Wirkliche Spannung dürfte unter den 39.400 wahlberechtigten Ravensburgern nicht aufkommen, wenn am kommenden Sonntag, 11. März, um 18 Uhr in Ravensburg die Wahllokale für die Oberbürgermeisterwahl schließen. Daniel Rapp, der sich nach seiner ersten Amtszeit erneut zur Wahl stellt, hat keine Ernst zu nehmende Konkurrenz. Einzige Gegenkandidatin ist Fridi Miller aus Sindelfingen. Die 48-Jährige macht vor allem dadurch auf sich aufmerksam, dass sie in 50 Kommunen als Bürgermeisterkandidatin antritt. Ihr Dauerthema: angebliche Korruption und Misswirtschaft in den Amtsstuben. Bei der Kandidatenvorstellung im Konzerthaus vergangene Woche widmete sich Fridi Miller auch örtlichen Themen. So übte sie Kritik an der Verbuchung von Verlusten städtischer Eigenbetriebe, auch wolle sie die Eissporthalle stärker dem Publikumslauf und weniger den Eissport treibenden Vereinen zur Verfügung stellen. Auch kostenloses Essen für Grundschüler will Fridi Miller einführen. Weitaus provokanter als in ihrer Vorstellungsrede im Konzerthaus präsentiert sich Miller in ihrem eigenen Youtube-Kanal: "Ich bringe frische Wind ins Ravensburger Rathaus und räume da erst einmal gnadenlos auf." Sie kündigte an, im Falle einer Niederlage die Wahl sofort anzufechten.

Dass eine Große Kreisstadt mit rund 50.000 Einwohnern bei der OB-Wahl als Bühne für Selbstdarsteller und Spaßvögel missbraucht werden kann, stößt in der Bürgerschaft wieder einmal auf Unverständnis. Bereits vor acht Jahren gab es mit "Traumtänzer und Rosenkavalier" Alexander Miele einen ähnlichen Fall. Im Jahr 2010 gab es aber zumindest ein breiteres Bewerberfeld mit ernsthaften Kandidaten.

Als Gegenkandidatin bewirbt sich Friedhild Miller aus Sindelfingen.
Als Gegenkandidatin bewirbt sich Friedhild Miller aus Sindelfingen. | Bild: privat

Amtsinhaber Daniel Rapp, so nehmen es viele Ravensburger wahr, kann in seinen ersten acht Jahren solide Arbeit und Ergebnisse vorweisen, auch wenn die Rahmenbedingungen beispielsweise durch den millionenschweren WGV-Steuerstreit mit Stuttgart oder die mehrfach verteuerte Sanierung der Marienplatz-Tiefgarage nicht immer einfach waren. der 45-Jährige hatte bei seinen Schwerpunkten auch meist die Sorgen der Bürger getroffen. Das gilt auch bei den aktuellen Themen, die der Oberbürgermeister auch für seine zweite Amtszeit als besonders wichtig sieht: Die Schaffung bezahlbaren Wohnraumes, der Kampf um den Mollditetunnel und Reduzierung des innerstädtischen Verkehrs sowie die weitere Steigerung der Lebensqualität hat Daniel Rapp ganz oben auf der Agenda. "Es gibt noch viele Herausforderungen und die möchte ich gerne anpacken, damit Ravensburg eine lebenswerte und lebendige Stadt bleibt", sagt Rapp.