Nach intensiven Bemühungen ist es dem Salemer WEL-Kreis gelungen, dass Bilder des Malers in Dresden ausgestellt werden – dort, wo Walter Eberhard Loch bedeutende Schaffensjahre verbrachte. Zur Vernissage reisten gemeinsam per Bus 27 Kunstinteressierte aus der Bodenseeregion an die Elbe, um bei der Eröffnung der noch bis zum 27. Mai dauernden Präsentation im Kraszewski-Museum dabei zu sein. Sie trägt den Titel: "Das Werk von Walter Eberhard Loch: Im Rausch der Bewegung." Insgesamt hängen dort 53 Werke von WEL, wie der Künstlername des in Breslau geborenen Künstlers lautet, der ab 1939 bis zu seinem Tod 1979 in Neufrach lebte und wirkte. Aufgebaut worden war die Ausstellung von der Leiterin des Kraszewski-Museums, Joanna Magacz.

Der Schwerpunkt der ausgewählten Bilder liegt beim Thema „Tanz“, dasselbe gilt für die eigens zur Ausstellung erschienene Publikation „Rausch der Bewegung – Walter Eberhard Loch in der Dresdener Tanzschule von Mary Wigman“, einem Gemeinschaftswerk der vom Bodensee mitgereisten WEL-Kennerinnen Brigitte Rieger-Benkel, ehemalige Meersburger Kulturamtsleiterin, und Anne Wachter, Rektorin im Ruhestand aus Meersburg. Die Exponate entstammen dem reichen Fundus der Gemeinde Salem, sowie dem städtischen Museum Breslau/Wroclaw sowie zwei privaten Leihgebern. "Im größten Raum des heimelig wirkenden, im spätklassizistischen Stil gebauten Museums faszinieren eine größere Anzahl von Tanzbildern durch ihren Schwung und ihre Farbigkeit", berichtet Anne Wachter von der Vernissage. "In weiteren Räumen sind Portrait- und Bodenseebilder zu bewundern, dazu ein grandios gemaltes Bild mit einer dicht aufeinander fahrenden Radrenngruppe und auch ein Großstadtbild mit dem Flair jener Zeit." WEL lebte und arbeitete in Dresden von 1919 bis 1932, erinnert Wachter, so zeigten die vier Portraits künstlerische Abbildungen von Dresdener Bürgern der damaligen Zeit. Damit werde verständlich, was eine Museumsbesucherin einem Mitglied des WEL-Kreises gegenüber geäußert hat: „Was ich heute hier erlebe, ist für mich ein Stück Wiedervereinigung.“ Und dabei hätten ihre Augen mit feuchtem Glanz geleuchtet, beschreibt Wachter.

Interessierte Besucherinnen lassen sich von Anne Wachter (zweite von links) in die Kunst des Walter Eberhard Loch einfhühren.
Interessierte Besucherinnen lassen sich von Anne Wachter (zweite von links) in die Kunst des Walter Eberhard Loch einfhühren.

Anlässlich der Ausstellungseröffnung gab es auch eine Pressekonferenz. Einführend sprachen der Direktor der Städtischen Galerie Dresden, Gisbert Porstmann und der Direktor der Museen Breslau/Wroclaw, Maciej Lagiewski; anschließend gab Anne Wachter Einzelheiten der Vorgeschichte zur Wiederentdeckung Lochs in Dresden bekannt. Brigitte Rieger-Benkel, räumte ein, von WEL noch nie gehört zu haben, als ihr 2007 einen bebilderter Aufsatz von Wachter übergeben wurde, der 2006 in der Zeitschrift für Kultur und Geschichte „Silesia nova“ im Neisse-Verlag Dresden veröffentlicht worden war.

