Ein Thema bestimmte die Jahresversammlung des Kleintierzuchtvereins Salem und Umgebung in seinem Vereinsheim: Die Suche nach einem Nachfolger für Joachim Scheel, der nach 17 Jahren nicht mehr für den Vereinsvorsitz kandidierte. 37 der 38 wahlberechtigten Mitglieder hievten Dietmar Bertsche in das Amt des Vorsitzenden ihres Vereins.

Joachim Scheel wurde voller Respekt und Dankbarkeit durch den Verein gewürdigt und mit Urkunde „für sein intensives, arbeitsreiches Schaffen in fast zwei Jahrzehnten als Vorsitzender“ zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Er habe, so lobte sein Amtsnachfolger Dietmar Bertsche, als siebter Vorsitzender nach Gründung im Jahr 1961 „den Verein in seiner Ära geprägt und Großartiges geleistet“, vor allem mit einem wachen Auge auf die züchterischen Erfolge, und da vor allem in der Förderung der Jungzüchter.

Seit 1981 ist der mit seiner Familie in Überlingen-Deisendorf wohnende Joachim Scheel Mitglied bei den Salemer Kleintierzüchtern. Mitglieder sind auch seine Frau Rosmarie und Sohn Martin. Auch die Kameradschaft im Verein pflegten die Scheels als Bindeglied für eine lebendige Vereinsgemeinschaft. Rosmarie Scheel hat ebenfalls ihr Amt als Beisitzerin aufgegeben. Joachim Dorn unterstrich voller Hochachtung und mit Blumen als Dank: „Was die Frau geschafft hat mit einer Energieleistung für den Verein bei Veranstaltungen im Vereinsheim!“

Sehr gut präsentierten sich Vereinsmitglieder auf lokaler, regionaler, nationaler (Kassel) und europäischer Ebene (Metz/Lothringen) mit Kaninchen und Geflügel, hoben die Zuchtwarte Siegfried Trummer, Jürgen Wolfensperger, Michael Schneider sowie Jugendobmann Sebastian Sterk hervor. Als Champion, Meister und Vizemeister kehrten sie vielfach zurück.

Benno Stuckyhat die Salemer Tiere nach Kassel zur Deutschen Meisterschaft transportiert und erhielt für „fünf Tage Stallwache“ zum Dank ein Geschenk. Die Züchterjugend, so Sebastian Sterk, hat mit dem Dr.-Zimmermann-Stift in Meersburg ein Projekt für ältere Menschen ins Leben gerufen, drei Kaninchen und zwei Meerschweinchen seien schon geliefert. Er betonte: „Die Jungzüchter sind die Zukunft des Vereins.“ Da viele von ihnen altersmäßig aus der Jugend herauswachsen, gelte es, Wege zu finden, um die Jugendgruppe durch Kontakte zu anderen Gruppen zu verstärken.

 

Ehrungen und Wahlen

Ehrung langjähriger Mitglieder: Manuel Baiker, Herbert Baiker (zehn Jahre); Gerda Arnold, Reinhilde Bernhard, Matthias Bleichner, Hugo Böttinger, Josef Gärtner, Paul Müller, Manfred Nolle, Joseph Oßwald, Karl Sauter, Martin Scheel, Theo Schlachter, Reiner Schöffel, Eberhard Stumpp, Ursula Wesle (30 Jahre); Bernhard Hochrein, Jutta Junk-Stötzler, Renate Längle, Piet van Meerendonk, Johanna Thorenz, Lothar Weber (40 Jahre); Peter Längle (45 Jahre).

Vorstandswahlen: Dietmar Bertsche (neu als Vorsitzender), Jürgen Wolfensperger (neu als Schriftführer), Klaus Wiedmann (Protokoll), Sebastian Sterk (neu Presse), Siegfried Trummer (Zuchtwart für Kaninchen), Michael Schneider (Zuchtwart für Geflügel), Roman Bertsche (neu als Jugendobmann), Dietmar Bertsche (Zuchtbuchführer), Sebastian Bertsche (Tätowiermeister), Thomas Finkbeiner und (neu) Markus Boschenrieder (Beisitzer), Gerhard Heudorf und (neu) Manfred Huchler (Kassenprüfer). (fw)

 

Zur Zucht gehört auch das Schlachten: Ein Hasenzüchter im Interview

Joachim Scheel (67) war Deutscher Meister als Hasenzüchter. Im Interview erklärt der Überlinger, was zum Erfolg beiträgt. Von 1999 bis jetzt war er Vorsitzender im „Kleintierzuchtverein Salem und Umgebung“.

