Es ist das Duell David gegen Goliath. 1,88 Meter durchschnittliche Mannesgröße treffen auf 1,97 Meter. Die Volleyballer des TSV Mimmenhausen, Neulinge in der Zweiten Liga, spielen gegen den Tabellenvierten der Ersten Liga. Die Gegner aus Herrsching sind für das Achtelfinale im DVV-Pokal rund 200 Kilometer in den Salemer Ortsteil gefahren.

Für den selbsternannten "Geilsten Club der Welt" sollte ein Sieg in der BZ Arena reine Formalie sein. Was die Profi-Volleyballer aus Bayern vor dem Spiel nicht wissen: Von den Rängen erwartet sie ein ohrenbetäubendes Feuerwerk in Schwarz.

Video: Kares, Julian

Eine halbe Stunde vor Spielbeginn ist es still in der Halle. Nicolai Griestock blickt auf das Spielfeld hinunter und sagt: "Es ist vielleicht das wichtigste Spiel für unseren Verein." Dann läuft er weiter, muss auf dem Gang immer wieder stoppen. Abklatschen hier, umarmen dort. Dann ist er angekommen: Es ist die letzte Treppe, die hinunter zur Tribüne führt. Hier steht er. Hier stehen sie. Die Black Wall.

Sie hüpfen und singen unermüdlich für ihren Verein: Die Black Wall feuert den TSV Mimmenhausen im Pokalkracher gegen den Gegner aus Herrsching an. Bilder: Julian Kares
Sie hüpfen und singen unermüdlich für ihren Verein: Die Black Wall feuert den TSV Mimmenhausen im Pokalkracher gegen den Gegner aus Herrsching an. | Bild: Kares, Julian

Der Fanclub des Zweitligisten bildet einen kleinen Block. Bei den 1069 Zuschauer in der Halle fallen die 40 jungen Menschen dennoch auf: alle stehen, alle tragen schwarz. Die große Trommel sticht in Weiß aus der Masse hervor.

Der Ursprung der Black Wall liegt in Jugend-Freundschaften. Nicolai Griestock erklärt, dass der TSV-Spieler Lukas Ott von seinen Kumpels lautstark bei Beachturnieren im Sommer angefeuert wurde. Aus dem Spaß entstand eine Dynamik, die 2016 zu der Gründung des Fanclubs für den TSV Mimmenhausen führte. Er wuchs seitdem stetig. Dabei hat jedes Mitglied, das in der Black Wall steht, eigene Gründe, die in den Block treiben.

"Hier feuere ich Freunde an"

Da wäre Patrick Guth, der mit seinem Zwillingsbruder Roman zu den Gründern des Fanclubs gehört. Eigentlich kickt er beim FC Uhldingen. Mit Volleyball hat er nicht so viel am Hut, erzählt er. Sein halbes Gesicht ist für das Spiel gegen Herrsching mit schwarzer Farbe bemalt. Er sagt: "In mir schlummerte ein kleiner Hooligan. Ich wollte das immer schon ausleben. Und hier feuere ich Freunde an."

Ähnlich geht es Josua Stodtko. Das Spiel läuft bereit. Der 19-Jährige brüllt in das extra gekaufte Mikrofon. "Hier regiert der TSV, hier regiert der TSV!" Der ganze Block stimmt ein, es wird gesprungen. Die Tribüne wackelt.

Die schwarze Wand ist keine grölende Männerhorde

Später sagt der schweißgebadete Stodtko: "Ich bin eigentlich VfB-Fan. Die Chöre und Gesänge sind ähnlich wie in der Cannstatter Kurve. Für mich spielt hier der VfB, nur eben Volleyball in Mimmenhausen." Der Anpeitscher mit dem Mikrofon ist erst seit dieser Saison dabei. Er meint, davor sei er zu schüchtern gewesen, um in die Halle zu kommen. Bei dem Auftritt ist das kaum zu glauben.

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Was auffällt: Hier steht keine grölende Männerhorde. Viele junge Frauen sind unter der Meute, es ist eine gesunde Mischung. Da gibt es Sarah Kränzler und Kira Roth, die in der Damenmannschaft von Mimmenhausen spielen. Sie meinen, dass immer mehr Mädchen zum Anfeuern mit in den Block kommen. Conny Weißmann erklärt, warum sie dem Club verbunden ist: "Die Spieler haben sich von unten gemeinsam in die Zweite Liga gekämpft. Wir kennen sie seit der Jugend. Alle sind auf dem Boden geblieben. Feiern und Spaß gehört dazu. Wir sagen nicht umsonst "La familia" zu dem Verein."

Fanclub kann der Mannschaft zum Sieg verhelfen

Anderthalb Stunden dauert das Pokalspiel. Es wird Vollgas gegeben: Die Black Wall trommelt, hüpft, pfeift und singt dutzende Varianten von Sprechchören. Der Schiedsrichter auf seinem Stuhl schaut bei den frechen Gesängen grinsend in den Block. Die Spieler des Gegners sind sichtlich angetan und wippen auf der Auswechselbank mit. Doch es nützt alles nichts. Der Favorit gewinnt klar: 25:13, 25:11, 25:17. Nicolai Griestock resümiert: "So einen Gegner hatten wir noch nie in der Halle."

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Christian Pampel kennt sich aus mit solchen Duellen. Und mit großen Kulissen. Viermal ist er Deutscher Meister und Pokalsieger geworden. Seit zwei Jahren ist er Spielertrainer des TSV. Der 212-facher Nationalspieler sagt über die Black Wall: "Für uns können sie das Zünglein an der Waage zum Sieg sein. Es gibt durchaus Vereine in der Ersten Liga, die sich eine solche Fangruppierung wünschen würden."

Ob das auch auf den Verein aus Herrsching zutrifft? So wie sich die Spieler aus Bayern zusammen mit der Heimmannschaft vor der schwarzen Wand feiern ließen, könnte das durchaus sein. Zumindest sind sie vorgewarnt: Das nächste Spiel in Mimmenhausen wird – zumindest sportlich – nicht klanglos ablaufen.