Mit einem breiten Grinsen fährt Darius Braun an der Haltnau vorbei. Noch trennen ihn knapp 20 Kilometer vom Ziel in seinem Heimatort Salem-Beuren. Zuvor steht aber noch ein Fototermin mit dem SÜDKURIER auf dem Programm.

Der Fahrrad-Abenteurer Darius Braun an der Haltnau, kurz bevor er sein Ziel nach 2700 Kilometern in Salem-Beuren erreicht.
Der Fahrrad-Abenteurer Darius Braun an der Haltnau, kurz bevor er sein Ziel nach 2700 Kilometern in Salem-Beuren erreicht. | Bild: Jäckle, Reiner

Überglücklich ist er, dass er sein angestrebtes Ziel von 2500 Kilometern um nahezu 200 Kilometer übertroffen hat. In 34 Tagen hat er nur vier Ruhetage eingelegt, ist im Schnitt 90 Kilometer täglich geradelt und ist drei Mal je eine kurze Strecke mit dem Zug gefahren. „Das war ein Mal nötig, weil ich extremen Gegenwind hatte“, erklärt der 30-Jährige. „Das andere Mal hatte ich mich mit 160 Kilometern am Tag überanstrengt und musste mich erholen.“ Da Darius Braun im September eine Lehrerstelle bei Tuttlingen antritt, hatte er etwas Zeitdruck, entschied sich deshalb für den Zug.

Wenn der ehemalige Hirntumorpatient von seinem Deutschland-Abenteuer erzählt, gerät er regelrecht ins Schwärmen. „Es gibt ja das Vorurteil, dass die Deutschen reserviert und kühl sind“, sagt er. „Das kann ich keineswegs bestätigen.“ Wenn man offen und freundlich auf Menschen zugehe, bekomme man es meistens auch zurück.

Darius Braun vor dem Kölner Dom.
Darius Braun vor dem Kölner Dom. | Bild: privat

In der Regel übernachtete Darius Braun in seinem Zelt. Er wurde auf seiner Tour von keinem Landwirt oder anderen Grundstückseigentümern abgewiesen. „Im Gegenteil“, betont er. „Viele haben mir sogar noch etwas zu essen angeboten und manchmal sogar noch ihre Dusche.“

Apropos Gastfreundschaft: „Meine Aktion öffnete regelmäßig Türen“, so Darius Braun. „Es kamen sogar häufig ganz tolle Gespräche zustande.“ Vor allem in Norddeutschland seien die Menschen unglaublich offen und herzlich gewesen.

Darius Braun mit seinem Fahrrad vor dem Brandenburger Tor in Berlin.
Darius Braun mit seinem Fahrrad vor dem Brandenburger Tor in Berlin. | Bild: privat

Im Süden dagegen seien sie eher verschlossen und zurückhaltend. Wenn das Eis aber einmal gebrochen gewesen sei, sei es auch dort sehr herzlich zugegangen. Und dort ist er auch zu Hause: „Als ich in Bayern die Alpen gesehen habe, bekam ich sofort ein Heimatgefühl“, sagt er. „Ich habe viele Regionen Deutschlands gesehen, aber bei uns ist es einfach am schönsten.“

Zurück zu Hause: Darius Braun im Garten in Salem-Beuren nach etwa 2700 Kilometern.
Zurück zu Hause: Darius Braun im Garten in Salem-Beuren nach etwa 2700 Kilometern. | Bild: privat

Seine größten Gegner auf der Reise waren der Gegenwind und die Hitze. Von Defekten ist er nahezu komplett verschont geblieben. „Ich hatte keinen einzigen Plattfuß“, sagt Darius Braun. „Lediglich in Mecklenburg-Vorpommern ist mir durch die wirklich schlechten Straßen der Gepäckträger gebrochen.“

