Die Initiative Saatgut-Bildung vermehrt nicht nur Tomaten, Bohnen oder Prunkwinden, sie vermehrt auch erfolgreich die Zahl der Interessenten und Bringfreudigen. Wo im "Prinz Max" sonst die Kinderspielecke aufgestellt ist, befanden sich bei der Saatgutbörse vier Warentische. "Letztes Jahr haben wir an der gesamten Veranstaltung 1700 Saatguttüchen ausgegeben", erinnert sich Mitinitiator Nicolas Dostert. "Heute waren schon nach 90 Minuten 2000 Tütchen weg. Glücklicherweise hatte ich weitere 2000 im Auto!" Im großen Saal locken lange Tischreihen mit begehrten Gartenkostbarkeiten und Informationsmaterial und überall begutachten die Menschen dicht gedrängt Schwabenbohne und Lippertsreuter Tomate, Wucherblume und Wiesenmischung. Keinem geht es um das kostenlose Schnäppchen, viele werfen einen großzügigen Beitrag ins Kässle.

Blumensamen sind begehrt, ebenso Samen von Riesentomaten: Hobbygärtner decken sich bei der Salemer Saatgutbörse mit frischem Saatgut ein.
Blumensamen sind begehrt, ebenso Samen von Riesentomaten: Hobbygärtner decken sich bei der Salemer Saatgutbörse mit frischem Saatgut ein. | Bild: Angela Körner-Armbruster

"Es ist die geniale Mischung von gesundem, weil genfreiem Saatgut, der kompetenten Beratung und der herrlichen Vielfalt", beschreibt die Tettnangerin Helene Kurz ihre Motivation. Wenige Meter daneben gibt Günther Grau aus Leimbach vor laufender Kamera ein Interview. Er erzählt dem Verein "Wir und Jetzt" mit ansteckender Leidenschaft von seinem neuen Haus und dem großen Garten. Dem SÜDKURIER berichtet er ehrlich von seiner minimalen Pflanzerfahrung, von seiner Lust auf unbehandelte Leckereien und von der Selbstverständlichkeit dieses Entschlusses. "Meine Eltern waren Selbstversorger und ich erhoffe mir hier viele Tipps, damit wir nicht allzu viel Lehrgeld bezahlen müssen. Ich freu mich so drauf, das eigene Essen auf dem Tisch zu haben!" Großes Lob spricht er ebenfalls für die beiden Vorträge der Initiative über Saatgutgewinnung und Nutzpflanzenvielfalt aus. "Rappelvoll" sei es gewesen und "irre spannend."

Derweil trägt sich bei Nicolas Dostert ein neues Mitglied in die Liste ein. Auch er ist überaus zufrieden mit dem wachsenden Engagement. "Neu sind die Tauschgut-Tische in der Mitte" erklärte er. "15 Besucher haben ihr Vermehrtes in reicher Fülle mitgebracht und dort kann man sich gemütlich niedersetzen. " Der bisherige Erfolg lässt ihn planend in das neue Gartenjahr blicken. "Wenn wir noch einige neue Mitarbeiter für den Saatgutgarten gewinnen würden, könnten wir unser Augenmerk verstärkt auf Auslese und Haltungszüchtung richten. Diese Art von Arbeit kommt momentan noch zu kurz. Das nächste große Ziel ist, die Eigenschaften des Sortensortimentes besser kennen zu lernen."

Über die vielen jungen Familien, die den – momentan logistisch gerade noch ausreichenden – Gemeindesaal stürmen, freut sich Nicolas Dostert besonders. "Das ist der Nachwuchs, der von den Erfahrungen der Älteren profitiert!" Zum Nachwuchs zählt der emsige Noah Prievitzer, Kinderbeet-Besitzer und Feuerbohnen-Puler. Vier Jahre alt ist er und löffelt unermüdlich Bohnen in das Tütchen, das ihm Papa Daniel zureicht. "Ein Bienenvolk haben wir auch", verkündet er stolz. Ohne die Arbeit der anderen Mitglieder an diesem Tag schmälern zu wollen, muss man sagen: Der kleine Neufracher Gärtner macht bei dieser Veranstaltung die charmanteste Werbung für das kostbare Salemer Zukunftprojekt.

So sieht die Monstranzbohne aus.
So sieht die Monstranzbohne aus. | Bild: Angela Körner-Armbruster

Bohnen-Legende

100 Jahre alt ist die Legende einer ganz besonderen Bohne. 1918, am Ende des Ersten Weltkriegs, pflügte ein Bauer in Siebenbürgen sein Feld, als die Pferde grundlos bockten. Der Bauer machte einen Bogen und so blieben einige Stangenbohnen stehen. Als er im Herbst die Bohnen aus den Schoten pulte, staunte er. Deutlich sichtbar war – eine Monstranz mit Strahlenkranz! Er wertete dies als Fingerzeig, grub unter der Bohne ein Loch und fand die im Frühjahr aus der Kirche entwendete Monstranz.