Es muss schön sein, an der Aachstraße in Neufrach aufzuwachsen und zu wohnen. Die Hausfassaden in der Straße des Salemer Teilorts sehen gepflegt aus. In einem Beet vor einer Eingangstüre blühen Blumen in zig Farben, einige Gärten sind für den spielenden Nachwuchs wohl willentlich weitläufig gelassen. Doch mit der Idylle und Ruhe ist es seit einigen Monaten vorbei. Zumindest auf der Aachstraße, die quer durch die Wohngegend führt.

Markdorfer Straße ist monatelang gesperrt

Seit einiger Zeit ist sie die Ader für den Durchgangsverkehr. Grund dafür ist die Baustelle auf der Markdorfer Straße, die als Landes- und gleichzeitig Hauptstraße durch den Ort führt. Seit dem 19. Februar wird hier in fünf Bauabschnitten umgestaltet, ein Teil der Markdorfer Straße ist seitdem gesperrt. Die Parallelstraßen werden als Ausweichrouten benutzt.

Die Baustelle in der Neufracher Ortsdurchfahrt soll bis zum November 2018 fertigestellt sein. Mit einem Mini-Kreisel an der Abzweigung Markdorfer/Weildorfer Straße soll der Verkehrsfluss an der stauträchtigen Stelle verbessert werden.
Die Baustelle in der Neufracher Ortsdurchfahrt soll bis zum November 2018 fertigestellt sein. Mit einem Mini-Kreisel an der Abzweigung Markdorfer/Weildorfer Straße soll der Verkehrsfluss an der stauträchtigen Stelle verbessert werden. | Bild: Kares, Julian

Die eigentliche Umleitung sieht laut Uli Brandstetter von der Salemer Gemeindeverwaltung folgendermaßen aus: Während der Bauphase in der Ortsdurchfahrt wird der Verkehr von Markdorf kommend weiträumig über Bermatingen-Ahausen umgeleitet, sowie vom Deggenhausertal kommend über den Ortsteil Stefansfeld. Eine Verlagerung des Umleitungsverkehrs in die Aachstraße ist nicht vorgesehen gewesen. Dass Ortskundige andere Straßen in Neufrach als Durchfahrt nutzen als die Umleitung, liegt jedoch in der Natur der Sache, sagt Brandstetter.

"Teilweise fahren hier Autos mit 60 bis 70 Kilometer pro Stunde durch"

Die Anwohner können die hohe Frequenz der vorbeifahrenden Fahrzeuge akzeptieren, etwas anderes ist für sie umso ärgerlicher. Katrin Raither wohnt mit ihrer Familie an der Aachstraße, sie sagt: "Die Geschwindigkeit ist heftig, teilweise fahren hier Autos mit 60 bis 70 Kilometer pro Stunde durch." Anwohnerin Bianca Löhle-Michal hat einen Zaun um ihre Gartenwiese gebaut, damit ihr kleines Kind nicht versehentlich auf die Straße laufen kann. Früher war das nicht nötig. "Wir haben Verständnis, dass sie den Weg nehmen. Wenn wir es wissen, würden wir es wohl auch machen. Aber dann in der richtigen Geschwindigkeit."

Frage nach Kontrollen und Beschilderung

Auf der Terrasse des langjährigen Gemeinderats Manfred Nolle ist die Veränderung des Straßenlärms in der Aachstraße wahrnehmbar. Manchmal fahren die Autos im Sekundentakt vorbei. Je schneller, umso lauter das Geräusch auf dem Asphalt. Er stellt sich zwei Fragen: "Wer ist für die Beschilderung verantwortlich und warum gibt es keine Geschwindigkeitskontrollen?"

Umleitung laut Landratsamt verständlich für Autofahrer

Seine erste Frage beantwortet die Straßenverkehrsbehörde des Landratsamtes. Robert Schwarz, Pressesprecher des Landratsamtes, sagt: "Was dort stattfindet, ist Schleich- und Ausweichverkehr, meist von Ortskundigen. Die Umleitung zur Sperrung der Ortsdurchfahrt Neufrach ist vollständig ausgeschildert, und auch verständlich. Die Aachstraße ist gut erkennbar als Tempo-30-Zone beschildert. Ein Großteil der dort Fahrenden sind Ortskundige und die wissen genau, was dort gilt."

Uli Brandstetter von der Salemer Gemeindeverwaltung bittet um Verständnis, dass die Anlieger durch die Baumaßnahme und dem damit verbundenen Verkehrsaufkommen belastet werden. Die Aussagen über die Geschwindigkeitsüberschreitungen in der Aachstraße seien jedoch geprüft worden. "Unsere Verkehrszählungen ergaben keine nennenswerten Überschreitungen. Gemessen an der Anzahl an Fahrzeugen sind diese als geringfügig einzustufen", sagt Brandstetter.

Anwohner hängt selbstgebasteltes Schild auf

Die Anwohner sehen das anders, sie greifen zu kreativen Mitteln. Seit einigen Wochen hängt ein selbstgebasteltes Tempo-30-Schild an einer Laterne. Grundsätzlich ist das nicht erlaubt. Die Verkehrszeichen und -einrichtungen sind von der Straßenverkehrsbehörde anzuordnen und von der zuständigen Straßenbaubehörde in der Gemeinde umzusetzen, erklärt Robert Schwarz vom Landratsamt. Das selbst gebastelten Schilder ist damit nicht wirksam, doch soll im Sinne des Künstlers wohl eher als visueller Weckruf für die Autofahrer dienen.

Ein Anwohner der Aachstraße hat selbst Initative ergriffen und ein selbstgebasteltes Schild für Tempo 30 aufgehängt. Ein juristisches Nachspiel wird es deswegen laut Aussage des Landratsamtes nicht geben.
Ein Anwohner der Aachstraße hat selbst Initative ergriffen und ein selbstgebasteltes Schild für Tempo 30 aufgehängt. Ein juristisches Nachspiel wird es deswegen laut Aussage des Landratsamtes nicht geben. | Bild: Kares, Julian

"Von einer Amtsanmaßung sind wir weit entfernt"

Ein juristisches Nachspiel wird es deswegen nicht geben, klärt Robert Schwarz auf: "Nein, hier lassen wir die Kirche im Dorf. Das ist ein erkennbarer Appell an die Autofahrer, um ihre Geschwindigkeit zu drosseln. Von einer Amtsanmaßung sind wir weit entfernt." Ob das Schild bis November an der Laterne hängen bleibt, ist noch nicht klar. Dann nämlich soll die Baumaßnahme in der Markdorfer Straße beendet sein. Und damit kehrt für die Bewohner der Aachstraße nach sieben Monaten Bauzeit die Ruhe und Idylle zurück.