Was macht die Faszination am Boxen aus? "Es ist eine Sucht, wenn man damit angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören", sagt Thomas Schuler. Er ist seit 1990 Cheftrainer beim Boxteam Langenargen. Einer seiner Schützlinge ist Melike Meddur. Auch sie ist vom Boxvirus befallen. "Ich habe mich schon mit 14 Jahren für das Boxen interessiert", erzählt sie. Aber erst vier Jahre später sollte die Salemerin mit dem Boxsport anfangen. Seit zehn Jahren boxt sie nun mit Schuler als Trainer. Außer dem Boxsport verbindet beide noch ihr Beruf. Beide sind Polizisten. Schuler ist Hauptkommissar, Meddur Polizeiobermeisterin.

Polizeiobermeisterin Melike Meddur boxt seit zehn Jahren im Boxteam Langenargen, wo ihr Kollege, Hauptkommissar Thomas Schuler, Cheftrainer ist.
Polizeiobermeisterin Melike Meddur boxt seit zehn Jahren im Boxteam Langenargen, wo ihr Kollege, Hauptkommissar Thomas Schuler, Cheftrainer ist. | Bild: Mardiros Tavit

Es scheint so, als ob Meddur als boxende Polizistin ihre Berufung gefunden hätte. "Traumberuf Polizei", sagt sie knapp zu ihrer Berufswahl. "Ich bin ein Gerechtigkeitsmensch. Es musste das Militär oder die Polizei sein." Mit der Bewerbung bei der Polizei hat es sofort geklappt. 2010 hat sie die Ausbildung angefangen. Doch sie hat in der Zwischenzeit nicht nur als Polizistin Karriere gemacht, sondern auch als Sportlerin.

Ihr Kollege Robert Weissenberg hatte sie auf die Weltsportspiele der Polizeien und Feuerwehren hingewiesen, eine Art berufsbezogene Olympische Spiele. Weissenberg selbst ist Bogenschütze, holte bei den Spielen zweimal Silber und einmal Bronze und ist zudem mehrfacher Polizei-Weltmeister in seiner Sportart. "Von diesen Spielen hatte ich bis dahin noch nie etwas gehört", sagt Meddur. Sie war gleich Feuer und Flamme. "Ich wollte dabei sein, und meine Kollegen haben es mir ermöglicht", ist sie heute dankbar. Auch wenn sie nicht wusste, ob am Ende mit der Organisation alles klappt, trainierte sie viermal die Woche. Ihre Dienstpläne wurden so gestaltet, dass sie Beruf und Training unter einen Hut bringen konnte.

Melike Meddur fühlt sich sehr wohl inmitten des Boxteams Langenargen.
Melike fühlt sich sehr wohl inmitten des Boxteams Langenargen. | Bild: Mardiros Tavit

Im August 2017 ging es tatsächlich nach Los Angeles. Dort trafen sich 16 000 Polizisten, Feuerwehrleute, Zoll- und Justizvollzugsbeamte aus aller Welt. Die deutsche Mannschaft bestand aus 30 Teilnehmern, darunter zehn Frauen. Ein Mini-Team im Vergleich zu Indien mit über 200 und den Gastgebern mit über 400 Teilnehmern. Meddur boxte sich bis in Finale, verlor dort aber gegen die Polizistin Natalie Binstead aus Großbritannien. Genauso wichtig wie das Edelmetall war ihr die Atmosphäre der Spiele. "2021 finden die Spiele in Rottenburg in den Niederlanden statt, da möchte ich unbedingt wieder dabei sein", sagt sie. Bis dahin wird sie weiterhin dreimal die Woche trainieren. Ihre Medaillensammlung wird aber nur langsam anwachsen, denn ihr fehlen die Gegnerinnen. "Bis in die 60-Kilogramm-Klasse gibt es genug Boxerinnen, danach wird es knapp", bedauert Meddur. Sie kämpft sowohl in der 64- bis 69- wie auch in der 69- bis 75-Kilogramm-Klasse. "In ganz Baden-Württemberg gibt es vielleicht eine Boxerin in der gleichen Klasse", weiß Trainer Schuler. Auch zu dem Wettkampf im Rahmen des Internationalen Bodenseecups in zehn Tagen gegen eine schweizerische Mannschaft kann sie das Geschehen nur außerhalb des Rings beobachten: Auch in der Schweiz fand sich keine Gegnerin in ihrer Klasse.

Melike Meddur mit ihrer Sparingpartnerin Jacqueline Brugger vom Boxteam Langenargen.
Melike Meddur mit ihrer Sparingpartnerin Jacqueline Brugger vom Boxteam Langenargen. | Bild: Mardiros Tavit

Zur Person

MelikeMeddur, 30, ist Polizeiobermeisterin und Boxerin. Die Salemerin trainierte zunächst beim VfB Friedrichshafen und wechselte 20-jährig zum Boxteam Langenargen. Sie kämpft in den beiden Gewichtsklassen 64 bis 69 Kilogramm und 69 bis 75 Kilogramm. Melike Meddur ist zweifache baden-württembergische Vizemeisterin und dreifache Meisterin. Auf süddeutscher Ebene erboxte sie sich zweimal Silber. Vergangenes Jahr konnte sie an keinen Meisterschaftskämpfen teilnehmen, ihr fehlten die Gegnerinnen. In Los Angeles boxte sie sich ins Finale der Weltsportspiele der Polizeien und Feuerwehren.