Gut neun Tonnen schwer und zehn Meter lang ist der schwarze Baumstamm, der an der Einfahrt zum Pilzhof Steidle in Grasbeuren ausgestellt liegt. An seiner breitesten Stelle hat er einen Durchmesser von 1,30 Meter. Das Besondere an ihm aber ist sein Alter, denn es handelt sich um eine Mooreiche. Sie ist etwa 3000 Jahre alt, eventuell auch noch älter. Es ist nicht die erste Mooreiche, die Hofeigentümer Rudi Steidle entdeckt hat. Schon vor etwa 20 Jahren fand er auf seinen Wiesen solche uralten Stämme. Er ließ sie beim Landsamt für Denkmalpflege in Hemmenhofen dendrochronologisch untersuchen. Die Untersuchungen ergaben, dass die Mooreichen im Zeitraum von 1175 bis 1016 vor Christus in Grasbeuren standen.

Anhand dieser Daten und der vergleichbaren Schwarzfärbung kann Steidle das Alter seines letzten Fundes beziffern. Untersucht wurde der erst im Herbst gefundene neue Riesenstamm noch nicht. Die früher gefundenen Stämme waren wesentlich schmaler, hatten nur einen Durchmesser von etwa 30, 40 Zentimetern. Anhand dessen wurde errechnet, dass sie etwa 170 Jahre gewachsen sind. Es wird davon ausgegangen, dass die Jahresringe der Eichen zwei bis drei Millimeter im Jahr wachsen. Bezogen auf den neuen Fund heißt das, dass der Stamm etwa 500 Jahre gewachsen war, bevor er abstarb und im Boden versank.

Lehm und Sand prägen die Wiesen Steidles an der Aach. Sie werden als Schwemmland bezeichnet. Das ursprünglich helle Eichenholz verfärbt sich dunkel, wenn es luftdicht abgeschlossen unter der Erde liegt. Dabei dauert die Schwarzfärbung im Sand länger als im Moor, erklärt Steidle. Das Holz nimmt die Mineralien des Bodens auf, insbesondere Eisensalz, und verändert dadurch seine Strukturen. Nach diesem chemischen Prozess wird aus der ursprünglichen Eiche die sogenannte Mooreiche. Charakteristisch für die Mooreiche ist die Härte des Holzes.

Diese Eigenschaft schätzt Steidle ganz besonders, denn neben der Bewirtschaftung seines Hofes ist er Hobbykünstler. Er baut Tische und Regale, drechselt aber auch Vasen oder Dekorationsstücke. "Das Holz der Mooreiche ist so hart, dass es beim Drechseln Funken schlagen kann", beschreibt er. Die besonderen Strukturen des uralten Holzes faszinieren ihn. "Ich will die Strukturen nicht durch Absägen verändern." Er zeigt zur Verdeutlichung auf einen von ihm geschaffenen Spiegelrahmen, dessen natürlich gewachsene Enden spitz zusammenlaufen und brüchig, fast faserig aussehen. Doch die Optik täuscht: Die morsch wirkenden Enden können nicht abgebrochen werden. "Holz fasziniert mich, wenn man auf Anhieb das Alter sieht", beschreibt er seine Passion. Astlöcher und Unregelmäßigkeiten machen für ihn den ideellen Wert aus.

Schon vor etwa 40 Jahren, als er mit den Holzarbeiten begann, wurde er auf diese Qualitäten der speziellen Holzart aufmerksam und hielt die Augen offen, wo man Mooreichen kaufen oder finden kann. Dieses Wissen kam ihn auf dem eigenen Grundstück zugute, denn der Laie denkt beim Anblick des schwarzen Holzes an verbrannte Holzscheite vom Lagerfeuer. "Die Leute haben keine Ahnung und auch kein Interesse", bedauert Rudi Steidle. Er erzählt, dass viele Menschen an seinem ausgestellten Riesenbaumstamm anhalten, um zu fragen, ob es hier gebrannt habe. Wenn Rudi Steidle dann erklärt, um welch alte Besonderheit es sich bei der Mooreiche handelt, können die Menschen es zumeist nicht würdigen, dass sie eine Seltenheit der Natur vor sich sehen.

Die Untersuchung

Dendrochronologie ist eine Datierungsmethode der Geowissenschaft oder Archäologie. Anhand der Jahresringe wird dabei untersucht, wie alt ein Baum ist. Breite Ringe sprechen für gute Wachstumsbedingungen, schmale Ringe für schlechte Bedingungen. Mit Hohlbohrern werden Bohrkerne als Holzproben entnommen und analysiert. Mithilfe von Jahresringtabellen lässt sich jedem Jahresring des Jahr der Entstehung zuordnen.