Es war ein verstörendes Video, das vor einem halben Jahr im Netz kursierte: Eine junge Frau liegt auf einem Bett, die Hände auf eine blutende Bauchwunde gepresst. Blut auch im Gesicht, und dazu wimmernd die Hilferufe: „Lass mich leben. Bitte, bitte, ruft einen Krankenwagen." Das Opfer ist eine 17-jährige Frau aus Libyen. Tatort: ein Mehrfamilienhaus in Laupheim. Tatmotiv: die nach islamischem Recht beschmutzte Familienehre. Am Montag beginnt vor dem Landgericht Ravensburg der Prozess gegen den Bruder der jungen Frau, den Ehemann und die Eltern.

Mit 15 Jahren wurde das Opfer nach islamischem Recht verheiratet

Die Vorgeschichte: Vermutlich mit 15 Jahren wird A. mit einem 17 Jahre älteren Syrer nach islamischem Recht verheiratet. Mit 16 bringt sie ihr erstes Kind zu Welt. Aber in der Beziehung kriselt es bald. Die junge Mutter zieht zurück zu den Eltern, die 2015 mit drei Kindern nach Deutschland gekommen sind. Hier verliebt sie sich in einen 26-jährigen Flüchtling aus ihrer Heimat. Sie wird wieder schwanger. Am 27. Februar dieses Jahres kommt es schließlich zu der Bluttat in der Wohnung der Eltern in Laupheim.

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Der Bruder soll der schwangeren jungen Frau ein Messer in die Brust gestoßen haben, der Ehemann soll ihr mit einer Rasierklinge beide Mundwinkel aufgeschlitzt haben. Die 17-Jährige ist lebensgefährlich verletzt und verbringt einige Zeit in der Intensivstation eines Krankenhauses. Wie durch ein Wunder trug das ungeborene Kind keine Schäden davon.

Schwerstverletztes Opfer nach der Tat mit Handy gefilmt

Nach der Tat wurde von einem der Beteiligten in der Wohnung ein Handy-Video aufgenommen und an den neuen Freund der jungen Frau mit der Botschaft geschickt: "Du Hurensohn bist auch noch dran." Und aus dem Hintergrund ist eine Stimme zu hören: "Schau, wo ich stehe. Ich genieße es, ihr beim Sterben zuzusehen." Den Krankenwagen soll der Vater des Opfers gerufen haben. Später sagt er zu einem Reporter: "Das islamische Recht besagt: Wenn ein islamischer Richter eine verheiratete Frau zum Tod verurteilt, dann darf ich nicht Nein sagen..." Zusammen mit seiner Ehefrau ist der Vater wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt und sitzt in Untersuchungshaft.

Bruder des Opfers stand als Gefährder im Verdacht

Den beiden Hauptangeklagten, dem Bruder und dem 35-jährigen Ehemann, wird versuchter Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vorgeworfen. Beide flüchteten nach der Tat und konnten am Bahnhof im bayerischen Schweinfurt festgenommen werden. Der Bruder der jungen Frau ist den Ermittlungsbehörden bekannt. Im Zusammenhang mit Anschlagsplänen eines in Dänemark verurteilten Syrers hatten ihn Verfassungsschützer als Gefährder im Visier. Er musste jedoch nach anfänglichem Tatverdacht der Unterstützung einer islamistischen Gewalttat aus der Untersuchungshaft in Stuttgart- Stammheim entlassen werden.

Bruder sticht mit Brotmesser auf Schwester ein

Stunden später soll er laut Anklage in der Wohung der Eltern mit einem Brotmesser auf seine Schwester losgegangen sein. In einer Pressemeldung des Landgerichts Ravensburg zum sogenannten "Ehrenmordversuch in Laupheim" heißt es: "Für alle Angeklagten soll die beschmutzte Familienehre das Tatmotiv gewesen sein." Nach der bundesweiten Berichterstattung in Zeitungen und Rundfunk sowie im Fernsehen haben sich Leser und Zuschauer zu Wort gemeldet. So heißt es: "Warum wird das als Ehrenmord bezeichnet. Was hat das mit Ehre zu tun?" Und als Antwort: "Ehrenlosmordversuch wäre die richtige Bezeichnung."

Strenge Sicherheitsmaßnahmen für Prozess

Für den Prozessbeginn am Montag vor der 2. Großen Strafkammer und die folgenden Sitzungstage bis Ende November wurden strenge Sicherheitsmaßnahmen angeordnet. So müssen alle Zuhörer gültige Ausweise vorweisen und werden durch Metallsuchgeräte und Abtasten der Kleidung überprüft, bevor sie den Gerichtssaal betreten dürfen.