Was reizt Sie an dem Hobby?
Die einen haben halt Pferde, naja, ich hatte damit von klein auf zu tun. Die werden ja auch geschlachtet und verkauft.

Für Sie ist der Hase ein Nutztier?
Ein Nutztier, ja, klar.

Was macht einen guten Hasen aus?
Körperform, Fell, auf der Ausstellung wird nach allem geschaut.

Wo liegt die Trennung zwischen Nutz- und Schmusetier?
Das sehe ich, wenn sie ein paar Wochen alt sind. Der könnte etwas werden, der nicht. Entweder sie werden verkauft oder gehen in den Kochtopf.

Wie bringen Sie die Tiere um die Ecke?
Schussapparat, in die Stirn.

Wenn die Hasen erfolgreich auf Ausstellungen waren, werden sie auch gegessen?
Wenn sie das Alter haben… da wird kaum einer älter als vier Jahre. Wir haben aber auch welche, die bekommen das Gnadenbrot, bis sie umfallen.

Sie empfinden also auch Zuneigung?
Ja sicher, sicher! Wenn er mich aber ein oder zweimal gekratzt hat und beißt, dann hat er verloren.

Wie beeinflusst man die Zucht?
Du musst alles aufschreiben, regelrecht ein Zuchtbuch führen. Abstammung, alles, musst aufpassen, dass es keine Inzucht gibt. Die Paare müssen halt zusammen passen, das merkst Du aber erst im zweiten Jahr. Entweder es kommt was raus dabei oder nicht.

Auf was achten Sie?
Auf Körperform, Behanglänge…

Behanglänge?
Ohren! Behang ist das Wort für Ohren. Ganz wichtig ist das Fell, Unterwolle muss da sein, Zwischenfarbe, Sauberkeit, die Krallen müssen geschnitten sein. Das wird alles kontrolliert.

Sie stammen aus Offenburg, wie und wann kamen Sie in die Region?
1973/74. Wir haben in Überlingen die Jugendherberge gemacht, ich war auf Montage als Schreiner, sie (zeigt auf seine Ehefrau Rosmarie) hat im Löwen bedient, ich habe im Löwen ein dreiviertel Jahr lang geschlafen, dann sind die anderen wieder gegangen, ich bin geblieben.

Sie essen gerne Hasenbraten?
Wenn's sein muss, einen ganzen alleine. Das sieht man ja.

Und in welcher Zubereitung am liebsten?
Eingelegt in Wein, dazu breite Nudeln.
 

Salemer Kleintierzüchter sorgen sich um zukunftsfähige Strukturen

Deshalb bekunden sie beim Kreisverband Überlingen ihre Absicht, zusammen mit anderen Verbänden größere Einheiten bei Kaninchen- und Geflügelzucht zu bilden.
Am kommenden Freitag, 4. März, findet um 19.30 Uhr im Vereinsheim der Salemer Kleintierzüchter die Hauptversammlung des Kreisverbandes Überlingen der Kleintierzüchter aus den fünf Ortsvereinen Billafingen, Markdorf, Salem, Überlingen und Uhldingen statt. Dazu wird ein Antrag der Salemer Kleintierzüchter vorliegen, dem diese auf ihrer Jahresversammlung am letzten Freitag mit überwältigender Mehrheit zugestimmt haben. Joachim Dorn als stellvertretender Vorsitzender äußerte „Sorge um die Zukunft der Kleintierzucht im Bodenseeraum“.

 

Sie stehe nicht so im Blick der Öffentlichkeit, weshalb er andere Strukturen ins Gespräch brachte: „Zusammengehen mit Gleichgesinnten.“ Er schlug bei der Kaninchenzucht den Zusammenschluss der beiden Kreisverbände Konstanz und Überlingen zum Kreisverband Bodensee vor. Beim Geflügel wäre ebenfalls ein Kreisverband Bodensee denkbar für die Kreisverbände Hegau-Bodensee und Überlingen. Nachdem der neue Salemer Vorsitzende Dietmar Bertsche und Schriftführer Jürgen Wolfensperger als eine das Ganze kritisierende Stimme darauf hingewiesen hatten, dass es „nicht um Namen“, aber „ums Weiterkommen im Interesse der ganzen Kaninchenzucht, ums Miteinander und um Strukturen“ gehe, schlug Manfred Huchler vor, den Antrag als Absichtserklärung zu beschließen: Der Salemer Kleintierzuchtverein, größter unter den fünf Ortsvereinen im Kreisverband Überlingen, „strebt diese Absicht an“. (fw)