“Den Mitmenschen, die in Corona-Zeiten nicht vor die Tür dürfen, wollten wir helfen“, erzählte der 18-jährige Oberstufenschüler David Jung. Mit “wir“ meint er den Überlinger Jugendgemeinderat, dessen Mitglied er als Schüler an der Constantin-Vanotti-Schule ist. “Da ich aber aus Mittelstenweiler in Salem komme, wollte ich einen Ableger in meiner Gemeinde aufbauen“. Über die Online-Medien suchte er Mitstreiter. Anfang letzter Woche war das, kurz danach hatte er bereits ein Dutzend Gleichgesinnte beisammen. Zusätzlich hat der Schüler des Wirtschaftsgymnasiums extra eine Handynummer nur für die Nachbarschaftshilfe eingerichtet. Darüber können Hilfesuchende sie direkt erreichen. “Wir machen nur Besorgungen, also Einkäufe und Apothekengänge“, klärt Jung auf – und zwar für Menschen in allen elf Salemer Teilorten. Wobei die Hilfesuchenden vorher mit der Apotheke ihre Wünsche abgeklärt haben sollten und bei verschreibungspflichtigen Medikamenten muss ein Rezept vorliegen. Die Hilfe der jungen Leute ist komplett ehrenamtlich. “Aber wir merken, dass die Menschen dankbar sind und uns auch ein Trinkgeld geben.“ Davon wollen sie, irgendwann einmal, nach der Corona-Zeit, eine kleines Grillfest für sich organisieren und ihre Aktion so feiern.

„Nächstenliebe mit zwei Metern Abstand“

Und dann fanden David Jungs Nachbarschaftshilfe und die Aktionsgruppe „kleine oase dorfmitte“ in Salem-Stefansfeld diese Woche zusammen. „Wir wollen gemeinsamen Weges gehen“, sagt Stefan Steinhauer. Dabei stehe aber bei aller Nächstenliebe immer im Vordergrund: „Zwei Meter Abstand zu Fremden sind Pflicht für alle Helferlein“, so Steinhauer, der die Imbiss- und Speisestation „die kleine Küche“ in Stefansfeld betreibt. „In den letzten sechs Wochen habe ich den Wagen drei Mal komplett auseinander- und wieder zusammengebaut, um künstliche Barrieren zwischen mir und den Gästen zu schaffen.“ Seine langjährigen Erfahrungen in Käsereien, auch als Senn auf schweizerischen Alp-Käsereien, kämen ihm hinsichtlich der Einhaltung von hohen Hygienestandards zugute.

Auch fertige Speisen können bestellt werden

„Gute Freunde und einige schon freundschaftlich verbundene Stammgäste habe ich aus einer whats-app-Gruppe und einem Unterschriftenbuch zusammengeführt“, erklärt Steinhauer das Zustandekommen der Initiative „kleine oase dorfmitte“. Von der allgemeinen Schließung von Restaurants und Gaststätten ist die Mitnahme-Station verschont geblieben, da hier im gesetzlich vorgeschriebenen Abstand zueinander bestellt und Speisen und Getränke mitgenommen werden können. „Nur hier unmittelbar am Stand ist der Verzehr derzeit natürlich nicht erlaubt“, sagt Steinhauer. Da „die kleine Küche“ als Lebensmittel- und Speise-Mitnahmestation weiterhin geöffnet haben darf, ergeben sich Synergien: Auch kleine Speisen und komplette Mahlzeiten könnten auf Wunsch geliefert werden, sagt David Jung.

Mitstreiter sind jederzeit willkommen

Den Unterrichtsstoff müssen Schüler bis zu den Prüfungen am Computer büffeln. Will heißen: Durch das soziale Engagement nehmen die Nachbarschaftshilfe-Aktivisten sogar schlechtere Noten in Kauf. „Über Unterstützung quer aus der Salemer Bevölkerung würden wir uns da natürlich sehr freuen“, wären Jung und seine Mitstreiter dankbar für jede helfende Hand. Direkt am Speisewagen wird nun eine Magnet-Tafel aufgestellt, an der Helfer und Hilfesuchende ihre Nachrichten hinterlassen können.