Helles Pils, dunkles Malz, Bier aus Dinkel oder modisch mit Lemon-Aroma: So vielfältig wie die Geschmäcker sind, können auch die Endprodukte ausfallen, wenn man sein Bier selber herstellt. Der Trend zum Selberbrauen boomt. Fertige Braukits gibt es in vielen Variationen im Internet zu bestellen, aber die Salemer Hobbybrauerin Angela Schindler meint dazu: "Das ist ein großer Qualitätsunterschied. In etwa so, als würde ich eine Tütensuppe aufreißen oder selber eine Suppe aus sonnengereiften Tomaten mit frischen Kräutern kochen."

Schon Ur-Oma braute selbst Bier

Seit einigen Jahren schon experimentiert die Chemieingenieurin mit verschiedenen Malzarten und Zutaten und gibt auf dem Hofgut Wegwarte mittlerweile anleitende Kurse zum Brauen für den Hausgebrauch. "Zufällig fand ich heraus, dass schon meine Ur-Oma selber Bier gebraut hat, was aber für mich nicht ausschlaggebend war, damit anzufangen", erklärt Schindler. "Das Experimentieren in der Küche macht mir Spaß. Ich habe vorher Most und Liköre hergestellt. Der Ablauf der bio-chemischen Prozesse dabei fasziniert mich."

Hygiene ist unerlässlich

Innerhalb eines Nachmittags ein Bier in der eigenen Küche zu zu brauen, geht mit einfachen Mitteln: Ein großer Einmachtopf, ein Gärfässchen mit Ablaufhahn, Leintücher oder Stoffwindel zum Läutern. Einzig der Erlenmeyerkolben und die Bierspindel zur Bestimmung der Stammwürze sind nicht unbedingt in jedem Haushalt zu finden. Dazu Hefe, Hopfen und Malz und schon kann es losgehen: Einmaischen und erhitzen, Proben nehmen, rasten lassen und läutern. Schritt für Schritt zeigt und erklärt die Chemikerin den Vorgang. "Wichtig ist die Hygiene. Man muss absolut sauber arbeiten, sonst verdirbt der Sud", betont Schindler.

Die Kursteilnehmer Walde und Gabriele legen beim Filtern Hand an.
Die Kursteilnehmer Walde und Gabriele legen beim Filtern Hand an. | Bild: Lorna Komm

Geschmacksvarianten über Malz und Hopfen steuern

Den Geschmack variiert man zum einem durch das Malz, zum anderen durch den Hopfen. Bitterhopfen und Aromahopfen werden in Abständen zugegeben und erhitzt. Außerdem kann der kreative Brauer Gewürze oder Kräuter – auch Heilkräuter – beimischen. Durch ihre Ausbildung an wissenschaftliches Arbeiten gewöhnt, führt Angela Schindler jedesmal ein Brauprotokoll. "Dann weiß ich auch nach Jahren noch, welches Malz und welche Zutaten harmonieren." Wichtig ist die Dokumentation auch für den Nachweis der hergestellten Biermenge, denn nur die Herstellung von 200 Litern Bier ist pro Jahr und Haushalt in Deutschland steuerfrei. Vor dem Braustart muss dem zuständigen Hauptzollamt formlos der Herstellungsort und die voraussichtliche Menge angezeigt werden.

Alkoholfreies Bier ist was für Experten

Bierbrauen ist eine gemütliche Angelegenheit. Während der Sud vor sich hinköchelt, erzählt Schindler Wissenswertes zum Thema Bier. Geschichtliche Hintergründe, Ernährungsphysiologisches oder dass die Herstellung von alkoholfreiem Bier für Hobbybrauer kaum machbar ist, da dem Bier der Alkohol erst im Nachhinein entzogen wird. Auch den weiteren Verlauf nach Ende des Brauprozesses beschreibt Schindler detailliert: Die Hauptgärung im Fass und die anschließende Nachgärung von mindestens zwei Wochen in den abgefüllten Flaschen. "Handwerksbiere sind meist obergärig", erklärt Schindler, "denn die obergärige Hefe ist wegen der Problematik des Kühlens leichter zu händeln."

Gefragt nach den Motivationen ihrer Kursbesucher, erzählt sie von dem Paar, das nach Südamerika auswandern wollte, um dort Bier herzustellen. Aber auch das eigene Bier für die Hochzeitsfeier wurde schon angefragt. "Die Seminare sind schon männerlastig, aber der Anteil der Frauen steigt", sagt sie. Meistens nehme eine bunte Mischung von Neugierigen teil. "Neugier und die Tatsache, dass mir selbstgebrautes Bier besser schmeckt als Markenbier" war auch der Grund für die Teilnahme einer Owingerin, deren Name dazu schon fast verpflichten würde: "Mein Mädchenname ist Biermacher", erzählt Gabriele Beck lachend.

Rund ums Bier

Historie: Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Bier stammt von 2800 vor Christus aus Mesopotamien. Ab dem Mittelalter entwickelten die Mönche das Brauwesen auch zum Kampf gegen den Hunger während der Fastenzeit. 1516 wurde das Reinheitsgebot erlassen.

Brauereiszene: Rund 1400 kleine Brauereien existieren noch in Deutschland. Im Jahr 2016 lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Bier in Deutschland bei rund 100 Litern, nur die Tschechen konsumierten mit 143 Litern pro Kopf mehr. Die Biersteuer war eine der ältesten Abgaben auf Verbrauchsgüter. 200 Liter sind für den Hobbybrauer steuerfrei. Der Braubeginn muss dem zuständigen Hauptzollamt mitgeteilt werden.

Bierbrauseminar: Angela Schindler, info@wegwarte-salem.de oder über die Volkshochschule Bodenseekreis: www.vhs-bodenseekreis.de