In der Wohnung von Almuth Rudolph Glink finden sich weder Fernseher noch Computer oder Handy. Aus Überzeugung nutzt die Seniorin digitale Medien nicht. Dass sie dennoch monatlich einen Rundfunkbeitrag von 17,50 Euro leisten soll, kann sie nicht verstehen. Hinzu kommt eine Nachzahlung, die ihre kleine Rente übersteigt. Als letzten Ausweg zieht sie in Erwägung, ihre Geige zu verkaufen. Sie hängt sehr daran. Das Instrument ist ein Erbstück und gehörte ihrer Großmutter, einer Geigerin.

„Ich bin gezwungen, ein wertvolles Stück von mir zu verkaufen, damit ich etwas bezahle, was ich gar nicht benutze“, sagt Glink. Sie besitze wirklich gar nichts an digitalen Zugängen oder Rundfunkgeräten. „Ich bin nicht Mal in der Lage, eine E-Mail zu schreiben“, sagt Glink. Der Vermieter ihrer Wohnung in Salem-Beuren, Dieter Falk, kann das ebenso bestätigen wie ihre langjährige Freundin Dorothea Schmidt. Beide teilen Glinks Unmut. Falk war es schließlich, der sich an den SÜDKURIER wandte und seine Mieterin unterstützte, ihre Geschichte öffentlich zu machen.

Sie besitzt schon lange keine digitalen Zugänge oder Geräte mehr

Schon in den 90er Jahren lebte Almuth Rudolph Glink ohne TV. Nachdem ihr Ehemann sogar das Autoradio entfernt hatte, wurden beide von der früheren GEZ-Gebühr befreit, die es bis Ende 2012 gab. Zu der Zeit lebten sie noch in Herdwangen. Eine schwere Krankheit ihres Mannes zwang sie, vorübergehend in ein Altenheim zu ziehen. Nach dem Tod ihres Mannes bezog Glink Ende Oktober 2014 ihre Wohnung in Beuren. Von dem Zeitpunkt an seien für sie plötzlich Gebühren und Mahnungen angefallen.

Nach Umstellung der geräteabhängigen Rundfunkgebühr im Jahr 2013 auf einen allgemeingültigen Rundfunkbeitrag wurde sie trotz fehlenden Internet- und Rundfunkzugangs zur Kasse gebeten. Und das, obwohl sich an ihrem Medienkonsum nichts geändert hatte. Außer zwei Schweizer Monatszeitungen nutzt sie nach wie vor keinerlei Medien, wie sie beteuert. Da sie vorher gebührenbefreit war, versuchte sie, sich gerichtlich zu wehren. Sie verfasste eine Klage. Begründet habe sie diese unter anderem mit ihrer Sensibilität gegen elektromagnetische Strahlung und mit ihrer Ablehnung des Mediums Fernsehen aus Gewissensgründen.

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Almuth Rudolph Glinks negative Einstellung insbesondere zu TV-Inhalten entwickelte sich schon früh. Bei einem Aufenthalt als Au-Pair-Mädchen in den 1960er Jahren habe sie die negativen Auswirkungen von Fernsehkonsum bei den Kindern der Au-Pair-Familie hautnah miterlebt. „Die schädigende Wirkung bei den Kindern war für mich praktisch erfahrbar.“ Nach dem Fernsehen habe beispielsweise das jüngste Kind der Arztfamilie oft die ganze Nacht geschrien. Habe sie den kleinen Jungen stattdessen in die Hausarbeit eingebunden und mit ihm gesungen und gespielt, sei es nächtens ruhig gewesen, erinnert sich Glink. Bis heute hält sie an ihrer Auffassung fest.

Seniorin stuft Gebührenpauschale als „Wohnungssteuer“ ein

Für ihren Widerspruch gegen den Rundfunkbeitrag hat ihre Einstellung zur Schädlichkeit von Medienkonsum letztlich nichts genutzt. Mittlerweile ist die fällige Beitragssumme inklusive Mahngebühren auf über 1000 Euro angewachsen. Sie könnte den Betrag in Raten zahlen, doch steht parallel noch die reguläre Beitragszahlung ins Haus. „Das sind 56 Euro alle drei Monate“, sagt Glink und schaut besorgt. Mit ihrer Minirente plus Witwenrente komme sie knapp über die Runden. Dass sie von dem Wenigen etwas abgeben soll für etwas, das sie niemals nutzt und von Grund auf ablehnt, ist ihr unverständlich.

„Es ist, als ob ich das Geld einfach zum Fenster rausschmeiße“, empfindet sie. Allein die vorhandene Möglichkeit, dass sie bezahlen muss, hält sie für „irre“. Den Beitrag zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks stuft sie als „Wohnungssteuer“ ein. Glink sagt, sie fühle sich dadurch in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt.

Alle zahlen Rundfunkbeitrag nach dem Solidarprinzip, unabhängig von der Nutzung

Für den Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio ist der Fall indes klar. Pressesprecher Dennis Sponholz teilt mit: „Die für Rundfunkrecht zuständigen Bundesländer haben sich im Zuge der Neugestaltung des Rundfunkstaatsvertrages dazu entschieden, die Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Sender nicht länger von der Nutzung einzelner Geräte (etwa einem Fernseher oder einem Radio) abhängig zu machen, sondern nach dem Solidarprinzip und unabhängig vom persönlichen Nutzungsverhalten zu regeln.“

Der seit dem Jahr 2013 geltende Rundfunkbeitrag werde daher im Sinne einer solidarischen Finanzierung von allen für alle gezahlt. Dieses Finanzierungssystem ermögliche es allen Bürgern, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf allen seinen Verbreitungswegen zu nutzen – er sei für alle frei und unverschlüsselt empfangbar. „Darüberhinaus hat das Bundesverfassungsgericht den Rundfunkbeitrag im Juli 2018 höchstrichterlich als verfassungskonform bewertet“, sagt Sponholz. Die Klage der Seniorin ist also nicht rechtens.

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