Salem – Der demografische Wandel schreit buchstäblich nach neuen Formen in der Altenpflege. Das machte der Stuttgarter Sozialminister Manne Lucha (Grüne) bei seinem Besuch in der altenbetreuten Wohnanlage an der Schlossseeallee in Salem-Mimmenhausen deutlich. Dort ist, nachdem vor rund einem Jahr auch ein Pflegestützpunkt der Sozialstation eingerichtet wurde, weitgehend schon ein Modell verwirklicht, wie sich der Minister das Leben im Alter vorstellt: Selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden mit Zugriff auf alle erforderlichen Hilfebedarfe.

Mit dem neuesten Erweiterungsbau der altenbetreuten Wohnanlage, dem Haus "Generation plus", wurden schon fast alle Voraussetzungen für ein autonomes Leben im Alter geschaffen. Ziel der Sozialstation ist es nun noch, wie deren Vorstandsvorsitzender Wolfgang Jauch erklärte, eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung zu installieren und eine ambulante Tages- und Nachtpflege zur Entlastung pflegender Angehöriger einzurichten. "Wir hoffen, dass wir bei diesem innovativen Projekt vonseiten des Sozialministeriums finanzielle Unterstützung bekommen", wandte sich Jauch an den Minister. Denn es gehe darum, im Idealfall den Weg ins Pflegeheim zu vermeiden. In diesem Zusammenhang nannte Jauch den Salemer Bauunternehmer Bernhard Straßer, auf dessen Initiative die altenbetreute Wohnanlage zurückzuführen ist, als Vordenker des altersgerechten Wohnens.
 

Im neusten Gebäude der altenbetreuten Wohnanlage in Salem-Mimmenhausen befinden sich eine Apotheke, eine Arztpraxis und ein Pflegestützpunkt der Sozialstation.
Im neusten Gebäude der altenbetreuten Wohnanlage in Salem-Mimmenhausen befinden sich eine Apotheke, eine Arztpraxis und ein Pflegestützpunkt der Sozialstation. | Bild: Peter Schober

Von Manne Lucha kamen hinsichtlich einer staatlichen Förderung hoffnungsvolle Signale. "Ich nehme Ihr Anliegen gerne mit", beantwortete er Jauchs Vorstoß und fügte hinzu: "Wir haben großes Interesse, solche Vorhaben zu fördern, weil daran ein steigender Bedarf herrscht." Man dürfe die Menschen am Ende ihres Lebens nicht auf ihre Pflegebedürftigkeit reduzieren, sondern müsse ihnen auch in dieser Phase noch ein möglichst hohes Maß an Lebensqualität gewährleisten. Das Land habe deshalb einen mit insgesamt 2,5 Millionen Euro bestückten Ideenwettbewerb für Wohnformen im Alter ausgelobt. 147 interessante und profunde Bewerbungen seien mittlerweile schon eingegangen.

In seinen weiteren Ausführungen ging Lucha auch auf die angespannte Personalsituation im Pflegebereich ein. "Wir haben einen extremen Mangel an Pflegekräften", stellte Lucha fest und nannte auch eine der Ursachen beim Namen: die Bezahlung. Daran müsse sich was ändern. "Pflege ist Knochenarbeit", sagte Lucha und hielt deshalb die Entlohnung einer Fachpflegekraft in der Nähe eines qualifizierten Facharbeiters für redlich und angemessen. Gute Pflege könne nur von Menschen erbracht werden, die respektiert würden und die von ihrem Beruf auch leben könnten. Gleichzeitig müsse man in der Altenpflege auch durch berufliche Perspektiven, sprich Weiterbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen, Anreize schaffen.

Eine Entschärfung der Personalsituation könnte sich Lucha auch durch die Besserstellung pflegender Angehöriger vorstellen. Wie bei der Kinderbetreuung sollten auch für sie Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie geschaffen werden. Ein weiteres Potenzial zur Erfüllung des steigenden Pflegebedarfs sah Lucha auch in der Förderung des ehrenamtlichen Engagements. Hier könne beispielsweise auch Hilfe von Senioren für Senioren in Betracht gezogen werden.

Seniorenresidenz

Die Idee, am Schlosssee eine altenbetreute Wohnanlage zu errichten, hatte der Salemer Bauunternehmer Bernhard Straßer und nahm damit vor 20 Jahren eine Vorreiterrolle in Baden-Württemberg ein. Seit der Inbetriebnahme der beiden ersten Gebäude mit 88 Wohnungen wurde die Anlage aufgrund der hohen Nachfrage schon zwei Mal erweitert. In dem vor zwei Jahren fertiggestellten Zwillingsgebäude mit 44 Wohnungen wurden ein Stützpunkt der Sozialstation, eine Arztpraxis, und eine Apotheke eingerichtet. Noch im Herbst dieses Jahres soll mit der Errichtung eines weiteren Gebäudes mit 44 Wohnungen begonnen werden. Darin will die Sozialstation eine kombinierte Tages- und Nachtpflegestation einrichten. Bereits mit der Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts wurde der Verein "Seniorenbetreuung Schlosssee Salem" gegründet, dem Bernhard Straßer vorsteht. Dieser Verein garantiert, dass alle Anforderungen des Qualitätssiegels für Betreutes Wohnen Baden-Württemberg erfüllt werden. Dazu zählt auch die Unterstützung der Bewohner bei der Organisation benötigter Hilfestellungen.