Es gab schon Themen mit größerem Wohlfühlfaktor. Die Wirtschaftsförderung Bodensee (WfB) hatte nach Salem in den Torkel des Weinguts Markgraf von Baden zu einem Business-Breakfast eingeladen. Der Referent, Ornithologe Peter Berthold, hielt keinen Vortrag, mit dem er den eingeladenen Führungskräften der Wirtschaft eine vermeintlich heile Welt vom Bodensee vorstellen wollte. Vielmehr zeichnete er ein düsteres Bild vom Sterben der Feuchtwiesen, einem damit einhergehenden drastischen Rückgang der Insekten und einem tödlichen Futtermangel für Vögel. Nach einem gemeinsam eingenommenen Frühstück mahnte Berthold: "Die Artenvielfalt ist eine Überlebensversicherung", sie müsse erhalten bleiben, "sonst haben wir keine Chance, die nächsten zwei Generationen zu überstehen." So düster in der Grundaussage, so hoffnungsfroh endete Berthold: Jeder im Raum könne mit kleinen Dingen gegensteuern. Zum Beispiel mit der Begrünung von Firmengeländen. "Das zieht so viele Tiere an, damit können Sie das ganze Umland versorgen."

Der Rückgang an Arten sei "kein ästhetisches Problem", sondern Indikator dafür, dass es bald keine Insekten mehr gibt, die die Blüten befruchten. Am Ernteausfall im Erwerbsobstbau dieses Jahres seien nicht die Frostnächte schuld, sondern der Mangel an Insekten. Bald müssten, wie in China geschehen, die Blüten von Menschenhand bestäubt werden. "Aber wie wollen Sie das machen, wenn Sie schon nicht in der Lage sind, genügend Erntekräfte zu finden, die die Äpfel pflücken?" Besser sei der Vogelschutz. Wer auf Insektizide setzt und damit letztlich den Vögeln den Garaus macht, müsse bedenken, wie effektiv die Vögel eigentlich wären. Schon drei Kohlmaisen-Brutpaare könnten bis zu 49 Prozent der Schädlings-Raupen auf einem Hektar einer ökologisch betriebenen Apfelbaumanlage vertilgen.

Professor Peter Berthold und Bernhard Prinz von Baden, Gastgeber beim 20. Business-Breakfast, sind sich nicht unbekannt, sie verfolgen die selben Ziele. Das Haus Baden engagiert sich in der Sielmann-Stiftung, in dessen Stiftungsrat Berthold sitzt, die sich wiederum für die Biotopvernetzung in der Bodensee-Region einsetzt. Auch die vom Haus Baden gepflegten Weiher und Streuobstwiesen rund um Salem seien wie "Trittsteine" für die ökologische Vielfalt, sagte Bernhard Prinz von Baden.

Seit 2008 organisiert die WfB das Business-Breakfast. Wie Geschäftsführer Benedikt Otte sagte, sei man bei nahezu allen Wirtschaftsbranchen der Bodenseeregion zu Besuch gewesen, nun erstmals in der Land- und Forstwirtschaft. Unter den Referenten waren Kommunikationswissenschaftler, Hirnforscher oder Unternehmenspsychologen. Wie bei den 19. Frühstücks-Veranstaltungen zuvor, bildete auch der Vortrag am Dienstag in Salem den Rahmen für eine zwanglose Begegnung unter Unternehmern und Geschäftsführern. Beginn ist jeweils um 7.30 Uhr. Nach dem Frühstück stehen Impulsvorträge auf dem Programm, die zum Nachdenken, bestenfalls zum Nachmachen anregen.

  • Das Weingut Markgraf von Baden war zusammen mit der WfB Gastgeber des 20. Business-Breakfasts. Bernhard Prinz von Baden verwies bei seiner Begrüßung auf Schädlinge in der Land- und Forstwirtschaft, die die Unternehmer vor neue Herausforderungen stellen. Die entstehenden Schäden seien wie ein Frühwarnsystem für eine globale Entwicklung zu betrachten und dürften nicht ignoriert werden.
  • Gerade in Unternehmen mit langer Geschichte wird der Wandel in der Natur greifbar. Bernhard Prinz von Baden verwies darauf, dass in seiner Familie das Denken über Generationen hinweg eingeübt ist, was sich insbesondere bei der Waldbewirtschaftung auszahlt. Heute müssten Entscheidungen getroffen werden, die sich im Forst erst in 120 Jahren als richtig oder als falsch erweisen. Ob ein Unternehmen Ackerbau oder Viehzucht betreibt, ob es sich also eine Getreidetrocknungsanlage oder einen Kuhstall anschafft, das sei eine Generationenentscheidung. "Damit haben wir Erfahrung, das machen wir seit 900 Jahren."
  • Während im 18. Jahrhundert für die Schifffahrt und den Hafenbau wasserresistente Lärchen in den markgräflichen Wäldern wuchsen, setze man heute auf standardisierte Hölzer. Bernhard Prinz von Baden: "Man muss heute Industriebäume wachsen lassen, damit man marktfähig bleibt." Doch könne niemand sagen, wann wieder ein Schädling wie zuletzt bei der Esche für einen Totalausfall sorgt. (shi)