Über die Einrichtung eines innerörtlichen Nahverkehrsangebots wird in Salem schon seit etlichen Jahren gesprochen. Denn die peripheren Teilorte der Gemeinde sind, was öffentliche Personenbeförderung angeht, im Hintertreffen. Am meisten von diesem Defizit betroffen sind ältere Menschen, Jugendliche und Familien, denen kein Auto, oder zumindest tagsüber nicht, zur Verfügung steht. Der im September 2018 aus den Reihen des Gemeinderats gegründete beratende Nahverkehrsausschuss, hat nun aufs Tempo gedrückt, hat verschiedene Modelle unter die Lupe genommen und bewertet und jetzt dem Gemeinderat die Einrichtung eines Bürgerbusses empfohlen.

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Alternative mit Bodo zu unflexibel

Eine Alternative zum Bürgerbus wäre ein zusätzliches Angebot des Verkehrsverbundes Bodensee-Oberschwaben (Bodo) gewesen, das vom Kreis gefördert wird. Dabei handelt es, wie Ulrich König vom Nahverkehrsausschuss erklärte, um ein, mit dem Bürgerbus verglichen, relativ unflexibles System. "Damit können keine individuellen Wünsche realisiert werden", meinte König. Zudem sei nicht sicher, wie lange der Landkreis die Förderung des Bodo-Modells aufrechterhalte. Einen weiteren Nachteil sah König in den Fahrgastpreisen. Pro Fahrschein seien 2,30 Euro zu entrichten.

Kosten von 100 000 Euro jährlich

Die Nutzung des Bürgerbusses hingegen soll kostenlos sein, denn er soll von einem Förderverein mit ehrenamtlichen Fahrern betrieben werden. Die Gemeinde stellt das oder die Fahrzeuge zur Verfügung. Die Kosten, die die Gemeinde zu tragen hätte, bezifferte König mit etwa 100 000 Euro jährlich. Das sei ein überschaubarer Betrag, meinte König, und die Gemeinde müsse sich nicht wie beim Bodo-Modell an langfristige Verträge binden. Falls das Bürgerbus-Angebot nicht angenommen würde, könne die Gemeinde unkompliziert wieder aussteigen. Genauso könne man aber das Angebot bei entsprechender Inanspruchnahme auch ausbauen. Bei der Ausarbeitung des Konzeptes hat der Ausschuss Unterstützung von Ingo Kitzmann aus Uhldingen-Mühlhofen, der schon in verschiedenen Gemeinden an der Entwicklung eines Bürgerbus-Systems beteiligt war.

Teilnahme von Meersburg ein Gewinn

Bürgermeister Manfred Härle möchte versuchen, auch umliegende Gemeinden ins Boot zu holen, um möglichst ein interkommunales Bürgerbusangebot auf die Beine zu bekommen. Das würde sowohl die Reichweite und Flexibilität erhöhen. Deshalb habe er mit seinen Amtskollegen aus Heiligenberg, Frickingen und Uhldingen-Mühlhofen angesprochen. Nach Angaben von König denke man auch in Meersburg über einen Bürgerbus nach. Da die Teilorte Baitenhausen und Schiggendorf direkt an Salem grenzen, wäre es seiner Ansicht nach ein Gewinn, wenn auch die Burgenstadt eingebunden werden könnte.

Das Bürgerbus-Konzept

  • Wer betreibt den Bürgerbus?
    Die Betriebsführung obliegt der Gemeinde. Sie wird aber unterstützt durch einen Förderverein. Dieser wirbt um ehrenamtliche Fahrer und Disponenten. Sie erhalten eine Aufwandsentschädigung. Finanzieren soll sich der Förderverein über Mitgliedsbeiträge und Spenden.
  • Wo fährt der Bürgerbus?
    Er steuert alle Teilorte an. In der Gemeinde werden flächendeckend Haltestellen eingerichtet. Aber für Menschen mit eingeschränkter körperlicher Mobilität soll es auch einen Tür-zu-Tür-Service geben. Das heißt, sie können vor ihrer Haustür einsteigen und dort aussteigen, wo sie hin möchten und umgekehrt.
  • Wann verkehrt der Bürgerbus?
    Von morgens 5.30 Uhr (für Zugpendler) bis abends um 20 Uhr. Zunächst ist der Einsatz des Bürgerbusses an drei Tagen in der Woche vorgesehen.
  • Wie bucht man den Bürgerbus?
    Entweder über eine App des Softwareentwicklers SAP oder per Telefon über das Rathaus. Buchungen müssen spätestens zwei Stunden vor Fahrtantritt erfolgen.
  • Was kostet die Nutzung des Bürgerbusses?
    Vorgesehen ist eine unentgeltiche Nutzung. Man kann aber einen Obulus in das im Bus angebrachte Spendenkässchen werfen.