Internetkonkurrenz und Ladensterben scheinen dem Geschäft an der Bodenseestraße 140 in Mimmenhausen nichts anzuhaben. Der Laden läuft. Etwa 70.000 Kunden kaufen hier jährlich ein. Doch was macht das Traditionskaufhaus Schäfer aus? „Das Erfolgsgeheimnis liegt darin, dass wir unserer Linie treu geblieben sind“, sagt der 55-jährige Inhaber Erwin Gieringer. Mit Linie meint er die drei Bereiche Spiel-, Haushalts- und Eisenwaren. Diese Kombination habe sich als „perfekt“ herausgestellt, sagt Gieringer.

„So einen Laden möchte ich später auch einmal haben.“
Erwin Gieringer, mit 14 Jahren über das Kaufhaus Schäfer

Vorschläge von Beratern, sich auf ein Segment zu spezialisieren, um langfristig überleben zu können, hat der Handelsbetriebswirt bis heute ignoriert. Dafür kennt er das 800 Quadratmeter große Kaufhaus zu gut. Bereits sein Schulpraktikum hat er dort absolviert. Die langjährige Angestellte Marita Bauer erinnert sich, dass Gieringer mit 14 Jahren sagte: „So einen Laden möchte ich später auch einmal haben.“

Marita Bauer erinnert sich noch an den Wunsch des Praktikanten Erwin Gieringer, später auch einen Laden wie „Schäfer“ führen zu wollen.
Marita Bauer erinnert sich noch an den Wunsch des Praktikanten Erwin Gieringer, später auch einen Laden wie „Schäfer“ führen zu wollen. | Bild: Martina Wolters

Ehepaar führt Laden seit 30 Jahren

Elf Jahre nach dem Praktikum übernahm Gieringer das Geschäft. Zusammen mit seiner Ehefrau Petra leitet er es seit 30 Jahren. Etwa 60.000 verschiedene Artikel bietet das Schäfer-Team an. Hinzu kommt Saisonales, wie aktuell ein breit gefächertes Fasnachtssortiment. Im Winter werden Schlitten verkauft, in der Sommerzeit Planschbecken und Schlauchboote.

Das Ehepaar setzt auf kompetente Beratung. Kunden schätzen beispielsweise die Verkaufsgespräche, sagt Gieringer. Manche Mütter und Väter würden heute bei ihm einkaufen, die den Laden schon als Kind erlebt haben.

Frank Niemann (rechts) kauft seit mehr als 30 Jahren bei „Schäfer“ ein und lobt den guten Service des Gieringer-Teams.
Frank Niemann (rechts) kauft seit mehr als 30 Jahren bei „Schäfer“ ein und lobt den guten Service des Gieringer-Teams. | Bild: Martina Wolters

Die Strategie des Drei-Säulen-Einzelhandels habe Gieringer von seinen Vorgängern übernommen. Der Geschäftsmann sagt zu dem Konzept aber auch: „Es müssen immer wieder Anreize geschaffen werden, die sich an veränderten Kundenwünschen orientieren.“

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Seit einigen Jahren bietet er im Kaufhaus Schäfer beispielsweise sogenannte Geburtstagskisten an. Diese werden vor einem Kindergeburtstag vom betreffenden Geburtstagskind im Laden gefüllt, damit die kleinen Gäste die passenden Geschenke dort direkt einkaufen und verpacken lassen können. Im Haushaltswarenbereich ist das Angebot an teurem Geschirr zugunsten von kostengünstigeren Komplettpaketen zahlenmäßig geschrumpft. Heute legen die Kunden nach Erfahrungen von Inhaber Gieringer mehr Wert auf angesagtes Geschirr, das seinen Zweck erfüllt.

Seit 30 Jahre führen Erwin Gieringer und Ehefrau Petra das Geschäft und sind stets bestrebt Neuheiten wie die faltbare Tragebox ins Sortiment aufzunehmen.
Seit 30 Jahre führen Erwin Gieringer und Ehefrau Petra das Geschäft und sind stets bestrebt Neuheiten wie die faltbare Tragebox ins Sortiment aufzunehmen. | Bild: Martina Wolters

An Marktveränderungen anpassen

Entscheidend für ein erfolgreiches Geschäft ist aus Sicht des Salemers, seine „eigene Ideologie nicht zu stur zu verfolgen“. Er sagt, dass es wichtig ist, sich mit den Marktveränderungen auseinanderzusetzen, dabei aber die traditionelle Geschäftslinie nicht aus den Augen zu verlieren. Auch das Bedienen von Nischen gehört für Gieringer dazu. So verkauft er im Eisenwarenbereich heute nicht mehr wie früher hauptsächlich Gartengeräte und Rasenmäher. Stattdessen macht Gieringer sein Hauptgeschäft in diesem Bereich mit Schließanlagen, Schließtechnik und einem Schlüsseldienst.

Kein elektronisches Spielzeug im Sortiment

Für das Grundsortiment sei der jeweilige Abteilungsleiter verantwortlich. Über Neuheiten informiert sich der Betriebswirt eigenständig auf Messen. Bei elektronischem Spielzeug ist für Gieringer allerdings die eigene Schmerzgrenze erreicht: „Das habe ich aus pädagogischen Gründen nie gutgeheißen und deshalb nie verkauft.“ Vor Internetkonkurrenz hat der Geschäftsleiter „heutzutage keine Angst mehr“. Gieringer ist der Meinung, dass es nicht darum geht, der Billigere zu sein, sondern möglichst nah am Kunden zu handeln. Mit diesem klaren Profil sei er bislang immer gut gefahren.

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