Ein Reißverschluss gibt die Sicht auf das Innenleben einer Mandarine frei: Stillleben mit einem besonderen Kniff sind die Leidenschaft von Franz Staab aus Neufrach. Zeigen, was drinsteckt, lautet das Motto bei dem Obst. Der Titel schlicht "Zipper". "Ich brauche etwas, wo ich kreativ sein kann", sagt der 64-Jährige. Den SÜDKURIER-Lesern ist er durch seine Landschaftsbilder in der Rubrik Leserreporter bekannt. Bis zu zwei Stunden investiert er, um seine Motive zu inszenieren, wobei die richtige Ausleuchtung und die Bildaufteilung nur zwei von vielen Komponenten sind. Danach folgt die Arbeit am Computer, die nicht weniger aufwendig ist. Staab experimentiert mit hell und dunkel, scharf und unscharf, Filter ja oder nein. Die Möglichkeiten sind so vielfältig, wie die Sonnenaufgänge, die Staab schon so oft am Schlosssee in Salem fotografiert hat. Auf den Bildern ist dabei nie viel zu sehen. Staab fotografiert reduziert, spielt mit Farben, Formen und Linien, möchte gelegentlich provozieren.

<strong>Zipper</strong> heißt dieses Stillleben mit Mandarinen. Das Innere wird nach außen gekehrt.
Zipper heißt dieses Stillleben mit Mandarinen. Das Innere wird nach außen gekehrt. | Bild: Franz Staab

"Gute Fotos zeichnen sich dadurch aus, dass man länger als eine Sekunde draufschaut", sagt Staab. Eines seiner Lieblingsbilder zeigt die Hände seines Vaters – in schwarz-weiß und ohne Blitz fotografiert. Bei einem Fotowettbewerb hat er mit dem Bild den zweiten Platz belegt. Von seinem Vater stammte auch seine erste Fotokamera. Die Rollfilmkamera ist inzwischen 60 Jahre alt und nur noch ein Dekorationsstück im Heim der Familie. Während seiner Lehrzeit hat er damit fotografiert. Kurze Zeit später leistete er sich die erste eigene Kamera, eine Pentax ME. Entwickelt hat er die Fotos natürlich selbst.

<strong>Arbeiterhände</strong> zeigt die Hände von Franz Staabs Vater – ein Leben voller Arbeit.
Arbeiterhände zeigt die Hände von Franz Staabs Vater – ein Leben voller Arbeit. | Bild: Franz Staab

Zunächst in der Waschküche seiner Eltern. Damals alles noch in schwarz-weiß. Fotograf wollte er allerdings nie werden und war stattdessen mehr als 37 Jahre in der Luft- und Raumfahrt tätig. 1979 ist er mit seiner Frau Brigitte aus Niederbayern an den Bodensee gezogen, wo er für die Firma Dornier arbeitete. Als Konstrukteur erlebte er den Umschwung vom Zeichenbrett auf den Computer mit. Einem großen Wandel war über die Jahrzehnte ebenfalls seine Fotoausrüstung unterlegen. Auf die Pentax ME folgte eine Canon T70, mit einigen Objektiven. Ins digitale Zeitalter startete Staab 1999 mit einer Olympus Camedia. Heute fotografiert er mit den Kameramodellen Nikon FX und Fuji-Film X sowie deren Zubehör. Vier Kameras hat er insgesamt im Gebrauch. "Seit fünf bis sechs Jahren bin ich mit professionellem Equipment unterwegs", erklärt Franz Staab.

<strong>Spiegelungen</strong> unterschiedlicher Art gibt es in diesem Foto zu entdecken, aufgenommen bei einem Fest in Bermatingen.
Spiegelungen unterschiedlicher Art gibt es in diesem Foto zu entdecken, aufgenommen bei einem Fest in Bermatingen. | Bild: Franz Staab

Eine seiner Kameras hat er zur Infrarot-Kamera umgebaut. Sie lässt nur noch Licht von einer bestimmten Wellenlänge durch. Grünes Laub wird zum Beispiel intensiv hell. Die Fuji ist etwas kleiner als die beiden Nikons und daher die Kamera für jeden Tag. Nie würde er ohne Fotoapparat aus dem Haus gehen. Überall warten Motive. Die Region bietet sich an, mit schönen Landschaften und Festen. "Ich sehe die Welt wahrscheinlich im Sucher", gibt Staab lachend zu. Seine Frau und die drei Kinder unterstützen diese Leidenschaft für die Fotografie. Oft genug sind sie selbst Motiv, oder tragen zumindest das Kamerastativ – etwa im Urlaub. Tausende Fotos sind so alleine in den vergangenen sechs Jahren zusammengekommen. Eine seiner neusten Landschaftsaufnahmen zeigt die Wintergerste an einem Hügel hinter Schloss Salem, Blick Richtung Tüfingen. Die Gerste führt in Linien zu den Bäumen auf der Erhebung hin. Ganz so, wie es Staab gefällt.

<strong>Infrarot-Aufnahme: </strong>Das grüne Laub auf dem Feld wird intensiv hell, der blaue Himmel viel dunkler dargestellt. Die Infrarot-Aufnahme bietet allgemein einen starken Kontrast.
Infrarot-Aufnahme: Das grüne Laub auf dem Feld wird intensiv hell, der blaue Himmel viel dunkler dargestellt. Die Infrarot-Aufnahme bietet allgemein einen starken Kontrast. | Bild: Franz Staab

 

Zur Person

  • Franz Staab ist 64 Jahre alt und lebt in Salem-Neufrach. Mit Ehefrau Brigitte unternimmt er gerne Ausflüge in die Region. Eines der nächsten Fotoziele soll die Insel Mainau im Winter sein. Die beiden haben drei Kinder. Seine Bilder veröffentlicht Staab im Internet unter www.staab-photography.com.
  • Die Rubrik Leserreporter gibt es seit etwa 2005. Eingeführt wurde diese, um Lesern die Möglichkeit zu geben, sich direkt an die Redaktion zu wenden, um Bilder und Texte zu schicken. Zumeist schicken Leserreporter heute Bilder von Naturaufnahmen wie Wetterbilder, besondere Pflanzen oder schöne Aussichten. Anfangs konnten sich Leserreporter noch per SMS oder MMS (das war zum Senden von Bildern per Handy) melden. Heute geht das alles ganz einfach per Mail vom Smartphone aus. Die Mailadresse lautet leserreporter@suedkurier.de.