18 Länder in 622 Tagen: Über eineinhalb Jahre sind Patrick Scholz aus Salem und Manuel Doser aus Brigachtal um die Welt geradelt. Los ging es am 2. August 2015. Treffpunkt war in Friedrichshafen. Als ursprüngliche Idee hatten die beiden im Gepäck, überall soziale Projekte anzuschieben oder zu unterstützen. Nach dem Vorbild von Scholz, der seit dem Jahr 2011 dem St. Barnabas Children's Centre in Kenia Hilfe zukommen lässt – entweder vor Ort oder durch Spenden. Patrick Scholz' Gedanke war damals: "Ich will nicht nur für mich losfahren, durch so viele Länder reisen und nichts zurückgeben." Über einen Aufruf im Internet war er auf Manuel Doser aufmerksam geworden. Gemeinsam hatten sie nur die Reiseroute gen Osten. Doch Scholz hatte Doser schnell für das "Social Cycling" ("Soziale Radfahren") begeistert.

Die Spenden, die die beiden mit ihrer Multivisionsshow sammeln, kommen dem St. Barnabas Children's Centre in Kenia zugute. Manche Kinder werden nicht nur dort unterrichtet, sondern leben auch im Centre. Hier ist Patrick Scholz bei einem Besuch zu sehen.
Die Spenden, die die beiden mit ihrer Multivisionsshow sammeln, kommen dem St. Barnabas Children's Centre in Kenia zugute. Manche Kinder werden nicht nur dort unterrichtet, sondern leben auch im Centre. Hier ist Patrick Scholz bei einem Besuch zu sehen. | Bild: Patrick Scholz

Unterwegs kam es etwas anders als anfänglich geplant: Der Alltag war überwiegend durch das Fahrradfahren ausgefüllt. Außerdem mussten Visa beschafft werden, die wiederum nur drei Monate gültig waren. Scholz und Doser mussten zuschauen, dass es vorangeht, ohne sich gleichzeitig unter Druck zu setzen. Es blieb bei kleineren Projekten, einem fröhlichen, menschlichen Miteinander mit den Einheimischen und der Natur, wie Scholz es ausdrückt. In Albanien verhalfen sie einem Straßenmusiker zu einer eigenen CD mit richtigem Cover. Die Rechte für die Musik liegen bei den beiden Männern. Durch den Verkaufserlös werden wieder andere Hilfsprojekte – zum Beispiel das Schulprojekt in Kenia – unterstützt. Angeschafft wurden in diesem Fall Musikinstrumente. "So kann ein armer Musiker aus Albanien bedürftigen Kindern in Kenia etwas geben", sagt Scholz. Auch mit einem Straßenmusiker in der Türkei haben sie eine CD aufgenommen, oder Stifte an Schulkinder verschenkt – und natürlich kräftig in die Pedale getreten. 175 Kilometer auf dem Fahrrad: Das war der längste Tag der Fahrradtour durch Europa, den Nahen Osten bis runter nach Asien. Obwohl sie vor der Reise Fremde füreinander gewesen waren, haben sich Scholz, der Fotograf, und Doser, der Schreiner, nach eigenen Angaben nicht einen Tag gestritten. "In den wichtigen Dingen sind wir einer Meinung", sagt Scholz. Übernachtet haben sie meist im Zelt und in der Regel selbst gekocht. Geld kam durch die eigene Straßenmusik oder kurzzeitige Beschäftigungen in die Kasse. In Antalya in der Türkei legten sie eine längere Winterpause ein. Einen Favoriten unter den Ländern auszuwählen, sei extrem schwierig, sagt Scholz. Ihm zufolge sind die Länder einfach zu verschieden.

Auf den schwer beladenen Fahrrädern durch die Berglandschaft von Albanien.
Auf den schwer beladenen Fahrrädern durch die Berglandschaft von Albanien. | Bild: Patrick Scholz

In besonderer Erinnerung sind dem Fotograf allerdings die Menschen im Iran geblieben. "In keinem der 18 bereisten Länder war die Gastfreundschaft so überwältigend", sagt er über den gut einmonatigen Aufenthalt. "Schon damals hat man gespürt, dass es im Iran brodeln wird", so Scholz. Der Großteil der Bevölkerung, Scholz geht von 80 Prozent aus, sei gegen die konservative Regierung. Während der Reise seien viele richtig gute Freundschaften entstanden – nicht nur zu den Menschen im Iran. Bis Hanoi in Vietnam waren Scholz und Doser schließlich gemeinsam unterwegs. Doser kehrte im Dezember 2016 zurück. Scholz im April 2017. Der Salemer Fotograf verbrachte noch etwas Zeit in dem Kinderhilfsprojekt Villa Warna Warn auf der indonesischen Insel Nias.

