Salem – Für den Salemer Bürgermeister Manfred Härle und die Gemeinderäte nimmt das neue Baugebiet im Teilort Neufrach eine Form an. Zumindest in der Theorie. In der jüngsten Gemeinderatssitzung sagte Härle: "Neufrach Ort beschäftigt uns jetzt seit vier Jahren. Wir hoffen, dass wir jetzt gut vorbereitet sind." Damit bezog sich der Bürgermeister auf die Arbeit von Stadtplaner Helmut Hornstein, der zahlreiche Einwände von Anwohnern der nahegelegenen Aachstraße und Markdorfer Straße sowie einiger Behörden in den Bebauungsplanentwurf "Neufrach Ort, fünfte Änderung 2018" eingearbeitet hatte.

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Hornstein stellte die Planung im Gemeinderat vor. Das Ratsgremium sprach sich schließlich bei einer Gegenstimme von Klaus Bäuerle (GOL) für den überarbeiteten Entwurf aus. Nun soll die Entwurfsplanung für eineinhalb Monate öffentlich ausgelegt werden.

Die wichtigsten Stellungnahmen

  • Private Einwände: Die Anwohner bemängeln, dass das Baugebiet mit vorgesehenen vier Mehrfamilienhäusern und 18 Einfamilienhäusern nur über eine einzige Straße erschlossen wird. Die Zufahrt, die gleichzeitig auch Abfahrt ist, soll zwischen den bestehenden Häusern Aachstraße 36 und 38 verlaufen. Auch monierten die Bürger den fehlenden Gehweg und die Tatsache, dass Rettungsfahrzeuge keinen Platz hätten. Eine alternative Zufahrt über die angrenzende Landesstraße wird gemäß Hornstein von Behördenseite nicht genehmigt. Die Planung ohne Gehweg sei eine moderne Herangehensweise: Die Straße sei leistungsfähig und lasse temporeduzierten Begegnungsverkehr zu. Das Gebiet sei mit Rettungswagen anfahrbar.
    Viele Anwohner kritisieren, dass die Ein- und Ausfahrt für das neu entstehende Wohngebiet zwischen den Häusern Aachstraße 36 und 38 verlaufen soll, und das ohne Gehweg.
    Viele Anwohner kritisieren, dass die Ein- und Ausfahrt für das neu entstehende Wohngebiet zwischen den Häusern Aachstraße 36 und 38 verlaufen soll, und das ohne Gehweg. | Bild: Martina Wolters
  • Lärmimmissionen: Das Bauareal sei aus Gründen starker Lärmimmissionen durch Bahn- und Straßenverkehr nicht zum Wohnen geeignet, hieß es in einem Einwand. Auch hielten die geplanten Mehrfamilienhäuser die vorgeschriebene Baugrenze von 20 Metern zur Landesstraße nicht ein. Dem Anwohner-Vorwurf setzte der Planer eine umfassende schalltechnische Untersuchung einschließlich Verkehrsuntersuchung entgegen. Ferner hätten Regierungspräsidium und Straßenbauamt einer Abstandsregelung von 15 Metern zugestimmt.
  • Baulinien: Fehlende verbindliche Baulinien könnten dazu führen, dass der Bauträger mehr als 36 Doppelhaushälften erstellen und Gebäude nach Gutdünken platzieren könne, so die Anwohnermeinung. Der Planer gab Entwarnung. Die Baugrenzen seien "auf der Grundlage des städtebaulichen Entwurfs festgesetzt" und ließen "nur geringfügige Abweichungen" zu.
  • Hochwasserschutz: Das Regierungspräsidium Tübingen wies darauf hin, dass der Bebauungsplan bei einem extremen Hochwasser betroffen sei. Es sollten entsprechende Regelungen zur Vermeidung von Hochwasserschäden ergriffen werden. Ein entsprechender Hinweis zu extremem Hochwasser (HQextrem) und zu hochwasserangepasster Bebauung soll wie der Link www.hochwasser.bw übernommen werden, erklärte der Planer.
  • Natur- und Landschaftsschutz: Insgesamt sind laut Landschaftsarchitekt Helmut Hornstein 18 Vogelarten auf dem 1,7 Hektar großen Baugebiet unterwegs. Daher sollen Obergeschossfenster der geplanten Bebauung zum Schutz vor Vogelschlag durch Sprossen untergliedert werden. Fensterglasflächen dürfen nicht größer sein als maximal eineinhalb Quadratmeter, sonst müssen sie entsprechend untergliedert werden oder es muss spezielles Glas verwendet werden.
  • Landwirtschaft: Das Landratsamt Bodenseekreis machte auf den Wert der betreffenden Ackerfläche aufmerksam auch angesichts von immer knapper werdenden Ackerlands. Es solle sparsam damit umgegangen werden.
  • Bahnverkehr: Auf Bitten der Deutschen Bahn sollen Beleuchtungsanlagen, Werbungen sowie Solaranlagen so zum Bahngelände angeordnet werden, dass Zugführer dadurch nicht geblendet werden.