Es müssen ganz schwere Minuten für die Eltern sein: Am gestrigen neunten Prozesstag vor dem Ravensburger Landgericht sind Vater und Mutter des wegen Mordes an seiner Ehefrau angeklagten 35-jährigen Mannes aus Hoßkirch als Zeugen geladen. Vorbei an den vielen Zuhörern im Saal 1 kommen die beiden zum Richtertisch. Aber Aussagen machen wollen sie nicht. Die Eltern berufen sich auf das Zeugnisverweigerungsrecht, das es Angehörigen von Angeklagten erlaubt zu schweigen. Auch die bei der Polizei gemachten Aussagen sollen in dem Verfahren nicht verwertet werden dürfen. Beim Hinausgehen ein kurzer scheuer Blick hinüber zum angeklagten Sohn, der seine 30-jährige Ehefrau und Mutter von zwei kleinen Kindern am Abend des 25. Februar 2017 in der gemeinsamen Wohnung erwürgt und später einen Unfall vorgetäuscht haben soll. Dabei erlitt er selbst schwere Verletzungen.

Einige Bedeutung könnten die Aussagen einer älteren Frau haben. Sie erzählt, was sie als Mieterin der Einliegerwohnung über dem Ehepaar am vermutlichen Tatabend gehört haben will. Von seltsamen Geräuschen spricht die Zeugin, dann präziser von einem „Geräusch wie von Rauferei“. Nachfragen ergeben folgende Geräuschkulisse: scharrende Laute vom Balkon herunter. Dann ein lauter Schrei. Dann „ein Bockler“. Dann sei es ruhig gewesen in der Wohnung über ihr. In ihrem Fernseher sei zur selben Zeit eine Sendung von der Fasnet gelaufen, erinnert sich die Frau. Und wie war das Verhältnis zum angeklagten Vermieter, will der Vorsitzende Richter Stefan Maier wissen. „Normal“, antwortet die Zeugin und ergänzt, „das war ein ganz Netter“. Gesehen habe sie ihn allerdings nicht oft.

Und da sind noch die Zeugen, die am vermutlichen Tatabend sahen, dass das Auto der Eheleute aus der Garage kurz raus und dann wieder reingefahren wurde. Wer am Steuer saß, ist nicht zu verifizieren. Eine junge Frau erzählt, sie habe nach einem Zeitungsbericht mit Bild in der folgenden Nacht davon geträumt. „Möglich, dass ich die Frau im Traum am Steuer gesehen habe..." Ein anderer Zeuge will später gesehen haben, wie das Auto "sehr, sehr, sehr langsam" weggefahren sei.

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Als Zeuge ist auch der Hoßkircher Bürgermeister geladen.