Nachdem die Reisegruppe vom Bodensee die Kostbarkeiten der Stadt Dresden erkundet, ein Orgelkonzert in der Frauenkirche besucht, einen Gesellschaftsabend im Coselpalais und einen Ausflug im Sonnenschein nach Meissen und Schloß Moritzburg erlebt hatte, ging es zum Höhepunkt und Ziel der Reise: Die Vernissage im Kraszewski-Museum, dem früheren Wohnhaus des polnischen Schriftstellers Jozef Ignacy Kraszewski (1812 bis 1887). Die beiden Museumsdirektoren Porstmann und Lagiewski würdigten vor den zahlreichen Gästen das Werk Lochs und bedankten sich bei Anne Wachter und Monika Taubitz, die sie auf diesen Künstler aufmerksam gemacht hatten. Die Gastgeberin Joanna Magacz hob einige der Gäste besonders hervor: persönliche, teils hochbetagte Freunde des Ehepaares Loch aus Berlin, Frankfurt und Gersfeld. Anwesend war auch das Dresdener Ehepaar, das dem WEL-Verein vor einigen Jahren den Briefwechsel ihrer mit Loch befreundeten Großmutter hatte zukommen lassen.

Durch WEL vereint ( von links): Gisbert Porstmann (Direktor der Städtischen Galerie Dresden), Brigitte Rieger-Benkel (Vorsitzende WEL-Verein Salem), Maciej Lagiewski (Direktor der Museen Breslau/Wroclaw), Dichterin Monika Taubitz (Meersburg), WEL-Kennerin Anne Wachter (Meersburg) und Joanna Magacz (Leiterin des Kraszewski-Museums).
Durch WEL vereint ( von links): Gisbert Porstmann (Direktor der Städtischen Galerie Dresden), Brigitte Rieger-Benkel (Vorsitzende WEL-Verein Salem), Maciej Lagiewski (Direktor der Museen Breslau/Wroclaw), Dichterin Monika Taubitz (Meersburg), WEL-Kennerin Anne Wachter (Meersburg) und Joanna Magacz (Leiterin des Kraszewski-Museums). | Bild: Brigitte Rieger-Benkel

Als Vorsitzende des WEL-Vereins Salem ging Brigitte Rieger-Benkel in ihrem Einführungsvortrag auf die Biografien von WEL und der Begründerin des Ausdruckstanzes in Dresden, Mary Wigman, ein. Zudem berichtete sie über den Sport während der Weimarer Republik und der Beziehungen Mary Wigmans zur Bildenden Kunst. "Mit großer Sachkenntnis sprach sie über die ausgestellten Bilder, deren Hängung in den kleinen Räumen eine Herausforderung darstellte", schildert Anne Wachter weiter. Doch die Besucher seien rundum angetan gewesen von der ansprechenden und sinnvollen Anordnung der Exponate. Nach der Vernissage hätten sich viele lebhafte Gespräche entwickelten, so dass späten Nachmittag nur ungern auseinander gegangen sei.

 

Walter Eberhard Loch

Die Ausstellung trägt den Titel "Das Werk von Walter Eberhard Loch: Im Rausch der Bewegung". Dazu erläutert das Kraszewski-Museum: "Das Wort Bewegung bezieht sich auf das Leben und Werk Lochs (WEL) gleichermaßen. Geboren 1885 in Breslau, studierte er dort Kunst, ging mit 28 Jahren nach Berlin und zwei Jahre später nach Liegnitz. 1919 kam er nach Dresden. Hier heiratete er Dora Roth, die Tochter des bekannten Komponisten Bertrand Roth. Die Begegnung mit Mary Wigman, der berühmten Pionierin des Freien Tanzes und des Ausdrucktanzes in Elbflorenz, beeinflusste Lochs Dresdner Schaffensperiode wesentlich. Es entstanden Werke, die das Schwingen, Bewegen, Gleiten und Rasen vollkommener Körper darstellten. Das alles geschah aus tiefster Sehnsucht des körperlich gequälten und seit seiner Kindheit behinderten Künstlers, der 1926 zudem in Dresden einen folgenschweren Motorradunfall erlitten hatte. Sechs Jahre später entschloss sich der Künstler mit seiner Familie, ein letztes Mal den Ort zu wechseln. Nach Breslau und Dresden folgte die Schaffenszeit am Bodensee."

Das Buch zur Ausstellung ist auch im Salemer Kulturamt bei Sabine Stark für 8 Euro erhältlich.