Fünf erfahrene und neue Bewerberinnen für den Gemeinderat haben sich auf Einladung des SÜDKURIER an einen Tisch gesetzt. Im Café Schlupfwinkel sprachen sie darüber, was sie bewegt hat, zu kandidieren und welche Ziele sie verfolgen. Ebenso behandelten sie Themenbereiche, die im Rat mehr beziehungsweise künftig Beachtung finden sollten.

Martina Spintig (FDP) und Stefanie Angilé (SPD, von links) kandidieren erstmals um einen Platz am Ratstisch.
Martina Spintig (FDP) und Stefanie Angilé (SPD, von links) kandidieren erstmals um einen Platz am Ratstisch. | Bild: Santini, Jenna

In vielen Bereichen herrscht Einigkeit bei den Vertreterinnen quer durch alle Listen. Es sei wichtig, die Bandbreite der Bevölkerung abzubilden und mehr junge Leute und auch mehr Frauen an den Ratstisch zu holen. Auch Bedürfnisse von Senioren dürften mehr in den Fokus rücken. „Jede Altersgruppe hat ihre eigenen Bedürfnisse“, sagt Stefanie Angilé, die für die SPD antritt.

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Henriette Fiedler von der Freien Wählerfraktion führt das Beispiel Kindergartenplätze an. Nur zufällig habe sie von längeren Wartezeiten auf einen Platz erfahren. Im Gremium fehlten definitiv betroffene Mütter oder Väter. Dass es im Ratsgremium mehr Frauen als die bisher sieben von 22 geben sollte, darüber sind sich Kandidatinnen einig. Das erfahrene Ratsmitglied Petra Herter (CDU) und Rechtsanwältin Martina Spintig (FDP) wollen den Wunsch nach mehr Weiblichkeit im Rat aber „nicht an frauenspezifischen Themen“ fest gemacht wissen. Vielmehr gehe es um die „Herangehensweise“, wie Henriette Fiedler (FWV) aus ihrer 25-jährigen Ratstätigkeit weiß. „Frauen sind gesprächsbereiter“, findet Herter. Petra Karg (GOL) meint, sie fragten auch detaillierter nach. Allerdings stellt Karg fest, dass Frauen in Salem mit einer Quote von 36 Prozent deutlich besser vertreten sind, als im Bodenseekreis mit 13 Prozent.

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Jugendliche in die Gemeindepolitik einzubinden, liegt den fünf Gesprächsteilnehmerinnen am Herzen. Angilé kann sich vorstellen, einen Jugendrat zu installieren. Fiedler hält das Umsetzen eines Jugendgemeinderats für „schwierig“. Den Vorschlag Spintigs, „mit vorhandenen Schulen zusammen zu arbeiten, um Interesse für Entscheidungsprozesse zu wecken“, kann sich Fiedler vorstellen. Eine AG von Gemeinderäten an der Gemeinschaftsschule wäre toll“, sagt sie. Karg unterstreicht, es sei wichtig für die Jugendlichen „zu lernen, wie Demokratie funktioniert“.

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Über die zukünftliche Entwicklung der Gemeinde gab es kontroversere Ansichten. Die FDP-Vertreterin erinnerte sich an ihre eigene Jugendzeit, als es sie in den 90-er Jahren vom Land in die Stadt gezogen habe. Heute schätze sie das ländliche Leben, wolle aber ihrem Sohn und anderen jungen Menschen gute Möglichkeiten schaffen, vor Ort bleiben zu können. „Ein bisschen urbaner schadet für die kommende Generation nicht“, so Spintig. „Noch städtischer möchte ich es nicht“, entgegnet Fiedler. Die GOL-Rätin stimmt Fiedler bei. Arbeitsplätze für Jugendliche seien genügend vorhanden.

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„Im Vordergrund steht für mich der Arten- und Klimaschutz“, befindet Karg. Als positives Beispiel nennt sie die Entscheidung der Konstanzer Stadträte, den Klimanotstand auszurufen. „Das ist eine tolle Idee, Gemeinderatsentscheidungen unter Klimaschutzaspekten zu treffen“, springt ihr Fiedler bei. Leider sei man momentan „weit davon entfernt“. Spintig empfindet in Punkto Klimaaspekt und Flächenvergabe einen „Zwiespalt“. „Berechtigte Wirtschaftsinteressen“ müssten auch berücksichtigt werden. Karg wies auf Alternativen der Gewerbeparkgestaltung hin.

