Die Störche kehren aus ihren Winterquartieren zurück. Im Moment benötigen sie noch wenig Nahrung, aber sobald Ende April, Anfang Mai die Brut beginnt, ändert sich das gravierend. Störche brauchen für ihre vier bis fünf Jungtiere rund vier bis fünf Kilogramm Nahrung pro Tag. Störche fressen Würmer, Schnecken, Mäuse, Maulwürfe und Frösche. Mais- und Rapsfelder sind für Störche tote Flächen und so ist eine Zufütterung hier unvermeidlich, erklärt Affenberg-Leiter Roland Hilgartner. Der Affenberg verfüttert an seine 40 Brutpaare bis zu dreieinhalb Kilogramm Eintagsküken pro Storch pro Tag.

Ein Storch beim Nestbau.
Ein Storch beim Nestbau. | Bild: Manuela Klaas

Roland Hilgartner macht sich Gedanken darüber, wie die Eintagsküken ersetzt werden könnten, wenn sie in naher Zukunft durch das Gesetz zum Tierwohl nicht mehr gehandelt werden dürfen. Im Moment führe man die armen toten Küken wenigstens einem sinnvollen Zweck zu, sagt Hilgartner. Man experimentiere aber bereits mit proteinhaltigen Insekten wie beispielsweise der Heuschrecke. In Frage kämen auch Eiweiß- und Proteinhaltige Pellets, wie man sie als Tiernahrung bereits verwendet, oder die Stinte. Der Stint ist ein kleiner Fisch, aus nördlichen Gewässern, der heute schon an die Jungstörche verfüttert wird. Zunächst müssen die Vögel behutsam an eine andere Nahrung gewöhnt werden.

Die ersten ankommenden Störche, hier am Affenberg Salem.
Die ersten ankommenden Störche, hier am Affenberg Salem. | Bild: Manuela Klaas

Für 15 Minuten ist täglich die Futterwiese am Affenberg geöffnet und die Störche entscheiden, wie lange gefüttert wird. "Finden die Vögel ausreichend Nahrung, dann kommen sie gar nicht zum Futterplatz und wir sammeln das Futter wieder ein", erklärt Hilgartner. Es sei für ihn wichtig zu betonen, dass der Affenberg das Futter für die Störche deckele. "Wir können nicht die Störche der ganzen Umgebung füttern". Das heißt, Störche aus Bruckfelden oder Frickingen erreichen die Futterwiese nicht rechtzeitig, werden also praktisch nicht gefüttert.

Die ersten Störche, hier am Affenberg Salem, sammeln Nistmaterial.
Die ersten Störche, hier am Affenberg Salem, sammeln Nistmaterial. | Bild: Manuela Klaas

Roland Hilgartner ist der Meinung, dass der Effekt auf den Fortpflanzungstrieb der Störche bei Zufütterung oft zu kontroversen und ideologisch geführten Diskussionen führe. Auf abgeernteten Maisfeldern fänden die Vögel auch Nahrung, aber während der Aufzucht der Jungtiere wäre für ihn eine Zufütterung der Störche vom Affenberg alternativlos. "Das Problem ist doch, wer füttert die anderen Störche", trägt Hilgartner die Diskussion jetzt in die betroffenen Gemeinden.

Es wird im Moment eifrig Nestbau betrieben, wobei es auch Untermieter gibt: In diesem Fall baut ein Pärchen sein Nest unterhalb eines anderen.
Es wird im Moment eifrig Nestbau betrieben, wobei es auch Untermieter gibt: In diesem Fall baut ein Pärchen sein Nest unterhalb eines anderen. | Bild: Manuela Klaas

Der Bruterfolg der Störche unterstreiche das Artensterben, denn im hiesigen Raum und in weiten Teilen Baden-Württembergs sei er viel zu niedrig, erklärt Roland Hilgartner. Die Fakten lägen für ihn klar auf dem Tisch. Der Storch sei zwar langlebig, aber er könne vorhersagen, wenn sich die Bedingungen zum Beispiel in der Sahelzone änderten, würde die Population abnehmen. Störche seien sowohl Symbolträger als auch Sympathieträger aber ihr Bruterfolg gebe vor allem Aufschluss darüber, wie es mit unserer Umwelt bestellt ist, sagt der Primatologe.

Ein Storch kommt aus dem Winterquartier zu einem Horst in Daisendorf zurück.
Ein Storch kommt aus dem Winterquartier zu einem Horst in Daisendorf zurück. | Bild: Manuela Klaas

40 Brutpaare befinden sich beim Affenberg und 60 Brutpaare in der Umgebung. Besonders der trockene Sommer im vergangenen Jahr 2018 machte den Tieren sehr zu schaffen, weiß der Leiter des Affenbergs. In einer über einen Zeitraum von 20 Jahren andauernden Studie hat er herausgefunden, dass bereits bei einer Entfernung von 300 Metern zum Futterplatz signifikante Abweichungen nach unten im Bruterfolg zu erkennen sind. "Wir haben zwar definitiv eine höhere Rückkehrquote von Jungstörchen, das liegt aber nicht an einer verbesserten Situation unserer Umwelt, sondern vielmehr daran, dass die Störche auf offenen Müllhalden überwintern und dort fressen", bilanziert der Leiter des Affenbergs.

Die Störche auf einem Horst in Daisendorf bei Meersburg zählen jedes Jahr mit zu den ersten, die den Rückweg aus ihrem Winterquartier finden.
Die Störche auf einem Horst in Daisendorf bei Meersburg zählen jedes Jahr mit zu den ersten, die den Rückweg aus ihrem Winterquartier finden. | Bild: Manuela Klaas

Die Störche sind nicht ihrem Partner, sondern ihrem Horst treu. Die derzeit ersten ankommenden Störche am Affenberg Salem liefern sich normalerweise noch keine Revierkämpfe. Dafür sind die Jungstorche prädestiniert. Sie müssen sich erst einen Horst erkämpfen. Es wird im Moment eifrig Nestbau betrieben, wobei es auch Untermieter gibt: Zwei Pärchen bauen ihr Nest beispielsweise recht nah beisammen. Die Mitarbeiter am Affenberg hoffen, dass die Störche noch nicht so bald brüten, da die Küken neu einfallende Kälte nicht überleben würden.

Saisoneröffnung am Affenberg ist am 16. März. Eintrittspreise für den Park: Erwachsene 9 Euro, ermäßigt 8 Euro, Saisonkarte 50 Euro; Kinder von sechs bis 15 Jahren 6 Euro, ermäßigt 5 Euro, Saisonkarte 25 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt.