So mancher Alltagsgegenstand, der nicht mehr funktioniert, wird oft allzu schnell weggeworfen. Das hat den Salemer Diplomingenieur Karl Werkmeister vor drei Jahren auf die Idee gebracht, in Markdorf ein Reparaturcafé ins Leben zu rufen. Dort wird einem geholfen, wenn der Fön seinen Dienst versagt oder die Heckenschere klemmt. Jetzt will der 67-Jährige auch in Salem ein Reparaturcafé auf die Beine stellen. Im Januar nächsten Jahres will er damit starten. Wer sich dafür interessiert, mitzumachen, erhält am kommenden Freitag, 8. Dezember, um 18 Uhr im Neufracher Pfarrheim alle notwendigen Informationen.

Karl Werkmeister ist just zu dem Zeitpunkt, als er 2013 in den Ruhestand gegangen ist, auf ein Buch von Wolfgang Heckl, dem Direktor des Deutschen Museums in München, gestoßen, in dem sich der Physikprofessor "Die Kultur der Reparatur", oder anders gesagt, unsere Wegwerfgesellschaft, vornimmt. Das war für Karl Werkmeister, der bis dahin Computer für die Raumfahrt entwickelt hat, fast wie eine Sternstunde, wie er künftig auch als Rentner noch sinnvoll seine freie Zeit und seine Fähigkeiten einsetzen könnte. Die Idee, ein Reparaturcafé aus der Taufe zu heben, war geboren. In Markdorf fand er die passenden Räumlichkeiten dafür und schnell auch 15 Helfer.

Jetzt haben sich – fast zufällig – auch in Salem die räumlichen Voraussetzungen für die Einrichtung eines Reparaturcafés aufgetan. Die katholische Kirchengemeinde Neufrach stellt dafür das Pfarrheim zur Verfügung. Und während hier immer am dritten Freitag im Monat, außer im August, von 14 bis 17 Uhr repariert wird, bewirtet das Gemeindeteam von St. Peter und Paul die Kunden mit Kaffee und Kuchen.

William Ruprecht, Karl Werkmeister, Rainer Conzelmann und Wolfgang Gleichauf vom Team des Markdorfer Reparatur-Cafés versuchen, gemeinsam mit Konrad Vogel und Dorothee Zeller (von links) Lautsprecher und einen alten Filmprojektor zu reparieren.
William Ruprecht, Karl Werkmeister, Rainer Conzelmann und Wolfgang Gleichauf vom Team des Markdorfer Reparatur-Cafés versuchen, gemeinsam mit Konrad Vogel und Dorothee Zeller (von links) Lautsprecher und einen alten Filmprojektor zu reparieren. | Bild: Stefanie Noßwitz

"Wir wollen keine Konkurrenz zum Handwerk sein", betont Karl Werkmeister. Nur wenn klar ist, dass sich eine Reparatur im einschlägigen Handwerk wegen der Kosten nicht mehr lohnt oder wenn es heißt, es gebe keine Ersatzteile mehr, dann fühlt sich das Reparaturcafé gefragt. "Und wir wollen vor allem auch Hilfe zur Selbsthilfe geben", sagt Karl Werkmeister. "Wir zeigen unseren Kunden, wie sie einen Defekt in Zukunft selbst beheben können." Oft liege der nur in der ungenügenden Pflege eines Geräts. Dann reiche oft schon ein Tropfen Öl oder ein ordentlicher Putzlappen, um ein streikendes Gerät wieder in Schwung zu bringen.

"Die Leute kommen aber auch häufig mit Gegenständen, die für sie einen hohen Erinnerungswert haben – mit alten Plattenspielern oder mit kranken Puppen aus der Kindheit", erzählt Karl Werkmeister. "Mit Dingen, für die es in Fachgeschäften keine Ersatzteile mehr gibt." Dann bedienen sich die Helfer des Reparaturcafés des Internets, suchen nach Reparaturanleitungen, aber auch nach Ersatzteilen. "Und wenn gar nichts zu gehen scheint, dann greifen wir mitunter auch zu unkonventionellen Methoden." Das Einverständnis des Kunden vorausgesetzt. Ganz kaputt sei auch nicht schlimmer als halbkaputt. "Häufig sind wir aber erfolgreich", sagt Karl Werkmeister. "Und dann freuen wir Helfer uns genauso wie unsere Kunden."

Die Erfolgserlebnisse und Kontakte zu Menschen halten die Reparaturhelfer bei der Stange. "Es gibt für unsere Helfer kein Muss, sie kommen, wenn sie Lust darauf haben", erläutert Karl Werkmeister die Struktur. "Wir arbeiten ehrenamtlich, und das muss Spaß machen." Ehrenamtlich heißt, dass den Kunden kein Entgelt abverlangt wird. Nur ein Sparschweinchen wartet darauf, dass es mit einem Obolus gefüttert wird. Mit dem so eingenommenen Geld werden Werkzeuge angeschafft, und wenn Überschüsse vorhanden sind, gehen sie an die Pfarrgemeinde. Für den Anfang werden noch Sponsoren gesucht. Sei es mittels Geldspenden oder gebrauchtem Handwerkszeug. Karl Werkmeister ist zuversichtlich, dass das Reparaturcafé auch in Salem schnell in Schwung kommen wird.

 

"Eine Spende darf es schon sein"

Karl Wekmeister, 67, hat ein Reparaturcafé in Markdorf etabliert und weitet die Aktivitäten nun in Salem aus.

Karl Werkmeister.
Karl Werkmeister. | Bild: privat

Was kann man zur Reparatur bringen?

Alles, was man unter dem Arm tragen kann. Die Helfer versuchen sich an Uhren genauso wie an Plattenspielern oder Puppen, an Garten- oder Haushaltsgeräten.

Was kostet eine Reparatur?

Nichts. Aber eine Spende darf es schon sein. Damit werde dann Werkzeuge und Kleinmaterial beschafft. Überschüsse gehen an die katholische Kirchengemeinde Neufrach, die die Räume zur Verfügung stellt.

Wer repariert?

Helfer, die von Berufs wegen Erfahrungen auf Spezialgebieten haben, oder einfach Leute, die nicht gerade zwei linke Hände haben.

Wann ist das Reparaturcafé geöffnet?

Ab Januar immer am dritten Freitag im Monat, außer im August, von 14 bis 17 Uhr.

Woher hat das Reparaturcafé entsprechendes Werkzeug?

Wir suchen nach Sponsoren, die uns Geld oder gebrauchte Werkzeuge spenden. Dringend benötigt besonders ein Werkzeugwagen.

Fragen: Peter Schober