Er bringt Dinge ans Licht, die nicht für das menschliche Auge gemacht sind. Farben, die keiner sieht. Seine Bilder sind eine Komposition. Oft gewollt, manchmal zufällig. Christian Möhrle nutzt für seine Fotografien eine Infrarot-Kamera, er sagt: "Ich mache nicht sichtbares Licht für das Auge sichtbar. Dadurch entstehen verrückte Märchenlandschaften." Verrückt. Das Wort trifft ebenfalls auf das Engagement des 29-Jährigen zu. Seine Bilderarbeiten seien kein Hobby, mit 35 Stunden in der Woche vielmehr ein zweiter Beruf, erzählt Christian Möhrle. Eigentlich arbeitet er als Mediengestalter in Radolfzell.

Eine Wolkenfront schiebt über das leere Feld. Ein einzelner Baum hebt sich in einem satten Rosa im Bild hervor.
Eine Wolkenfront schiebt über das leere Feld. Ein einzelner Baum hebt sich in einem satten Rosa im Bild hervor. | Bild: Christian Möhrle

Für sein jüngstes Werk, eine Zeitraffer-Fotografie der Landschaft rund um Salem, investierte der gebürtige Überlinger 300 Stunden in drei bis vier Monaten. "Je nach Sequenz bin ich 15 Minuten oder zwei Stunden an einem Ort. Es kommt darauf an, wie schnell sich die Landschaft verwandelt." Das Ergebnis wirkt wie ein Daumenkino. Nach jedem Schnitt läuft das Bild einer sich ständig veränderten Landschaft ab: Wolken ziehen vorbei, schneeweiße Segelschiffe rasen über den See, ein Vogel lässt sich nieder und fliegt davon, rosa Baumkronen schütteln sich im Wind. Stunden in der Natur werden so in wenigen Sekunden sichtbar gemacht.

"Woher das kommt, weiß ich noch nicht"

"Die Natur, die Stille, die Farben und die Bildbearbeitung. Das ist für mich super spannend", sagt Möhrle, der in Deisendorf wohnt. Was am Ende aus den Sequenzen herauskommt, kann der Mann mit den schulterlangen Haaren manchmal nicht vorhersagen. "Manche Baumstämme behalten ihre Farbe, andere werden schwarz-weiß. Die Blätter verändern die Farbe, werden weiß, orange oder rosa. Woher das kommt, weiß ich noch nicht."

Die Zeit in der Natur ist nur die Hälfte der Arbeit. Die außergewöhnlichen Lichteffekte entstehen nicht ausschließlich durch die Infrarot-Kamera. Vor dem Bildschirm tobt sich Christian Möhrle richtig aus. "Ich würde mich als Computerhandwerker beschreiben, der versucht mit technischen Mitteln alles aus dem Bild herauszubekommen."

Zwei Stunden für eine Sequenz des Sternenhimmels

Sein Beispiel ist die Milchstraße, die "sich außerordentlich langsam bewegt." In unzähligen Bildern kann die Bewegung des Sternensystems aufgezeichnet werden. Zwei Stunden dauert die Fotografie des Sternenhimmels. Der arbeitsintensive Teil mit einem Programm für Bildbearbeitung beginnt danach. "Da kann man in Details, wie bei der Milchstraße, versinken. Das Besondere im Bild kann ich durch heftiges Bearbeiten noch weiter hervorheben."

Ein einziger Baum steht am Wegesrand: Warum sich die Blätter manchmal rosa und dann wieder weiß färben, kann Fotograf Christian Möhrle nicht genau sagen.
Ein einziger Baum steht am Wegesrand: Warum sich die Blätter manchmal rosa und dann wieder weiß färben, kann Fotograf Christian Möhrle nicht genau sagen. | Bild: Christian Möhrle

Für den Fotografen bietet das Internet einen Platz, um seine Werke zu präsentieren. Mit seiner Präsenz in den sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter will er Gleichgesinnte finden. Einige Leute kauften bereits Bilder von ihm, Möhrle sieht das aber nicht als Sinn seiner Arbeit. Er will Erfahrungen teilen. Sein Pseudonym im Netz: "The Phlog Photography". Auf der Video-Plattform Youtube zeigt Möhrle Schritt für Schritt, wie er seine Bilder zum schlussendlichen Werk bearbeitet. 2938 Menschen abonnieren sein Konto.

Dort gibt es schon einen Vorgeschmack auf sein nächstes Projekt – die Galaxie in einem Zeitraffer-Video. Mit seiner Freundin reiste Möhrle dafür durch Island. Seine nächsten Ziele, um seinen zweiten Beruf außerhalb der Bodensee-Region auszuleben, sind die Färöer-Inseln und Slowenien. Eines wird bei den Reisen garantiert nicht fehlen: Eine Kamera im Rucksack.