Der Fuchs geht in Salem um. Doch im Teilort Stefansfeld verschwinden keine Hühner oder Gänse – sondern Schuhe. Die Gemeindeverwaltung wurde vor einigen Wochen auf die Diebstähle aufmerksam gemacht, einige Menschen beobachteten den Fuchs mit seiner Beute im Mund. Im Salemer Mitteilungsblatt rief Madlene Tavit von der Gemeindeverwaltung dazu auf, dass herumliegende Schuhe auf der Straße im Fundbüro abgegeben werden können. Seitdem sind keine weiteren Raubzüge in Salem bekannt geworden, wie sie auf Nachfrage dieser Zeitung erläuterte.

Fuchsbau in Meersburg mit rund 50 Schuhen

Dass der Fuchs eine Vorliebe für die menschliche Fußbedeckung hat, ist bekannt. Der Vorfall in Salem ist in der Region nicht der erste dieser Art. Den größten Fund gab es in Meersburg im Jahr 2009. Der ehemalige Stadtgärtner, Horst Schneider, buddelte rund 50 Schuhe aus einem Fuchsbau aus.

Keine wissenschaftliche Erklärung für die Vorliebe

Die Frage, die sich stellt: Warum zeigt sich der Fuchs so interessiert an genau diesem Kleidungsstück? Die Experten wissen es nicht. Auch Janosch Arnold, Leiter der Wildforschungsstelle Baden-Württemberg, kann nur rätseln: "Es ist ein Phänomen auf der ganzen Welt. Es könnte am interessanten Duft der Schuhe liegen. Aber eine wissenschaftliche Erklärung gibt es bislang nicht."

Kreisjäger tippt auf ausgewachsene Tiere

Das mysteriöse Verhalten beschäftigt auch Kreisjägermeister Hartmut Kohler: "Es ist auch für uns ein Rätsel. Wir haben keine Erklärung in der Fachliteratur gefunden." Kohler zweifelt an der Mutmaßung, dass es Jungtiere sind, die die Schuhe zum Spielen in den Bau mitnehmen. Er geht davon aus, dass es sich um ausgewachsene Tiere handelt.

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"Im März und April kommen die Jungfüchse auf die Welt, erst Ende Juli sind sie selbstständig", sagt der Jäger. Die Vorfälle in Salem ereigneten sich zu einem früheren Zeitpunkt. Der Leiter der Wildforschungsstelle gibt ihm Recht, zumindest teilweise. Janosch Arnold vermutet, dass die Welpen zumindest das Motiv für den Diebstahl sind. "Die ausgewachsenen Füchse verfügen über eine hohe soziale Komponente. Sie wollen ihren Nachwuchs beschäftigen und bringen deshalb immer wieder Spielzeuge zum Bau mit. Das kann genauso ein Schuh sein."

Fuchs wird zum Stadttier

Doch warum trauen sich die Füchse überhaupt in die Nähe von Menschen? Zumindest darüber herrscht in der Wissenschaft eine gewisse Einigkeit. Der Fuchs ist über die Jahrzehnte zu einem Stadttier geworden, so Arnold. Die Begründung: "Der Lebensraum ist für sie attraktiv und bis auf den Straßenverkehr relativ sicher. Dazu bieten die Gärten einen reich gedeckten Tisch. Sie können sich einfach und ausreichend von Hundefutter und Komposthaufen ernähren."

Im Sommer ist das Schießen der Tiere verboten

Wie viele Füchse derzeit in ihrem eigentlichen Lebensraum – den Wäldern um Salem – umherstreifen, ist schwer abzuschätzen. Kreisjäger Hartmut Kohler geht davon aus, dass die Zahl in diesem Sommer hoch ist. Im Winter hatten die Jäger durch wenig Schnee eine schlechte Sicht im Dunkeln. Und somit wenig Möglichkeiten, die Tiere zu bejagen. Im Sommer ist das Schießen der Tiere verboten. Die Jung- und Elterntiere stehen derzeit unter Schutz, wie Kohler erklärt.

Tipps gegen ungebetene Gäste auf dem Grundstück

In Angst und Schrecken müsse wegen den streunenden Tieren kein Anwohner leben. "Füchse sind im Großen und Ganzen nicht gefährlich." Eine Warnung spricht Kohler jedoch aus: Die Tiere seien Bandwurmträger und der Kot daher eine potenzielle Gefahr für Mensch und Haustier. Wer die ungebetenen Gäste von seinem Grundstück fernhalten will, sollte auf einige Dinge achten. "Die Zäune sollten eingelassen sein und es sollten hygienische Regeln beachtet werden. Durch einen Müllhaufen mit Speiseresten werden Mäuse und Ratten angezogen. Und die locken Füchse an."

Bis Hartmut Kohler und Janosch Arnold das Geheimnis um die Vorliebe des Fuchses gelüftet haben, kann es wohl dauern. Und wer in Stefansfeld kein Risiko eingehen möchte, der kann sein Schuhwerk einfach schützen. Im verschlossenen Haus ist der Schuh vor den tierischen Dieben am sichersten.

 

Weitere Vorfälle
in der Region

Nicht nur in Salem ist der Fuchs umtriebig. In der Südstadt von Villingen biss ein Fuchs in den vergangenen Wochen bei drei Menschen zu. Im Pfullendorfer Ortsteil Denkingen ist ein Fuchs seit Juli vermehrt als Schuhdieb unterwegs.

  • Bissiger Fuchs wurde wohl angefüttert: Drei Attacken eines Fuches auf Menschen, so die Bilanz der vergangenen Wochen in der Villinger Südstadt. Das Landratsamt spricht von einem "verhaltensauffälligen Tier". Warum das Tier zubeißt, stehe derzeit noch nicht fest. Kristina Diffring, Sprecherin des Landratsamtes, geht davon aus, dass das Tier durch Menschen gefüttert wurde. Durch die Gewöhnung könne es sein, dass das Tier keine Scheu besitze und bei Bewegungen zupacke, so Differing. Das Vorliegen von Tollwut bei dem Tier sei unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen. Mittlerweile ist das Kreisjagdamt aktiv und lässt in der Südstadt eine Falle aufstellen, um das Tier zu fangen.
  • Bananenkiste voller Schuhe: Gesehen hat den Fuchs noch niemand, aber er hinterlässt im Pfullendorfer Ortsteil Denkingen seine Spuren. Seine Anwesenheit bemerkte Ortsvorsteher Karl Abt im Juli: Schuhe verschwanden und tauchten an unerwarteten Stellen im Dorf wieder auf. Es ist das gleiche Spiel wie im vergangenen Jahr, damals füllten die gefundenen Schuhe eine Bananenkiste. Anders als in Villingen gebe es jedoch keine Bestätigung für die Vermutung, dass die Tiere im Ort unterwegs seien, weil jemand sie angefüttert habe, so Abt. Die Ortsverwaltung hat mit den Waldbesitzern ausgemacht, dass die für die einzelnen Reviere zuständigen Jäger im Anschluss an die Schonzeit verstärkte Jagd auf die Vierbeiner machen. Damit soll ein mögliches Wachstum der Fuchspopulation verhindert werden.