Die über eineinhalb Jahre dauernde Fahrradtour durch alle Herren Länder hinterlässt ihre Spuren: Manuel Doser und Patrick Scholz (von links) mit deutlich längeren Haaren.
Die über eineinhalb Jahre dauernde Fahrradtour durch alle Herren Länder hinterlässt ihre Spuren: Manuel Doser und Patrick Scholz (von links) mit deutlich längeren Haaren. | Bild: Patrick Scholz

Die große Erkenntnis der gemeinsamen Fahrradtour: "Dass man alles, was man besitzt, auch tragen muss. Das ist nicht nur auf dem Fahrrad so", sagt Scholz. Seit er in Deutschland ist, arbeitet er wieder als Fotograf. Das Leben kommt ihm eindeutig komplizierter vor als unterwegs: "Ich lag zwei Jahre im Zelt. Wenn ein Loch in meinem Zelt ist, repariere ich es mit einem Klebestreifen." In den eigenen vier Wänden sei das mit dem Loch im Dach schwieriger, nennt er ein Beispiel. Aus den Eindrücken ihrer Reise haben die beiden eine Multivisionsshow erstellt. Die Premiere war schon. Einer der weiteren Vorträge findet am Donnerstag, 8. März, 19 Uhr, im Prinz-Max-Saal in Salem-Neufrach statt. Die Spenden dieser Abende kommen dem St. Barnabas Children's Centre in Kenia zugute. Dort entsteht ein neues Klassenzimmer.

Über das St. Barnabas Children's Centre haben die Kinder Zugang zu Bildung.
Über das St. Barnabas Children's Centre haben die Kinder Zugang zu Bildung. | Bild: Patrick Scholz

"Es gibt viel zu viele Kinder, die auf der Straße sitzen, und keine Chance auf Bildung haben", sagt Scholz. Warum nicht in Deutschland helfen? "In Deutschland gibt es ganz viele Sachen, an denen man arbeiten sollte. Aber es ist kein Vergleich mit den Dritte-Welt-Ländern, die ich schon besucht habe", so Scholz. Die Kinder seien in lebensbedrohlichen Situationen. Bis Anfang April möchte Scholz deshalb Geld sammeln und wieder nach Kenia fliegen.

Patrick Scholz und Manuel Doser übernachten meist im Zelt oder im Freien in Hängematten, um die Reisekasse zu schonen. Das Bild zeigt einen typischen Schlafplatz während der knapp zweijährigen Fahrradtour durch 18 Länder – von Europa, durch den Nahen Osten bis runter nach Asien.
Patrick Scholz und Manuel Doser übernachten meist im Zelt oder im Freien in Hängematten, um die Reisekasse zu schonen. Das Bild zeigt einen typischen Schlafplatz während der knapp zweijährigen Fahrradtour durch 18 Länder – von Europa, durch den Nahen Osten bis runter nach Asien. | Bild: Patrick Scholz

 

Vortrag am 8. März

  • Die Multivisionsshow "Social Cycling – Auf dem Fahrrad nach Indonesien" wird am Donnerstag, 8. März, um 19 Uhr im Prinz-Max-Saal in Salem-Neufrach präsentiert. Die Radfahrer Patrick Scholz aus Salem und Manuel Doser aus Brigachtal halten die Vorträge gemeinsam. Sie mischen ihre Erzählungen mit Bildern, Videoclips und Musik. Der Eintritt basiert auf Spenden für das St. Barnabas Children's Centre in Kenia, wo mehr als 400 Kinder unterrichtet werden – und zum Teil auch dort leben. Viele sind nach Scholz' Angaben Aids-Waisen.
  • Die Fahrradreise führte durch Deutschland, Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Albanien, Griechenland, die Türkei, Georgien, Armenien, den Iran, Tadschikistan, an der afghanischen Grenze entlang, durch Kirgisistan, Kasachstan, China und Vietnam nach Indonesien. Dabei haben sie 13 000 Kilometer auf dem Fahrrad, 2000 Kilometer mit dem Zug, 1500 Kilometer mit dem Bus, 1000 Kilometer beim Trampen, 2000 Kilometer auf dem Motorrad und 2500 Kilometer mit dem Flugzeug zurückgelegt. Weitere Informationen unter www.social-cycling.de