Der Tachometer am Fahrrad von Darius Braun. Hier fehlt noch die Strecke von der Haltnau bis nach Salem-Beuren.
Der Tachometer am Fahrrad von Darius Braun. Hier fehlt noch die Strecke von der Haltnau bis nach Salem-Beuren. | Bild: Jäckle, Reiner

Von beeindruckenden Treffen in Münster und Bayreuth erzählt der 30-Jährige. Beide Male waren es Begegnungen mit Pfarrern. „In Münster war der eine so von meiner Geschichte fasziniert, dass er kurzerhand die Bibel und Weihwasser zückte und mich an Ort und Stelle mitten in der Stadt segnete“, erzählt Darius Braun. „Das war schon ein ergreifender Moment.“

In Bayreuth habe ihn der evangelische Stadtpfarrer spontan eingeladen und ihn gebeten, vor Gemeindemitgliedern seine Geschichte von der Hirntumordiagnose bis zur Deutschlandtour zu erzählen. „Danach lud er mich für den Winter noch einmal ein“, erzählt er. „Dann soll ich noch mal einen Motivationsvortrag halten und mit meiner Geschichte anderen Menschen Mut machen.“

Der Fahrradabenteurer aus Salem-Beuren hatte aber auch schwierige Situationen zu meistern. „In Norddeutschland hatte ich ein paar Tage Probleme mit dem Sitzen“, verrät er. „Bei 70 Kilometern begann mein Hintern wehzutun.“ Er habe sich aber zehn oder 20 Kilometer weitergequält, dann sei es wieder gegangen.

Deutlich schwieriger wurde es kurz vor Dresden. „Ich habe es einen Tag mit 160 Kilometern übertrieben und bekam tierische Schmerzen im Knie“, so Darius Braun. „Die Schmerzen waren so heftig, dass ich kurz Angst hatte, aufgeben zu müssen.“ Allerdings sei Aufgeben für ihn keine Alternative. Er habe das „größte Tief der Tour“, wie er es selbst nennt, mit Dehnübungen und Magnesium überwunden.

Darius Braun vor der Dresdner Frauenkirche.
Darius Braun vor der Dresdner Frauenkirche. | Bild: privat

„Außerdem bin ich die folgenden drei Tage nur jeweils 60 Kilometer gefahren“, so der 30-Jährige. „Danach waren die Schmerzen überwunden.“ Gerade in diesen Momenten seien die aufmunternden Sprüche am Fahrrad, die er sich dort selbst platziert hatte, unheimlich wichtig gewesen.

Die kleinen Motivationtstricks, die auf der Strecke den Gegenwind, die holprigen Straßen oder sonstige Hindernisse vergessen machen.
Die kleinen Motivationtstricks, die auf der Strecke den Gegenwind, die holprigen Straßen oder sonstige Hindernisse vergessen machen. | Bild: Jäckle, Reiner

Und 34 Tage nach seinem Start war er wieder am Bodensee – überglücklich, dass er seine Vorgabe deutlich übertroffen hatte. Die Deutschlandtour war für Darius Braun durch die Corona-Situation nur eine Alternative. Eigentlich wollte er 25 000 Kilometer auf der Panamericana von Kanada bis Argentinien mit dem Fahrrad fahren. „Dieses Projekt ist nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Ich will kommendes Jahr dieses Projekt angehen“, betont er.

Darius Braun vor der Loreley.
Darius Braun vor der Loreley. | Bild: privat

„Ich habe es jetzt vor allem mir bewiesen, dass ich es schaffen kann.“ Es habe etwa drei Wochen gedauert, bis sich sein Körper angepasst hatte, „dann lief es aber richtig super“, sagt Darius Braun. Diese kämpferische Einstellung hat dem 30-Jährigen in seinem Leben schon öfter geholfen, schließlich kämpfte er sich nach seiner Hirntumordiagnose und einer schwierigen Operation sowie einem Absturz in den Bergen als Jugendlicher schon zwei Mal zurück ins Leben.

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