Vor der Prälatur von Schloss Salem flattert die badische Flagge im Wind. Im Inneren des Gebäudes leiten Männer und Frauen in den für die Region typischen Trachten den Weg hoch in den Kaisersaal. Das Haus Baden hat zu einem Festakt anlässlich 200 Jahren erste badische Verfassung geladen. Unterzeichnet wurde die Verfassung 1818 in Bad Griesbach. Im Beisein zahlreicher Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Religion wird diesem Ereignis auf Schloss Salem gedacht. Bernhard Erbprinz von Baden bezeichnet den Jahrestag in seiner Festrede als "bedeutenden Tag für seine Familie".

Bild: Hanspeter Walter

Sein Vorfahre Großherzog Karl erließ die Verfassung 1818 auf dem Boden der damals gültigen Ordnung. Die Verfassung gewährte den Bürgern erste Eigentums- und Freiheitsrechte. Eine Revolution wie in Frankreich war dem Erlass nicht vorangegangen. Klar ist, dass Verfassungen damals dem Zeitgeist entsprachen. Die Badener waren trotzdem früh dran. 100 Jahre später hielt Prinz Bernhards Urgroßvater Max die Festrede zum 100-jährigen Geburtstag der Verfassung – kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs im Jahr 1918, im Angesicht Millionen verlorener Menschenleben und in politischer Unruhe.

Bernhard Erbprinz von Baden spricht über die Verfassung und seine Familie.
Bernhard Erbprinz von Baden spricht über die Verfassung und seine Familie. | Bild: People Picture/Willi Schneider

2018 steht nun Bernhard Erbprinz von Baden am Rednerpult. Er erinnert an das Vergangene: "Mein Blick ist und war ein persönlicher und familiärer." Das Publikum – darunter seine Eltern Valerie Markgräfin und Max Markgraf von Baden, seine Frau Prinzessin Stephanie, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Andreas Voßkuhle und der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel – lauscht seinen Worten über die Atmosphäre in Baden, die schon vor der Verfassung Freiheit atmete.

Klaus Hoher (MdL), Lothar Riebsamen (MdB), Bernhard Erbprinz von Baden und seine Frau Prinzessin Stephanie, Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Valerie Markgräfin und Max Markgraf von Baden sowie Ministerpräsident a.D. Erwin Teufel (von links) feiern 200 Jahre erste badische Verfassung.
Klaus Hoher (MdL), Lothar Riebsamen (MdB), Bernhard Erbprinz von Baden und seine Frau Prinzessin Stephanie, Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Valerie Markgräfin und Max Markgraf von Baden sowie Ministerpräsident a.D. Erwin Teufel (von links) feiern 200 Jahre erste badische Verfassung. | Bild: People Picture/Willi Schneider

Nur 100 Jahre nach der Unterzeichnung brach das Kaiserreich zusammen, womit die Monarchie und die Paragrafen ihre Bedeutung verloren. Für das Haus Baden ist der 200. Jahrestag trotzdem ein Festtag. Prinz Bernhard sieht die erste badische Verfassung als wichtigen Bestandteil der Landes- und nicht zuletzt der Verfassungsgeschichte. "Eigenthum und persönliche Freyheit der Badener stehen für alle auf gleiche Weise unter dem Schutze der Verfassung", heißt es in Paragraf 13. Der Erbprinz zieht in seiner Festrede Verbindungslinien zwischen Freiheit, persönlicher Entfaltung und Eigentum. Zudem habe die Verfassung einen elementaren Beitrag zum bürgerlichen Gemeinwesen geleistet. Er spricht von einem Verantwortungsethos, der für ihn auch noch heute Gültigkeit hat. Vor allem angesichts dessen, dass die Bundesrepublik kommendes Jahr 70 Jahre Grundgesetz und über sieben Jahrzehnte Frieden feiern kann, so der Prinz.

Auch Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichts, blickt zurück und voraus: "Baden war ein Experiment geworden, das in die Welt getragen wurde." Gesandte hätten den Versammlungen im Ständehaus (Parlamentsgebäude) beigewohnt. Die Badener seien oft erfolgreich für die Durchsetzung und Erweiterung ihrer Rechte eingetreten, erklärt der Rechtswissenschaftler. Die Einrichtung des Verwaltungsgerichtshofes (VGH) sei eine Revolution gewesen. "Grundrechte sind nicht die Hälfte wert, wenn es keine Instanz gibt", die ihre Einhaltung überwache. In Salem werde daran erinnert, "dass wir alle für unsere Verfassung einstehen müssen, wenn wir dauerhaft als Freie und Gleiche zusammenleben wollen". Eine Verfassung sei mehr als Buchstaben auf dem Papier, appelliert Voßkuhle.

Bild: Hanspeter Walter
Bild: Hanspeter Walter
Bild: Hanspeter Walter
Bild: Hanspeter Walter
Bild: Hanspeter Walter