Umwelt-, Klima- und Artenkrise sind in aller Munde. Manch einer fragt sich, was er persönlich zum Schutz von Natur und Umwelt beitragen kann. „Auto statt Fahrrad“ ist für die Wahl-Salemerin Sigrid Hansen ein wichtiger Schritt dahin. Die Unternehmerin erledigt „alles, was machbar ist“ auf zwei Rädern. Für den SÜDKURIER will sie Tagebuch führen und über ihren Alltag mit dem Rad berichten. Dabei nimmt sie auch Radwege und Verkehr vor Ort in Augenschein. Vorab erzählt sie von sich und davon, was das Radfahren für sie bedeutet.

Langeweile kennt die gebürtige Stuttgarterin nicht. Seit sie den Komethof im Salemer Ortsteil gekauft hat und instand setzen ließ, hält sie das Anwesen und das zugehörige 2500 Quadratmeter große Grundstück in Schuss. Auch wenn ihr eine Haushälterin zur Seite steht, bleibt noch genug zu tun. Während die 67-Jährige erzählt, steht sie mit einer Schüssel in ihrem großen Gemüsegarten.

Mit ihrem zehn Jahre alten Drahtesel radelt Sigrid Hansen wöchentlich zum Salemer Familientreff, um Kindern bei ihren Hausaufgaben zu helfen.
Mit ihrem zehn Jahre alten Drahtesel radelt Sigrid Hansen wöchentlich zum Salemer Familientreff, um Kindern bei ihren Hausaufgaben zu helfen. | Bild: Martina Wolters

Inmitten von Beeren, Kartoffeln, Sellerie, Salat und Tomaten erntet sie Gemüse für das Abendbrot mit Gästen – einer Gruppe aus Frankreich. Die Betten für die Austauschschüler sind schon gerichtet. Die Mutter dreier erwachsener Kinder lädt gerne Verwandte und Freunde zu sich ein. Neben Haus und Garten ist die gelernte Bankkauffrau unter anderem noch an einem Ferienwohnprojekt im Heimatort ihres Vaters, im ostsächsichen Eibau beteiligt. Wie in Salem und in ihrem früheren Wohnort Fellbach ermöglicht ihr ein dort deponiertes Rad, Bekannte zu besuchen oder einzukaufen.

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In Salem radelt sie beispielsweise zu ihrem Ehrenamt beim Familientreff Grenzenlos. Da unterstützt sie jeweils am Montagnachmittag Kinder bei ihren Hausaufgaben. Sie übt mit ihnen Rechnen, Schreiben oder hört Englischvokabeln ab. Für die Stiftung „Wellcome“ hilft Hansen einmal wöchentlich einer fünfköpfigen Oberteuringer Familie mit einem Neugeborenen. Sie geht mit den größeren Kindern spazieren, damit sich die junge Mama mal ganz auf sich und ihr Baby konzentrieren kann. Hansen ist auch regelmäßig beim Nähstübchen des Familientreffs im Deggenhausertal dabei.

Bei der Reparatur setzt sie auf den Fahrradhändler

Handarbeiten gehört zu ihren Hobbys, ebenso Kochen und Backen. Auf die Frage, ob sie auch Fahrräder reparieren kann, schüttelt die Seniorin den Kopf. Häkeln, Stricken und Sticken seien kein Problem. Aber „etwas so ganz Feinmotoriges“ liege ihr nicht. Da verlässt sie sich auf den Fahrradhändler am Ort. Bei ihm hat sie auch ihren Drahtesel gekauft, als sie sich vor zehn Jahren entschied, Salemerin zu werden.

Über die ehrenamtlichen Tätigkeiten sowie ihr Mittun bei Sportverein, Offenem Frauentreff und Kirchenchor hat sie schnell Fuß gefasst. Es ist für sie selbstverständlich zur Chorprobe zu radeln auch, wenn die zwischenzeitlich in Leutkirch stattfindet. Die Versuchung, ins Auto zu steigen, sei groß, gibt Hansen zu. „Ich weiß, ich will gesund bleiben und ökologisch positiv unterwegs sein“, begründet sie ihre Disziplin. Sie wolle „mit gutem Beispiel vorangehen“.

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Gleichzeitig betont die passionierte Radlerin, dass ihr das Radfahren immer schon viel Spaß gemacht hat. „Es ist einfach gut für die Seele, draußen in der Natur zu sein.“ Sie ist überzeugt, „ohne die Freude an der Sache würde ich trotz gesundheitlicher und politischer Argumente nicht schon mehr als 30 Jahre in die Pedale treten“.