf manchen Gebieten die Selbstkontrolle aus der Hand geben würden. Aus diesem Grund zähle die fortschreitende Algorithmen-Technik zu den unbeliebtesten Werten für die Zukunft. Innere Konflikte machte Fernow auch am Klimaschutz deutlich. Der stehe zwar in der Werteskalierung hoch im Kurs, aber wenn danach gefragt werde, welche Verzichte man dafür in Kauf nehmen würde, werde es kompliziert.

Verantwortung werde zwischen Akteuren hin- und hergeschoben

Eine ähnliche Ambivalenz stellte Professor Marx bei dem bei allen Gelegenheiten aufs Wertepodest gehobenen Begriff „Transparenz“, einem Schlüsselbegriff der Digitalisierung, fest. Auch hier komme es auf Grenzen an. Keiner wolle, dass Transparenz letztlich in die Privatsphäre reiche. Es komme immer auf die Verantwortung an, betonte Marx und schloss die Frage an: „Wie organisieren wir Verantwortung?“ Häufig würde sie zwischen den Handelnden hin- und hergeschoben. Anschaulich demonstrierte er dies am Beispiel Plastikvermeidung. Da spiele sich das Hin und Her zwischen Wirtschaft, Konsument und Staat ab. Die Wirtschaft könnte das Problem lösen, indem sie kein Plastik mehr herstelle, der Konsument, indem er auf alle Plastikverpackungen verzichte, und der Staat, indem er Plastik einfach weitgehend untersage. Jeder aber reiche die Verantwortung weiter.

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Hinsichtlich der Wertedebatte empfahl Prälatin Zobel, immer wieder darüber nachzudenken, ob das, was möglich sei, auch sinnvoll sei, es tun. Den christlichen Glauben hielt sie als sehr hilfreiches Instrument, diese Fragen zu entscheiden. Den Kirchen sei es aber nur noch bedingt möglich, diese Werte zu vermitteln. „Wir befinden uns in einer Umbruchsituation“, sagte Dagmar Zobel. Die 18- bis 40-Jährigen hätten nicht mehr jene Bindung an die Kirche, wie dies früher der Fall gewesen sei. Aber man dürfe nicht im Bemühen nachlassen, den Werten des christlichen Glaubens wieder zu mehr Relevanz zu verhelfen.