Uhldingen-Mühlhofen/Salem – Die Markgräflich Badische Verwaltung will ihren Keltereibetrieb beim Schloss Salem „mittel- bis langfristig" verlagern. So steht es im Entwurf zur dritten Teiländerung des Flächennutzungsplans (FNP) des Gemeindeverwaltungsverbands Meersburg (GVV). Bei den Uhldinger Gemeinderäten sorgten diese Pläne für Erstaunen und Verwirrung, war doch sogar von einer Verlegung nach Oberuhldingen beim Wertstoffhof die Rede. Aus diesem Grund stimmte das Gremium dem Entwurf des FNP nicht zu, sondern verschob den Tagesordnungspunkt.

Verlagerung derzeit nicht geplant

Allerdings ist das Thema der Verlagerung der Kelterei momentan wieder vom Tisch. Wie Bürgermeister Edgar Lamm auf SÜDKURIER-Nachfrage mitteilte, habe man zwischenzeitlich mit Verantwortlichen der Markgräflich Badischen Verwaltung gesprochen. Diese habe sich bereit erklärt, auf die Verlagerung der Kelterei zu verzichten, da eine solche zurzeit ohnehin nicht geplant sei. "Sollte die Verlagerung der Kelterei dennoch mal aktuell werden, wird die Markgräfliche Verwaltung ein anderes Grundstück hierfür suchen", sagte der Bürgermeister.

Auch die Markgräflich Badische Verwaltung dementierte gestern auf Nachfrage eine entsprechende Absicht. Es gebe keine unmittelbare Planung und keine richtigen Überlegungen, das Thema habe man "leichtfertig" in den Antrag zur Änderung des Flächennutzungsplans aufnehmen lassen. Die Verwaltung schloss aber nicht aus, dass es eines fernen Tages doch zu einer Verlagerung kommen könnte.

Pläne für neuen Bauhof beim Wertstoffhof

Die Gemeinde plant, den Bauhof (hinten links) zu verlagern und zu modernisieren. Er soll angrenzend an den bestehenden Wertstoffhof an der Tüfinger Straße Richtung Affenberg verwirklicht werden.
Die Gemeinde plant, den Bauhof (hinten links) zu verlagern und zu modernisieren. Er soll angrenzend an den bestehenden Wertstoffhof an der Tüfinger Straße Richtung Affenberg verwirklicht werden. | Bild: Holger Kleinstück

Der Gemeinderat hatte Ende 2017 beschlossen, dem Gemeindeverwaltungsverband die Teiländerung des Flächennutzungsplans auf der Gemarkung Oberuhldingen im Gewann Hofhalde auf einer Fläche von rund 2,3 Hektar vorzuschlagen. Gegenwärtig ist die Fläche als landwirtschaftliche Nutzfläche ausgewiesen. Für die Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen bietet sich hier die Möglichkeit, ihren Bauhof wegen fehlender, aber dringend notwendiger Erweiterungsmöglichkeit zu verlagern. Es sollen Büroräume für die Bauhofleitung und die Mitarbeiter sowie Werkstätten, Lager- und Abstellräume für Materialien, Geräte und Fahrzeuge sowie im Freien Rangier-, Lager- und Abstellflächen entstehen. Der Bauhof soll angrenzend an den bestehenden Wertstoffhof an der Tüfinger Straße Richtung Affenberg verwirklicht werden.

Auch neue Rettungswache der Johanniter

Dort soll außerdem eine Rettungswache der Johanniter-Unfallhilfe mit Bereitschafts- und Sozialräumen, Garagen für Einsatzfahrzeuge und Appartements für Einsatzkräfte gebaut werden. Dies ist erforderlich, weil aufgrund der Neuordnung der Rettungsdienste im Regionalverband Bodensee-Oberschwaben Uhldingen-Mühlhofen und Meersburg sowie der östliche Bereich von Überlingen von den Johannitern versorgt werden. Seit Oktober des Vorjahrs parkt bereits ein Rettungsfahrzeug beim Feuerwehrgerätehaus. In der Änderung des Flächennutzungsplans wird von einer knapp einen Hektar großen Bedarfsfläche „Bauhof und Rettungswache“ gesprochen.

Kritik im Gemeinderat an Kelterei-Plänen

Darüber hinaus ist im Entwurf der Teiländerung eine 1,5 Hektar große Sonderbaufläche Keltereibetrieb mit Lagerhallen für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte sowie Wohnungen für Saisonarbeiter ausgewiesen. "Mittel- und längerfristig", so heißt es dort, soll der gesamte Keltereibetrieb der Markgräflich Badischen Verwaltung mit Kelterei und Abfüllanlage aus dem Schloss Salem an den neuen Standort in Oberuhldingen verlagert werden. „Davon haben wir überhaupt nichts gewusst, das ist jetzt eine ganz neue Situation für uns. Wir haben nur einem Wohnraum für Saisonarbeiter und einer Maschinenhalle zugestimmt“, beschwerte sich Gabriele Busam (FW). Sie plädierte dafür, die Sonderbaufläche aus dem Flächennutzungsplan zu nehmen. Christine Allgaier (BuF) war derselben Meinung: „Für die Fläche haben wir uns schon entschieden, aber nicht unter diesen Bedingungen.“ Martin Möcking bekräftigte: „Ich bin grundsätzlich gegen diesen Standort.“ Und Erwin Marquart (CDU) hatte „prinzipiell“ nichts gegen eine Kelterei, „nur nicht an diesem Standort“.

Bürgermeister: Eindeutig mein Fehler

Lamm erläuterte, dass relativ kurz vor der Sitzung des Gemeindeverwaltungsverbands Anfang Juli die Markgräflich Badische Verwaltung überlegt habe, eine mögliche Verlagerung der Kelterei prüfen zu lassen. Details zu einer Kelterei seien aber in einem Bebauungsplan festzulegen. Eine mögliche Lärmproblematik durch die Kelterei habe er so nicht erkannt und versäumt, den Gemeinderat über diesen Ergänzungswunsch vorab zu informieren. "Eindeutig mein Fehler", gab Lamm zu.

Nachdem abzusehen war, dass die Verlagerung der Kelterei keine Mehrheit im Gremium findet, hatte Lamm vorgeschlagen, den Tagesordnungspunkt abzusetzen und mit der Markgräflichen Verwaltung Gespräche zu führen. Die Änderung des Flächennutzungsplans und der Bebauungsplan Hofhalde wird jetzt in der Sitzung am 24. Juli beraten, der Gemeindeverwaltungsverband tagt dann am 26. Juli.