Die Mittagessen am Bildungszentrum und an der Fritz-Baur-Grundschule waren Gegenstand einer Gemeinderatsdebatte. Beide Schulen werden bislang von der in Nordrhein-Westfalen ansässigen Catering-Firma „Apetito“ mit Gerichten versorgt. Zum 31. Juli dieses Jahres wurde der Vertrag mit dem Unternehmen, das ebenfalls den Kiosk am Bildungszentrum betreibt, gekündigt. Bereits für das Jahr 2017 war eine Neuausschreibung der Versorgung an den Schulen geplant gewesen. Für das kommende Schuljahr 2018/2019 soll diese nach personellen Veränderungen im Amt für Zentrale Dienste nun auch umgesetzt werden. Dies berichtete Zita Koch, die im Amt für Zentrale Dienste unter anderem für die Kindergärten und Schulen zuständig ist, in der Gemeinderatssitzung.

Dem umfangreichen Fachvortrag zur Situation in den Mensen war ein Antrag der Grünen offenen Liste (GOL) vorausgegangen, das Schulessen an den Bildungseinrichtungen baldmöglichst umzustellen. "Ziel ist es, einen regionalen Anbieter zu finden, der gutes und nachhaltig produziertes Essen anbieten kann. Im Idealfall mit ökologisch produzierten Lebensmitteln", hatte die Fraktion in ihrem dreiseitigen Antrag formuliert und darin nicht wenige Fragen rund um Zubereitungsmöglichkeiten und Weiteres an die Verwaltung aufgeworfen. Ralf Gagliardi (GOL) nahm Bezug auf Gespräche mit Lehrern und Schülern vom Bildungszentrum, für die die Situation nicht befriedigend sei. Die Menüs werden zu etwa 80 Prozent in der Produktion in Nordrhein-Westfalen gegart und dann auf 21 Grad Minus heruntergekühlt. In diesem Zustand werden die Essensportionen nach Salem geliefert und vor Ort fertig gegart.

Ralf Gagliardi kritisierte unter anderem den Anfahrtsweg aus 700 Kilometern Entfernung. "Es gibt so viele befriedigende Lösungen in Umlandgemeinden. Warum soll Salem das nicht hinkriegen?", sagte Gagliardi. Salat, Obst und Milchprodukte werden nach Angaben von Zita Koch mehrmals wöchentlich aus der Region bezogen. Für das Bildungszentrum existiert aktuell keine Befragung, wie zufrieden Schüler und Eltern mit den Mittagessen sind. In einer früheren Umfrage an der Fritz-Baur-Grundschule haben rund 70 Prozent der Kinder beziehungsweise Eltern angegeben, dass die Gerichte schmecken. Die Menge, das Aussehen und das Preis-Leistungsverhältnis seien von einer Mehrheit der Eltern als positiv bewertet worden, sagte Zita Koch. Eine Mehrheit der Erziehungsberechtigten hat sich der Umfrage zufolge für biologische und frisch gekochte Mahlzeiten ausgesprochen. Mehr als 4 Euro würden die Eltern für solch ein Wunschessen aber nicht bezahlen. Ein Essen am Bildungszentrum kostet derzeit je nach Menüwahl zwischen 3,20 und 3,80 Euro. Höhere Preise fallen für die Tellergerichte an. An der Fritz-Baur-Grundschule werden 3,50 Euro fällig. Der Zuschuss der Gemeinde liegt zwischen 1,43 und 1,60 Euro pro Essen. Die Catering-Firma „Apetito“ übernimmt am Bildungszentrum neben der Zubereitung beispielsweise auch die Ausgabe der Essen und die Reinigung der Küche. Die Bestellung läuft ebenfalls über das Unternehmen. Diese Aufgaben müsste bei einem regionalen Anbieter vermutlich die Gemeinde übernehmen, was mit nicht unerheblichen Mehrkosten verbunden wäre. Nach Berechnungen der Verwaltung müsste "mit einem Aufwand von zwölf bis 13 Euro pro Essen für die Gemeinde gerechnet werden".

