Seit Anfang Dezember fährt in Salem der Bürgerbus „Linzgau Shuttle„. „Seit Beginn wurden 230 Fahrwünsche erfüllt“, sagt Edgar Krahn, zuständig für die Disposition der Fahrten und Einteilung der Fahrer. 116 Fahrwünsche seien es alleine im Januar gewesen, so Krahn. Vornehmlich ältere und behinderte Menschen nutzen den siebensitzigen Bürgerbus, der montags, mittwochs und freitags fährt. Dies entspricht auch der Gemeinnützigkeit des Trägervereins, die dringend einzuhalten ist. Laut Vereinsvorsitzendem Ingo Kitzmann sind zwei Drittel der Fahrgäste Senioren, Menschen mit Behinderung, Flüchtlinge oder Sozialhilfeempfänger – generell hilfsbedürftige Menschen. Das restliche Drittel kann auf weitere Fahrten aufgeteilt werden. Das Angebot ist für die Mitfahrer kostenfrei.

Fahrt zwei Tage zuvor anmelden

Zwei Tage vorher sollten die Interessierten ihre Fahrt anmelden. „Die Leute müssen sich erst daran gewöhnen. Schritt für Schritt wird es besser“, berichtet Krahn. Die Anmeldung wird telefonisch erledigt. Außerhalb der Sprechzeiten kann die Nachricht auf einem Anrufbeantworter hinterlassen werden. Die Ehrenamtlichen machen mit den Anrufern einen festen Abholtermin aus – auch für die Rückfahrt. Außer diese ist noch nicht sicher, dann sollen sich die Fahrgäste auf dem Mobiltelefon des Fahrers melden. Dieser fährt während seiner Schicht eine Liste ab. Krahn erklärt: „Die Menschen können sich bei uns registrieren.“ So müssen sie ihre Adresse das nächste Mal nicht mehr nennen oder, ob ein Hilfsmittel wie ein Rollator transportiert werden muss.

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Stellvertretende Vereinsvorsitzende Stephanie Straßer sagt, bislang seien in erster Linie Senioren mitgefahren. Krahn ergänzt: „Mehr als 90 Prozent Senioren, die über 75 Jahre alt sind.“ Ein Schwerpunkt liege bei denen, die Hilfe benötigten – etwa beim Ein- und Aussteigen. Die Fahrten führten „fast immer zu Ärzten, zum Einkaufen oder ins Rathaus“. Typischerweise würden Ärztehäuser angesteuert – auch außerhalb, beispielsweise in Markdorf. Edgar Krahn bedauert, dass die Menschen den Bus „nicht für Spazierfahrten“ in Anspruch nehmen. Dabei wäre etwa eine Fahrt zum Schlosssee möglich. Der Fahrgast könnte sich dort absetzen und wieder abholen lassen – oder bei einem der Salemer Cafés. Stephanie Straßer betont, dass es „keine zweckgebundenen Fahrten“ sein müssen.

Soziale Komponente im Vordergrund

Laut Krahn können sie ebenfalls dazu dienen, „einfach wieder mehr am Leben teilzunehmen“. Ihm zufolge sind die Rückmeldungen zum „Linzgau Shuttle„ durchweg positiv. „Die Leute haben immer glänzende Augen“, sagt er. Ingo Kitzmann fügt hinzu: „Gerade alte Menschen sind hilfsbedürftig. Sie können es nicht mehr alleine. Die Fahrten sind um die zwei Kilometer lang. Aber sie sind nicht mehr dazu in der Lage, zum Bus zu laufen und einzusteigen.“ Hier soll das „Linzgau Shuttle„ einen existierenden Bedarf decken und nicht etwa dem ÖPNV oder Taxiunternehmen Konkurrenz machen, diese eher unterstützen. Die soziale Komponente steht im Vordergrund. Und: „Wir entlasten Familienangehörige, die sonst den Fahrdienst machen.“ Man sei in einer Lücke unterwegs.