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Einig sind sich die Frauen über das Miteinbeziehen der Ortsteile in die Neue Mitte. Wenn zentralisiert werde, müsste dafür gesorgt werden, dass alle Salemer dort hin gelangen könnten, bringt es Herter auf den Punkt.

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Wer sind die fünf Kandidatinnen und wofür stehen sie?

  • Stefanie Angilé ist 30 Jahre jung und erwartet in zwei Wochen ihr erstes Kind. Sie mag es zu schwimmen und Fahrrad zu fahren. Die verheiratete Pflegedienstleiterin will für die SPD in den Rat ziehen, „weil mir junge Familien mit all ihren Problemen am Herzen liegen.“ Als Ziele ihrer potenziellen Mitarbeit im Gemeinderatsgremium nennt sie ein gutes Miteinander von der jungen und älteren Generation. Sie sagt von sich, sie stehe für „praktische und ideologiefreie Lösungen“, bei denen der Mensch im Vordergrund steht. Des Weiteren ist ihr der Erhalt der Natur ein großes Anliegen.
  • Martina Spintig findet es „wichtig, angesichts der Weltpolitik, dass man sich im Kleinen einbringt und für Demokratie einsteht.“ Die 44-jährige Rechtsanwältin und Mutter eines zehnjährigen Sohnes kandidiert für die FDP, weil diese Partei, wie sie findet, „meiner Lebenssituation und meinen Überzeugungen von Liberalismus und Freiheit am Nächsten steht“. Zuvor war sie einige Jahre in der CDU unterwegs. Als sie gefragt worden sei, sich um ein Ratsamt zu bewerben, habe sie zuerst Bedenken gehabt Schließlich hat sie sich entschieden, weil sie gerne mitreden und sich einbringen möchte.
  • Petra Herter vertritt seit 15 Jahren die CDU im Gemeinderatat. Es reizt die 47-jährige Unternehmerin, das „breite Spektrum einer finanzkräftigen Gemeinde mitzugestalten.“ Dabei ist es ihr Anliegen, verantwortungsvoll zu handeln und die Finanzen im Blick zu behalten. Sie sagt, sie möchte gerne „die neue Mitte zum Wohl der Gemeinde entwickeln“ und auch die kleineren Teilorte nicht aus den Augen verlieren. Mitte und Ortsteile sollen ein „harmonisches Bild“ abgeben. Teilortbürgern muss ihrer Überzeugung nach ermöglicht werden, per öffentlichen Nahverkehr Einzelhandel, Sparkasse und Schlosssee-Anlage zu erreichen.
  • Henriette Fiedler ist 52 Jahre alt und sitzt seit 25 Jahren im Gemeinderat. Die Freie Wählerin ist Mutter zweier Kinder, gelernte Arzthelferin, liebt die Natur und Radfahren. Für die Freien Wähler tritt sie an, weil sie sich da mit ihrer „parteiunabhängigen Einstellung“ wohl fühlt. Sie legt Wert darauf, „Lösungen in gemeinsamer Diskussion am Ratstisch zu entwickeln.“ Als Schwerpunkte nennt sie das Erarbeiten eines Sportstättenkonzeptes sowie den Blick auf die schulische Entwicklung. Zukünftig muss ihrer Meinung nach das Rats-Augenmerk auch auf Senioren gelegt werden. Jugendliche sollen ihr zufolge zusätzlich zum bestehenden Angebot einen Treffpunkt bekommen.
  • Petra Karg will für die Grüne offene Liste erneut ins Rennen gehen. Zehn Jahre ist sie im Gemeinderat schon dabei. Die 57-Jährige setzt sich für Natur- und Umweltschutz ein. Auch Transparenz ist für sie von Bedeutung. Ihren Schwerpunkt sieht die Landespflege-Ingenieurin (FH) „in der Entwicklung Salems im Rahmen des Regionalplanes und in der zukünftigen Flächennutzungsplanung.“ Sie ist überzeugt, dass es „Alternativen und andere Möglichkeiten der Gewerbeparkgestaltung gibt.“ Karg hat drei erwachsene Kinder und arbeitet derzeit im Messebau-Betrieb ihres Mannes. In ihrer Freizeit schwimmt oder liest sie. Ihr Hobby ist ihr Garten.