Bei einem Preis von maximal 4 Euro pro Essen fiele ein großes finanzielles Defizit an, das durch Steuermittel ausgeglichen werden müsste. Dem Aufwand für die Verköstigung mit regionalen Lebensmitteln, eventuell nach Bio-Standard, steht das Interesse der Schüler gegenüber, das der Gemeinderat am Dienstagabend nur schwer definieren konnte. Ursula Hefler (FFW), ehemals Rektorin in Deggenhausertal, berichtete in der Sitzung, dass die Anmeldungen an der Grundschule nach einer Essensumstellung zurückgegangen waren. "Wir wollen Bio-Essen und am Ende wird es nicht gekauft? Dann ist es auch nicht richtig", sagte Hefler und forderte, dass die Kinder und Eltern mitentscheiden dürfen. Außerdem merkte sie an, dass die finanzielle Belastung für einige Eltern – gerade, wenn Essenspreise erhöht werden sollten – zu viel sei. Herbert Sorg, ebenso FFW, äußerte sich ähnlich wie Ursula Hefler: "Ich befürworte Qualität und Regionalität." Dennoch hat das Gemeinderatsmitglied Bedenken: Herbert Sorg hat schon öfter festgestellt, dass die Kinder und Jugendlichen in der Mittagspause zu den Discountern, Bäckereien und zu einem Döner-Laden pilgern.

Bettina Schappeler, Rektorin der Gemeinschaftsschule am Bildungszentrum, erklärte, dass gerade die älteren Schüler einen großen Freiheitsdrang hätten und nicht in der Mensa am Tisch sitzen wollten. Franz Jehle (CDU) sagte in der Sitzung angesichts der Tendenzen zu Salzigem und Süßem, die Kinder müssten schon im Unterricht dafür gewonnen werden, selbstständig gesund zu essen. Die Verwaltung schlug den Gemeinderäten schließlich vor, fachliche Unterstützung für alle Fragen bezüglich des Mensa-Betriebs in Anspruch zu nehmen: im Besonderen für die Erstellung des Leistungsverzeichnisses und die Ausführung der Ausschreibung. Die Honorarkosten dafür liegen bei circa 15 000 Euro. "Wir brauchen auf jeden Fall die professionelle Begleitung. Es wäre laienhaft, etwas aus unserer Warte hinein zu formulieren", sagte Bürgermeister Manfred Härle. Er sprach sich dafür aus, die Ausschreibung professionell vorzubereiten und sich dann darüber auszutauschen. Lehrer, Eltern und Schüler sollen in die Erstellung der Anforderungen mit einbezogen werden. "Vielleicht lässt sich eine Schülermitvertretung ins Boot holen", sagte Härle. Das sei besser, als im Gemeinderat Preise zu diskutieren. "Die, die es essen müssen, sollten mit entscheiden, was auf den Tisch kommt", sagte Ulrich König (FDP). Ferner sollte seiner Ansicht nach ein soziales Gleichgewicht existieren, "dass jeder sich ein Essen leisten kann". Den verschiedenen Ideen stimmte die GOL-Fraktion zu. "Es muss nicht unbedingt Sache des Gemeinderats sein", sagte Vorsitzende Petra Karg. Begleiten möchte die Grüne offene Liste den Prozess aber auf jeden Fall und hofft darauf, dass offene Fragen noch von einem Arbeitskreis beantwortet werden. Mit einer Enthaltung wurde beschlossen, eine Fachberatung in Anspruch zu nehmen und die Ausschreibungsunterlagen dem Gemeinderat vor der Veröffentlichung vorzulegen.

Ein Blick in dieNachbarschaft

Die anderen Grundschulen und Kindergärten in Salem werden vom Dorfgasthaus "Zum Löwen" in Leustetten beliefert. Das Essen wird gekocht und dann warmgehalten. In den Grundschulen kostet ein Mittagessen 3,70 Euro. Die Ausgabe übernimmt nach Angaben der Gemeindeverwaltung die Kernzeitbetreuung. In den Kindergärten fällt ein Betrag von 3 Euro je Essen an, der über die Kindergartengebühr abgerechnet wird. Die Überlinger Kindergärten und Schulen werden von der Firma K5 Catering versorgt, die ihren Sitz in Neufrach hat. Mehrere Hundert Essen werden täglich ausgeliefert. Kalkuliert wird mit rund 5 Euro pro Essen. Abzuziehen ist ein Zuschuss, den die Stadt Überlingen pro Essen gewährt. 2016 beschloss der Ausschuss für Bildung und Kultur einen Zuschuss von 95 Cent. Die GOL-Fraktion hat in ihrem Antrag als Beispiel die Gemeinde Deggenhausertal angeführt. Dort besteht das Schul- und Kindergartenessen seit 2017 aus Bio-Kost. Das Gasthaus "Zum Sternen" in Obersiggingen hatte seinen Betrieb zum März auf Bio umgestellt. Der Gemeinderat entschied sich dazu, dass das Gasthaus die Bildungseinrichtungen in Deggenhausertal weiterhin beliefert. Die Umstellung auf Bio war mit einer Preiserhöhung verbunden. (san)

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