Auslastung variiert aktuell noch

Derzeit unterscheidet sich die Auslastung des Busses von Tag zu Tag. „Der Freitag ist zum Beispiel nicht ausgelastet“, berichtet Edgar Krahn. Stephanie Straßer erläutert, dass man angenommen hatte, die Menschen wollten vielleicht zum Wochenmarkt. Dieser findet stets am Freitagnachmittag auf dem Essarter Platz statt, doch Fahrten dort hin sind bis jetzt noch nicht gefragt. Generell ist der Bus an Vormittagen und Nachmittagen jeweils vier Stunden unterwegs.

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13 Fahrer hat der Verein sowie fünf Zweitfahrer beziehungsweise Begleiter. Diese braucht es unter anderem, wenn Gruppen mitfahren oder Menschen mit speziellem Hilfebedarf. Unter den Fahrern ist eine Frau. Krahns Ausführungen nach sind die Ehrenamtlichen nicht oder nicht mehr berufstätig. Ingo Kitzmann kann sich vorstellen, noch einen Tag dazu zu nehmen, „wenn wir wirklich stabil im Betrieb sind mit den drei Tagen“. Der zusätzliche Tag ließe sich zum Beispiel für Sonderfahrten nutzen oder Werkstattbesuche. Unter den Begriff Sonderfahrten fallen die Gruppenfahrten. Edgar Krahn sagt, Senioren aus der Wohnresidenz am Schlosssee seien schon mal als Gruppe zu einem Konzert gefahren. „Wir haben dann einen Ansprechpartner, der eine Namensliste hat und dafür sorgt, dass alle rechtzeitig Bescheid wissen“, berichtet Krahn dem SÜDKURIER.

Momentan handelt es sich bei dem Bus noch um ein Leihfahrzeug. „Es hat einen hohen Einstieg. Auf einer Dreierbank durchzurutschen, ist für die älteren Leute nicht immer einfach. Besser wären also zwei Türen“, sagt Krahn. Auch fragt man sich, ob ein Fahrzeug benötigt wird, das rollstuhlgerecht ist. All das soll in der nächsten Zeit weiter erprobt und in den Meinungsbildungsprozess mit einbezogen werden. Der Verein hat vor, die Fahrten künftig noch mehr zu bündeln. Dies soll der bestmöglichen Auslastung dienen. Versichert sind zudem einige Privatfahrzeuge, sagt Vereinsvorsitzender Kitzmann.

Mit anderen zusammenschließen?

Um einiges weiter in der Zukunft spielt der Traum, sich mit anderen Kommunen zusammenzuschließen. Heiligenberg, Frickingen, Bermatingen und das Deggenhausertal kommen zur Sprache. „Wir wollen Ehrenamtliche wachrütteln. Dass sie sich fragen: Können wir da mitmachen?“, sagt Kitzmann, der sich vorstellen kann, dass die Neue Mitte für die Nachbarorte attraktiv sein wird. Er sagt: „Wir möchten eine dauerhafte Lösung sein.“ Alte Menschen, die ihre Autos abgeben, sollen die Sicherheit haben, dass es den Bürgerbus gibt.

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Kennenlernen am 21. März möglich

Kosten, die der Verein „Linzgau Shuttle„ nicht selbst decken kann, übernimmt laut Kitzmann momentan die Gemeinde Salem. Letztlich habe deren Zuschuss den Ausschlag für das Projekt gegeben. Kitzmann äußert sich lobend, dass die „Gemeinde erkannt hat, dass man was für Menschen mit Beeinträchtigung tun will“ und hofft auf dauerhafte Förderung. Im Bus steht ein Sparschwein, falls ein Fahrgast einen bestimmten Betrag spenden möchte, und auch so freut sich der Verein über Spenden. Ferner ist eine Mitgliedschaft möglich, die pro Jahr 12 Euro kostet, und es werden weitere Fahrer gesucht. Sie brauchen ein Attest vom Hausarzt, dass sie fahrtauglich sind, eine Bestätigung vom Augenarzt und ein polizeiliches Führungszeugnis.

Ein Kennenlernen wird am Samstag, 21. März, von 15 bis 18 Uhr im Foyer des Prinz Max in Neufrach veranstaltet. Kitzmann wirbt: „Zwischen den Fahrern und Gästen entsteht Kommunikation. Das, was wir machen, dient doch dem Zusammenhalt.“

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