Jutta Maria Patzel ist selbst langjähriges Mitglied im Linzgau-Literaturverein (Lilive). Bei der jüngsten Lilive-Lesung im Salemer Fachwerk 11 las sie aus ihrem neuen Buch „Das Märchen vom kleinen So“. Obwohl der Titel schon die Literaturgattung verrät, handelt es sich laut der Vereinsvorsitzenden Dodo Wartmann um eine ganz besondere Märchengeschichte. Sie vereine Charakteristika von französischen und keltischen Märchen sowie die einer Novelle. „Von dem deutschen Hausmärchen hat es gar nichts“, sagte Wartmann zur Einführung in Patzels Märchenbuch. Wie es sich für eine Märchengeschichte gehört, gibt es für Patzels Hauptfigur Krisen zu bewältigen, Prüfungen zu bestehen und schließlich muss sie sich bewähren. Ziggy Knoepfler begleitete die Lesung mit keltischen Zitherklängen.

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Zum Inhalt: Nach dem Tod von Mutter und Vater entflieht das kleine So seinem Elternhaus. Auf seinem Weg begegnet es sprechenden Tieren und einem hilfreichen, kahlen Baum. Jede einzelne Begegnung wirkt wie eine Kurz­episode in sich. Zunächst scheint die Situation des Kindes düster: „Vor lauter Unglück versiegten ihm die Tränen.“ Doch immer wieder findet So Zuflucht, zum Beispiel bei einer Bärenfamilie oder bei der Großmutter. Freunde wie ein blauer Falter begleiten das Kind.

Dem Märchenprinzip entsprechend, lässt Patzel das Mädchen So gegen eine böse Macht kämpfen. Den entscheidenden Hinweis über den „Ritter im eisernen Harnisch“ bekommt es im Großmutterhaus. Beigaben für die entscheidende Begegnung mit dem Bösewicht sind in Bildern festgehalten.

Autorin: Fällt nicht leicht, Figuren loszulassen

Zwar gab es nur Kostproben der 156 Seiten langen Märchenerzählung. Doch die Autorin erzählte frei von den fehlenden Stellen und schmückt sie weiter aus. „Es fällt mir gar nicht so leicht, meine Figuren jetzt loszulassen“, sagte Patzel zum Ergebnis ihrer dreijährigen Arbeit. Schon seit ihrer Kindheit habe sie sie gerne Märchen gelesen. „Ich habe die Sprache quasi verinnerlicht“, meinte sie. Was ihr besonders gefällt am Märchenschreiben? „Ich muss mich nicht streng an die Wirklichkeit halten.“

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Die Witwe des früheren Überlinger Oberbürgermeisters Klaus Patzel erzählte, dass ihr Sohn Nikola und ihr Enkel Tilman sie bei ihrem Buchvorhaben unterstützt hätten. Um das Layout habe sich ihre Schwiegertochter Sabine Mayer-Patzel gekümmert.

Patzel hat Französisch und Deutsch studiert. Ihr 2010 erschienenes „Märchen vom verborgenen Herz des Baumes“ wurde von der Zentral- und Landesbibliothek Berlin in die Auswahlbibliographie „Mit 1000 Märchen um die Welt“ aufgenommen.

Die nächste Lilive-Lesung findet am Sonntag, 20. Oktober, im Altem Schulhaus in Leustetten statt. Es liest Autorin Ellen Dora.

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