Jemand erscheint plötzlich nicht bei seiner Arbeitsstelle oder kehrt, wie im aktuell aufgeklärten Fall eines vermissten Salemers, von einem Spaziergang nicht mehr nach Hause zurück. Der Mann galt seit fast drei Jahren als vermisst, bevor sein Skelett im Pfrungener Ried gefunden und Ende Februar identifiziert werden konnte.

Das könnte Sie auch interessieren

43 Personen waren am 28. Februar im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Konstanz als vermisst ausgeschrieben. Bei der Angabe handelt es sich um eine Momentaufnahme aus Fahndungsnotierungen, eine polizeiliche Vermisstenstatistik gibt es nach Auskunft des Pressesprechers des Polizeipräsidiums Markus Sauter nicht. Täglich ergeben sich Sauters Auskunft nach Änderungen, weil beispielsweise Zurückgekehrte oder Aufgefundene gelöscht werden oder Fahndungsnotierungen neu dazu kommen.

Vermisster kommt ins Fahndungssystem

Mit der Aufnahme einer Vermisstenanzeige – sie kann bei jeder Polizeidienststelle erfolgen – gelangt diese auch in das polizeiliche Fahndungssystem. Auf diese Weise wird es möglich, dass ein Polizeibeamter zum Beispiel bei der Kontrolle eines Jugendlichen feststellen kann, ob dieser vermisst wird. „Minderjährige gelten in jedem Fall als vermisst, wenn sie ihren gewohnten Lebensbereich verlassen haben und ihr Aufenthalt unbekannt ist“, erklärt Sauter. Bei einem geistig und körperlich gesunden Erwachsenen, der seinen Aufenthalt laut Gesetz selbst bestimmen darf, müssen bestimmte Gefahren bestehen, ehe aktiv nach ihm gesucht wird. Ist der Vermisste suizidgefährdet, dement, benötigt lebensnotwendige Medikamente oder wird bei Minusgraden in einem Waldgebiet vermisst, greift auch hier die polizeiliche Sucharbeit. Dann wird sofort gefahndet und nicht erst nach 24 Stunden, wie in manchen TV-Krimis fälschlicherweise zu hören ist.

Bei akuter Gefahr beginnt Suche sofort

Immer wieder kommen groß angelegte Suchaktionen mittels Hubschrauber und Personenspürhunden vor. So auch im Fall des mittlerweile gefundenen Salemers. 2016 war eine mehrtägige Suche nach dem Mann im Pfrunger-Burgweiler Ried erfolglos geblieben. Erst jetzt, fast drei Jahre später, hatte ein Landwirt die menschlichen Überreste in einem kleinen Birkenwald nahe des ursprünglichen Suchgebiets entdeckt. Fremdeinwirken oder Verdacht auf Unglücksfall habe nach derzeitigem Ermittlungsstand nicht vorgelegen, so der Polizeisprecher.

Ungeklärte Fälle kommen nicht zu den Akten

Wird ein Gesuchter nicht gefunden, kommt dessen Fall nicht zu den Akten, sondern wird weiter bearbeitet. „Ergeben sich neue Ermittlungsansätze wird denen natürlich nachgegangen“, sagt Sauter. Nach Erfahrung des Stabstellenleiters Öffentlichkeitsarbeit des Polizeipräsidiums ist es vor allem die Ungewissheit, die zurückbleibenden Ehepartner, Eltern und Geschwistern zusetzt. Was ist der geliebten Person zugestoßen, wo hält sie sich auf? Das treibe die Angehörigen um. Bei Bedarf werden die Angehörigen deshalb an entsprechende Hilfeeinrichtungen verwiesen. Zusätzlich besteht in der Regel ein direkter Kontakt zu den zuständigen Polizeibeamten.

Todeserklärung erfolgt durch ein Amtsgericht

Wann ein Vermisster für tot erklärt werden kann, ist nach Angaben Sauters unterschiedlich und ergibt sich aus dem Verschollenheitsgesetz. Eine Todeserklärung selbst erfolgt nach einem Antrag über das zuständige Amtsgericht.

Wann wird Person für tot erklärt?

Geregelt wird das Vorgehen und Verfahren, um eine Person für tot erklären zu lassen, im Verschollenheitsgesetz.

  • Ein Antrag auf eine sogenannte Todeserklärung für einen Verschollenen muss beim zuständigen Amtsgericht eingereicht werden. Berechtigt sind neben dem zuständigen Staatsanwalt vor allem Angehörige wie Eltern, Ehepartner oder Kinder. Nicht Verschollen ist nach dem Gesetz, wessen Tod nach den Umständen nicht zweifelhaft ist.
  • Es ist möglich, einen Verschollenen zehn Jahre nach seinem Verschwinden ohne Nachricht von ihm für tot erklären zu lassen, bei einem Achtzigjährigen besteht eine Fünf-Jahresfrist.
  • Es gibt aber auch spezielle Regelungen in den Paragrafen 4 bis 6 des Verschollenheitsgesetzes für bestimmte Ereignisse. Wird beispielsweise ein Luftfahrzeug zerstört, wie durch einen Flugzeugabsturz, kann die Frist auf drei Monate sinken. Bei verschollenen Seereisenden, insbesondere bei Untergang eines Schiffes, gilt eine Frist von sechs Monaten. Verschwundene unter 25 Jahren dürfen laut Gesetz nur bei Unfällen für tot erklärt werden.
  • Die Feststellung der Todeszeit wird in den Paragrafen 39 bis 45 geregelt.

Mehr Informationen zum Verschollenheitsgesetz gibt es auf den Internetseiten des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz:
http://www.gesetze-im-internet.de/verschg/