Zwei frei laufende Hunde haben nach Angaben von Jagdpächter Herbert Rimmele jüngst im Neufracher Waldgebiet beim Fischerhaus ein trächtiges Reh gerissen. Die von vorbeikommenden Spaziergängern herbeigerufene Polizei verständigte Herbert Rimmele als zuständigen Jagdpächter.

Hunde sollten an die Leine

Beim Anblick des schlimm zugerichteten Tieres musste der erfahrene Jäger schwer schlucken. Die Verletzungen des Tieres waren laut Rimmele so gravierend, dass er es erlösen musste. Nun appelliert er an Hundebesitzer, auf ihre Hunde zu achten und möglichst anzuleinen oder sie ansonsten im Zwinger zu halten.

„Leinenpflicht besteht außerhalb des Ortes keine“, sagt Angela Nickl von der Salemer Gemeindeverwaltung. Allerdings dürften Hunde nur frei laufen, wenn sie zuverlässig auf Zuruf reagieren und der sie begleitende Besitzer auf sie einwirken kann. Die Amtsleiterin für Bürgerdienste erklärt, das sei im Paragraf 10 der Polizeiverordnung geregelt.

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„Wer dagegen verstößt und seinen Hund unbeaufsichtigt lässt, begeht eine Ordnungswidrigkeit“, sagt Hartmut Kohler, Kreisjägermeister der Badischen Jäger Überlingen. Das sei vielen Herrchen gar nicht klar, meint er. Wie Rimmele bezeichnet Kohler es als „leichtfertig“, wenn Hundebesitzer ihre Vierbeiner ohne Aufsicht umherstreunen lassen. „Wenn ein aufgescheuchtes Wildtier flüchtet, liegt es in der Natur des Hundes, ihm zu folgen“, erläutert Kohler. Auch wenn viele von ihm angesprochenen Hundehalter von der Ungefährlichkeit ihrer Haustiere überzeugt seien und steif und fest behaupteten: “Meiner macht so etwas nicht.“

Kreisjägermeister Hartmut Kohler.
Kreisjägermeister Hartmut Kohler. | Bild: Baur, Martin

Das Wild müsse dringend geschützt werden. Gerade unmittelbar vor der sogenannten Setzzeit, bevor die Ricken ihre Kitze im Mai gebären, brauchen sie nach Auffassung von Rimmele und Kohler besonderen Schutz. Die trächtigen Geißen seien nicht mehr so wendig und reagierten überempfindlich auf Stress. „Nach dem Setzen der Kitze hält sich die Geiß meist in der Nähe auf und ist dann ebenfalls sehr anfällig für Angriffe“, sagt der Kreisjägermeister. Daher empfiehlt er, Waldwege nicht zu verlassen und Hunde an der Leine zu führen.

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„Streng genommen kann ich zunächst gar nichts machen, wenn so etwas Schreckliches passiert“, sagt Rimmele mit Blick auf das kürzlich gerissene Reh. Er könne beobachten, fotografieren und Anzeige erstatten. Vielmehr bleibe ihm nach dem vor fünf Jahren verschärften Jagdgesetz nicht übrig.

So sieht die Regelung im neuen Jagdgesetz aus

Leider trete die Problematik wildernder Hunde nach Angaben von Kreisjägermeister Kohler immer wieder in der Region auf. Der Weidmann müsse nach dem neuen Jagdgesetz bei Hundewilderei „dem Hundeeigentümer entsprechen, versuchen den Hund einzufangen und ihn im Rathaus abgeben“.

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Vorher hätten Jäger auf Vierbeiner anlegen dürfen, wenn sie diese zum wiederholten Mal beim Jagen ertappt hatten. Nach neuem Gesetz sieht das anders aus. „Nur wenn ein Hund ständig jagt und keine andere Möglichkeit besteht, kann der Jagdpächter bei der Ortspolizei beantragen, den Hund zu erlegen“, sagt Kohler.

Jäger dürfen Tier von schweren Schmerzen erlösen

Gestattet sei es einem Jäger in Baden-Württemberg, ein verletztes Tier im eigenen Jagdrevier von schweren Schmerzen zu erlösen. Im Tierschutzgesetz werde das als Notfall gewertet. Herbert Rimmele als zuständiger Jagdpächter handelte nach diesem Recht, als er am Samstagmittag – von der Polizei gerufen – die halb tote Ricke tötete.

Geburt und Aufzucht von Rehkitzen

Zwischen Mai und Juni werden zumeist zwei Kitze geboren. Sie wiegen anfänglich je rund ein bis 1,5 Kilogramm. Ab der dritten Lebensstunde können sie stehen. Die weißen Punkte geben Auskunft über das Alter des Jungtiers. Bis zum Ende der ersten Lebenswoche sind die Flecken sehr hell, ab der vierten Woche verblassen sie allmählich. Ihre Mutter besucht sie anfänglich nur zum Säugen und um sie zu säubern, hält sich aber in ihrer Nähe auf. Die abgelegten Kitze drücken sich ins Gras, um von Feinden nicht gesehen zu werden, und bleiben bei Gefahr regungslos liegen. Nach etwa der zweiten Lebenswoche setzt dann der Fluchtinstinkt ein und die Rehkitze rennen bei drohender Gefahr davon.

Informationen im Internet: www.jagdverband.de
www.rehkitzrettung.de