Auf den Tag genau ein halbes Jahr nach dem Brand in der Stadtkirche St. Jodok in Ravensburg hat ein 40-jähriger Mann vor dem Landgericht Ravensburg die Brandstiftung gestanden. Dabei war ein Schaden von mehr als 2 Millionen Euro entstanden.

Auch versuchte Brandstiftung in der Kirche in Schlier

Auch die versuchte Brandstiftung in der Kirche des Teilorts Schlier gehe auf sein Konto, gab der vielfach Vorbestrafte zu. In der Kirche St. Jodok habe er das Foto seiner Exfreundin angezündet, auf eine Couch geworfen, dann sei er weggelaufen und habe auf dem Marienplatz eine Portion Schupfnudeln gegessen, berichtete der Angeklagte.

Angeklagter äußert sich zur Anklage

Am ersten Verhandlungstag war das Medieninteresse größer als das der Zuhörer und bis zu Beginn war unklar, ob sich der Angeklagte zu den Vorwürfen der schweren Brandstiftung äußern würde. Offenbar ließ er sich aber von seinen beiden Verteidigern Philipp Döringer und Holger Bauer (beide Stuttgart) umstimmen, denn auf die Frage des Vorsitzenden Richters Franz Bernhard, ob er sich äußern wolle, sagte der Angeklagte: "Ja, ich mache Angaben."

Lebenslauf Teufelskreis aus Alkohol, Spielsucht und Straftaten

In den folgenden zwei Stunden wurde der Lebenslauf des Angeklagten aufgeblättert. Der Vater war Alkoholiker und gewalttätig, der Junge wuchs später in Heimen auf. Von einem Erzieher im Internat sei er sexuell missbraucht worden. Es habe ihm an Halt und Zuwendung von Kindesbeinen an gefehlt. „Ich bin mit Streit aufgewachsen“, war seine Aussage. Ab dem 16. Lebensjahr sei er in einen Teufelskreis mit Alkohol, Drogen, Spielsucht und Straftaten geraten. Er habe 17 Vorstrafen und mehrere Gefängnisaufenthalte, Therapien, Abbrüche und Rückfälle hinter sich.

Nach Räumungsklage drohte das Obdachlosenheim

Immerhin habe er im Gefängnis eine Ausbildung zum Bautechniker und zur Lagerfachkraft sowie den Staplerfahrerschein gemacht. Aber dann endete die Laufbahn als Betreiber eines Lokals mit 300 000 Euro Schulden und der Privatinsolvenz. 2017 war der Angeklagte nach Ravensburg umgezogen. Hier sei es ihm nach Jobverlust und dem Ende einer Beziehung im Frühjahr dieses Jahres „erbärmlich“ gegangen. Nach der Räumungsklage drohte der Umzug in ein Obdachlosenheim und mit den Sorgen sei auch sein Alkoholpegel gestiegen.

Richter: "Hört sich dramatisch an"

Richter Bernhard meinte dazu: "Das hört sich ja dramatisch an, man könnte auch sagen beschissen..."

Erst in Schlier Stellwand entzündet

Dann kam der Samstag genau vor einem halben Jahr, der 10. März. Morgens habe er reichlich Wodka neben der Kirche in Schlier getrunken, sei dann in die Kirche gegangen, habe zwei Opferkerzen nicht bezahlt, aber angezündet, und damit eine Stellwand entzündet. „Ich habe beobachtet, wie es ausgegangen ist." Dann sei er mit dem Bus nach Ravensburg gefahren, sagte der Mann aus. Es war Markttag und wie immer waren viele Menschen in der Stadt.

Dann in St. Jodok Foto von Exfreundin angezündet

In der Kirche St. Jodok zündete er wieder zwei Kerzen an. „Dann habe ich gebetet und mir alles durch den Kopf gehen lassen." Dann sei die Wodkaflasche leer gewesen. Allein in der Kirche, holte er das Foto der Exfreundin aus dem Rucksack, zündete es mit dem Feuerzeug an, „dann habe ich es auf das Sofa geschmissen und bin weg“, wie der Mann vor Gericht aussagte.

Anschließend Schupfnudeln auf dem Marienplatz

Nach einer Portion Schupfnudeln auf dem Marienplatz hörte er Sirenen, sah Rauch und Feuerwehrautos und ging in die Unterstadt, wo über 100 Feuerwehrleute den Kirchenbrand bekämpften. Drei Stunden hielt sich der Angeklagte dort auf und schickte einem Freund Nachrichten: "Hier ist die Hölle los... Feuerwehr, Polizei und LKA – alle da... Eine kirchliche Einrichtung anzünden – das machen diese Dreckschweine... Wir müssen die Ermittlungen aufnehmen!“

Angeklagter kündigte vor Tat an, "Scheiß zu machen"

Bekannt wurde auch, dass der Mann Tage vor der Brandstiftung einem Freund mitgeteilt hatte, er werde „irgendwo Scheiß machen, dass es knallt“. Und nach dem Kirchenbrand schrieb er der Polizei von einem Computer in der Ravensburger Arbeitsagentur, „es werden wieder Kirchen brennen“. Kurz danach wurde er festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft in Hinzistobel. Mithäftlinge sollen ihn als „Kirchenschänder“ bedroht haben.

Spätestens Ende Oktober soll ein Urteil verkündet werden. Die Malerarbeiten in St. Jodok sind zu 30 Prozent fertig. Die Kirche soll im Frühjahr wiedereröffnet werden.